Aus Leverkusens Trainingslager in Rio de Janeiro berichtet Leon Elspaß
Am Dienstag war er pünktlich vor Ort. Gemeinsam mit Robert Andrich lief Granit Xhaka in Richtung des Trainingsplatzes, nahm gut gelaunt an den Aufwärmübungen teil und startete dann im internen Testspiel in Leverkusens A-Elf. Ob es eine seiner letzten Bayer-Einheiten war? Sein Wechselwunsch ist jedenfalls klar kommuniziert.
José Noguera Rodriguez, der Berater des Schweizers, hinterlegte den Standpunkt seines Klienten am Dienstag bei Sky in aller Deutlichkeit: "Granit will in die Premier League zurückkehren." Man habe bereits eine "grundsätzliche Einigung" mit dem AFC Sunderland erzielt. Der Premier-League-Aufsteiger "begeistert ihn - er will diese Herausforderung annehmen. Wir hoffen, dass Leverkusen seinen Wechselwunsch respektieren wird und dass die Klubs bald eine Einigung finden."
Rolfes: "Es gibt kein neues Angebot"
Wie Bayers Geschäftsführer Simon Rolfes reagiert? Vor der Einheit am Dienstag sagte er: "Es gibt kein neues Angebot". Und: "Es bleibt so, wie ich es immer gesagt habe." Xhaka sei "ein sehr wichtiger Spieler für uns", hatte er am vergangenen Freitag erklärt. "Unser Hauptinteresse ist es, ihn zu halten. Sicher, es gibt Interesse an ihm, wir müssen mit dem Spieler sprechen, um zu wissen, was seine Ambitionen sind. Aber klar ist: Nur bei einer Win-win-Situation würde es einen Transfer geben."
Nun drängt Xhaka auf den Wechsel, erhöht den Druck - und pocht auf eine zeitige Einigung zwischen beiden Klubs. Leverkusen allerdings wird wiederum auf die besagte Win-win-Situation pochen. Ein erstes Angebot von Premier-League-Aufsteiger Sunderland soll vor ein paar Tagen bei zehn Millionen Euro gelegen haben und abgelehnt worden sein, Bayer, so hieß es zuletzt, will 20 Millionen Euro haben. Abzuwarten ist nun, ob sich beide Klubs einigen.
Bayer-Chefs werden sich mehrere Fragen stellen
In Bayers Überlegungen wird dabei die Frage einfließen, ob Xhaka, der ein schwaches letztes Saisonviertel absolvierte, noch bis zum Vertragsende in drei Jahren auf Top-Niveau agieren kann. Zudem könnte wohl womöglich letztmals eine beträchtliche Ablösesumme für den 32-Jährigen, der zudem Top-Verdiener bei Bayer ist, eingestrichen werden. Und: Xhaka, der seit Wochen mit einem Wechsel liebäugelt, kann als Führungsfigur nur dann wichtig sein, wenn er voll überzeugt ist.
Es gilt schließlich, einen Umbruch zu stemmen, der die volle Energie erfordert. Der Mittelfeldmann, der die vergangenen zwei Erfolgsjahre bei Bayer maßgeblich prägte und großen Anteil am Double-Sieg 2024 hatte, will künftig allerdings lieber in Sunderland spielen. Das ist inzwischen für alle sichtbar und bekannt.