Viel aufreibender können 24 Stunden kaum verlaufen. In der Nacht auf Donnerstag war Leroy Sané in Istanbul angekommen, wurde von frenetischen Galatasaray-Fans empfangen und unterschrieb später am Tag einen Dreijahresvertrag beim türkischen Double-Sieger.
Um sich in der Nacht auf Freitag bereits wieder ins Flugzeug zu setzen und nach Orlando zu fliegen. Der Nationalspieler macht sich auf zur Klub-WM, ins letzte Abenteuer beim FC Bayern nach dann fünf Jahren und zahlreichen Trophäen.
"Die Entscheidung fiel mir nicht leicht", erklärt Sané wenig überraschend. "Die Zeit hier war nicht immer einfach, es gab aber auch viele Höhepunkte. Ich habe mich hier heimisch gefühlt, auch die letzte Saison hat mir viel Spaß gemacht, und ich habe über die Jahre viele Freundschaften innerhalb der Mannschaft schließen können."
Freundschaften, die natürlich bleiben, nur eben etwas anders. Warum es überhaupt so weit kam oder kommen musste, können alle Beteiligten nicht mit voller Überzeugung beantworten. Eine "kuriose Situation" sei das schon, sagt zum Beispiel Bayerns Sportvorstand Max Eberl. Und Sané? Der bleibt gelassen: "Auch wenn es medial in Teilen so dargestellt wurde, gab es nie eine hundertprozentige Einigung."
Sehr weit waren der Spieler und die Bayern zwar, "aber wir waren nicht durch", versichert Sané, der kurz vor knapp doch nochmal die Berateragentur wechselte, und plötzlich war alles irgendwie verzwickt. "Das hat dann alle beteiligten Seiten meiner Meinung nach leider unnötig unter Druck gesetzt. Aber es ist nun so, wie es ist - ich bin niemandem böse."
Es war, findet Sané, Zeit für das berühmte "neue Kapitel" in der türkischen Millionen-Metropole. "Ich denke, die Integration wird mir nicht schwerfallen", glaubt der 29-Jährige und ergänzt lachend: "Die Anzahl der Spieler bei Gala, die Deutsch sprechen, ist ja sehr hoch."
„Ich möchte definitiv bei der WM 2026 dabei sein.“ (Sané)
Was der Schritt raus aus einer Top-5-Liga in die Türkei für die Nationalmannschaftskarriere bedeutet? Erstmal schwierig zu sagen, Sanés WM-Chancen dürften zumindest nicht automatisch gestiegen sein. "Ich kann die Diskussion diesbezüglich im Ansatz verstehen, aber man sollte auch einfach mal abwarten", sagt er lieber. "Ich bin zur klaren Nummer 1 in der Türkei gewechselt, will hier auf jeden Fall eine absolute Führungsrolle übernehmen, wir spielen sicher Champions League und haben dort auch ambitionierte Ziele. Es wird also genügend Möglichkeiten geben, mich auf einem hohen Niveau zu präsentieren."
Den Austausch mit Bundestrainer Julian Nagelsmann soll es natürlich weiterhin regelmäßig geben. "Den habe ich bisher immer sehr geschätzt, und ich bin mir sicher, dass das auch weiterhin der Fall sein wird. Nun bin aber vor allem natürlich ich gefordert. Ich muss starke Leistungen zeigen und möchte definitiv bei der WM 2026 dabei sein." Erstmal aber wartet jetzt die Klub-WM - ein erstes und letztes Mal mit dem FC Bayern.