Es ist eine Entwicklung, die Fragen aufwirft rund um den Bieberer Berg und zunehmend für Kritik sorgt. Die vergangene Saison hatten die Offenbacher Kickers noch als Vizemeister beendet - mit einem Punkt Vorsprung auf den SGV Freiberg. Während der Sport- und Gesangsverein danach einen gewaltigen Aderlass zu verkraften hatte, hielt der OFC fast alle Stammkräfte, liegt nun aber nach der 2:5 (1:2)-Heimpleite im direkten Duell bereits 13 Zähler hinter dem von Sieg zu Sieg eilenden Spitzenreiter aus dem Landkreis Ludwigsburg.
Im Anschluss an die Partie hatte es Pfiffe gegeben. Vereinzelt wurde auch der Rauswurf von Sport-Geschäftsführer Christian Hock gefordert, dem eine verfehlte, zumindest aber gewagte Transferpolitik vorgeworfen wird. So war der OFC mit fünf Spielern in die Saison gestartet, bei denen klar war, dass sie nach langen Verletzungspausen noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sein oder noch länger fehlen würden. Wenn dann noch weitere Ausfälle hinzukommen, stößt man schnell an Grenzen. So standen gegen Freiberg sieben potenzielle Stammkräfte nicht zur Verfügung, auf der Ersatzbank saßen unter anderem vier U-19-Spieler.
"Haben sehr viele Personalprobleme"
"Wir haben sehr viele Personalprobleme", sagte Trainer Kristjan Glibo. "Uns fehlen die Unterschiedsspieler." In Keanu Staude, Valdrin Mustafa, Marc Wachs, Boubacar Barry und dem nur für den Fall der Fälle auf der Bank sitzenden Kapitän Maximilian Rossmann musste Glibo unter anderem auf fünf Akteure verzichten, die es zusammen auf 37 Erst-, 120 Zweit- und 318 Drittligaspiele bringen. "Es ist sehr schwierig, das zu kompensieren", gab der 43-Jährige zu. Gleichwohl sei sein Team gut eingestellt gewesen. Wie auch Freibergs Trainer Kushtrim Lushtaku zugab, nahmen die Kickers sein "Herzstück", die Doppelsechs, gut aus dem Spiel. Zudem trafen sie schon zum vierten Mal in dieser Saison nach einer Standardsituation. Doch zwei individuelle Fehler sorgten dafür, dass man mit einem 1:2-Rückstand in die Pause ging. Letztlich half der OFC bei vier der fünf Gegentore mit, auch weil teilweise die Cleverness fehlte.
Man könne von Talenten wie Ouassim Karada (19), Jona Borsum (20) oder Chernoh Bah (18) nicht verlangen, dass sie das alles "ziehen", betonte der Trainer. "Sie brauchen Führung, um zu wachsen. Aber zu viele unserer Führungsspieler sind derzeit nicht verfügbar." Die Hoffnung liegt nun auf deren Rückkehr. Sie haben allerdings körperliche Rückstände und das ist ein weiteres Problem: "Die Jungs brauchen Zeit, die wir nicht haben", sagte Glibo.
Kommen weitere Zugänge?
Auf die Frage, ob die Kaderplanung zu riskant gewesen sei und er sich noch Verstärkungen wünsche, antwortet er ausweichend: "Dass man nach gewissen Spielern Ausschau gehalten, sie aber nicht bekommen hat, ist bekannt. Wenn man noch etwas machen kann, sollte man es machen. Aber das ist keine Frage, die ich beantworten muss."
Sondern der in die Kritik geratene Sport-Geschäftsführer Christian Hock. Am Montag tagt turnusgemäß der Aufsichtsrat. Dann wird auch die sportliche Situation ein Thema sein. So oder so: Das Spiel am Freitag beim taumelnden Drittliga-Absteiger SV Sandhausen wird zum Krisengipfel. Die zwei vor der Saison als Topfavoriten gehandelten Teams hinken der Musik weit hinterher.