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Rapids French Connection: Das macht Mbuyi & Co. so attraktiv

kicker

Schaut man sich die Liste der Legionäre an, die in der 126-jährigen Klubgeschichte den grün-weißen Rapid-Dress getragen haben, sind Spieler aus Deutschland, Kroatien, aber auch Tschechien und Serbien weit vorne. Hingegen war Frankreich bis vor Kurzem ein weißer Fleck. Das hat sich erst geändert, als Markus Katzer vor zwei Jahren Fally Mayulu nach Hütteldorf gelotst hat - und der kam aus Linz.

Mittlerweile hat Rapid sechs Spieler aus dem Land des zweifachen Welt- und Europameisters in seinen Reihen, fünf Franzosen und den Ivorer Ange Ahoussou, der die letzten zweieinhalb Jahre vor seinem Wechsel nach Wien in der Grande Nation verbracht hat. Zufall ist das keiner mehr, der französische Markt ist aus mehreren Gründen längst zu Katzers Lieblingsmarkt geworden.

Das macht Frankreich für Rapid attraktiv

"Die Spiele dort sind alle sehr gut ausgebildet und haben einen guten Wiederverkaufswert." Das konnte Rapids Geschäftsführer Sport schon beim Mayulu-Verkauf feststellen. Obwohl der junge Stürmer in der Bundesliga noch nicht restlos überzeugt hatte, legte Bristol City für ihn 3,5 Millionen Euro hin.

Das wäre freilich noch kein Alleinstellungsmerkmal. Aber Katzer hat eine Besonderheit im französischen System entdeckt, die ihm zugute kommt. "In Frankreich gibt es in den ersten vier Ligen keine zweiten Mannschaften. Deshalb landen viele gut ausgebildete Spieler, die nicht gleich von der U 19 den Sprung in die Profimannschaft schaffen, bei Klubs in der zweiten, dritten oder sogar vierten Liga." Umso dankbarer seien diese, wenn sie die Chance bekommen, im Ausland in einer ersten oder auch zweiten Liga zu spielen.

Bei Rapid gibt es einige Beispiele dafür. Etwa Serge-Philippe Raux-Yao. Obwohl in Auxerre ausgebildet, war er es drei Jahre lang gewöhnt, seine Heimspiele bei Zweitligist Rodez AF vor durchschnittlich 2.500 Zuschauern zu bestreiten. Die Aussicht, vor über 20.000 Zuschauern und noch dazu Europacup zu spielen, hat ihn schnell von einem Wechsel zu Rapid überzeugt. Nach einer starken ersten Saison hat der 26-Jährige nicht nur seinen Marktwert von einer auf mindestens fünf Millionen erhöht, er hat sich auch für Klubs aus noch größeren Ligen empfohlen, was ihm in Frankreich wahrscheinlich nicht so schnell gelungen wäre.

Ähnliches gilt für Ange Ahoussou, den Rapid schon ein halbes Jahr nach seinem Übertritt vom Zweitligisten Pau um ein Mehrfaches der kolportierten 750.000 Euro Ablöse weiterverkaufen könnte.

Schnäppchen Marcelin & Mbuyi

Die guten Erfahrung mit den beiden haben Katzer veranlasst, mit Jean Marcelin einen weiteren Innenverteidiger zu verpflichten, obwohl aktuell dafür noch gar kein großer Bedarf bestand. "Für 100.000 Euro musste man einfach zuschlagen", hofft der Sportchef, dass das 25-jährige Schnäppchen genauso einschlägt wie Raux-Yao, sein früherer Klubkollege bei Auxerre. Immerhin war der frühere französische U-20-Nationalspieler, der mittlerweile für Madagaskar spielt, der AS Monaco im Jänner 2020 noch zehn Millionen Euro wert. Dass er jetzt so günstig zu bekommen war, hat auch mit dem Krieg in Israel zu tun, wo er zuletzt für Beitar Jerusalem tätig war.

Sogar aus der vierten Liga kam Claudy Mbuyi vor einem Jahr (ablösefrei!) nach St. Pölten. Der 26-Jährige, der auf Anhieb Torschützenkönig der 2. Liga wurde und dabei 21 Tore in 24 Spielen schoss, wurde beim Zweitligisten Stade Laval ausgebildet und verschwand dann in der Versenkung. Wenn es nach Peter Stöger geht, ist er auch in der höchsten Spielklasse für "10plus-Tore" gut. Für Katzer war er überhaupt "der beste Spieler in der Vorbereitung". Mit seinem Tor beim 1:1 gegen Union Berlin hat er auch bei Rapid bereits eine erste Duftmarke gesetzt - und mit einer Sprintgeschwindigkeit von 35,4 km/h auch schon mal den Fans gezeigt, wo seine Stärken liegen.

Antiste und das Gehaltsgefüge

Was Markus Katzer am französischen Markt noch gefällt, sind die vielen verschiedenen Ethnien, die zum Teil auch unterschiedliche körperliche Voraussetzungen mitbringen. Haben Ahossou, Raux-Yao, Marcelin, Mbuyi und auch Seydi schwarzafrikanische Wurzeln, stammt der Vater von Janis Antiste aus Martinique. Der leichtfüßige Mittelstürmer ist auch sportlich einen anderen Weg gegangen als seine Landsleute. Zwar entstammt der ehemalige französische Nachwuchsnationalspieler dem gleichen Klub in der Nähe von Toulouse wie Ismail Seydi, in die Niederungen des französischen Ligensystems musste der 22-Jährige aber nie abtauchen. Schon mit 19 wechselte er um 4,5 Millionen Euro zu Spezia Calcio nach Italien. Ein Jahr später legte Sassuolo für seine Dienste noch eine Million dazu. Beim Rückkehrer in die Serie A ist Antiste, der zuletzt an Nürnberg verliehen war, noch immer unter Vertrag.

Deshalb gilt für ihn auch nicht, was Markus Katzer an den französischen Spielern vielleicht am meisten schätzt: "Sie verdienen in der Ligue 2 einen Bruchteil davon, was Spieler in der 2. deutschen Liga verdienen." Und passen daher wunderbar in Rapids Gehaltsgefüge.