Die erste Frage nach dem Spiel beantwortete Klaus Gjasula noch sachlich und nüchtern: "Im letzten Drittel waren wir zu harmlos", befand Rot-Weiss Essens Mittelfeldspieler nach der Klatsche seiner Mannschaft beim SV Waldhof (1:6). Als entscheidenden Faktor für das letztlich deutliche Resultat verantwortlich machte Gjasula seine umstrittene Rote Karte, nach der Mannheim noch vier Treffer erzielte. "Irgendwann läuft dann halt alles für den Waldhof."
Als Gjasula am Mikrofon bei MagentaSport nochmals auf eben jene Szene angesprochen wurde, die zu seiner Hinausstellung führte, schlug sein Ton dann aber schnell um. In der 68. Minute rauschte der 35-Jährige zwar mit gestrecktem Bein in Kennedy Okpala hinein, touchierte den Mannheimer aber nur leicht. "Am Ende des Tages bin ich ihm nicht einmal auf seinen Fuß getreten, sondern nur mit meinem Sprunggelenk gegen seinen Spann geprallt", beschrieb Gjasula die Szene aus seiner Sicht und warf deshalb die - durchaus nachvollziehbare - Frage in den Raum: "Seit wann ist das eine Rote Karte im deutschen Fußball?"
Diese zückte der erfahrene Schiedsrichter Florian Lechner auf dem Platz dennoch, obwohl dieser das Foulspiel laut dem Verursacher gar nicht wahrgenommen habe. "Es kann nicht sein, dass jede Woche Schiedsrichter einfach irgendwie handeln, wie sie Lust haben, wenn sie es nicht sehen. Weil wenn er es sehen würde, würde er es ja nicht pfeifen. Das heißt, er sieht es nicht", echauffierte sich Gjasula, der mit seiner Kritik auch auf die harte Rote Karte für Tom Moustier bei Essens 3:0-Heimerfolg über Rostock am vergangenen Spieltag zu sprechen kam.
"Einfach nach Gefühl", würden die Schiedsrichter, so die Meinung Gjasulas, ihre Roten Karten verteilen. "Das geht nicht." Platzverweise seien "spielentscheidend, ein Spieler wird gesperrt, er bekommt Geldstrafen, ein Verein leidet darunter". Und das "nur, weil der Schiedsrichter Lust hat, eine Rote Karte Woche für Woche zu geben, ohne es richtig gesehen zu haben", redete sich Gjasula im Weiteren völlig in Rage. "Das geht nicht, deswegen muss auch in Zukunft daran was geändert werden."
Eine Forderung lieferte Gjasula am Ende seiner Wutrede gleich auch noch mit: "Schiedsrichter müssen genauso Strafen bekommen wie auch Vereine und Spieler. Dass sie irgendwann nicht mehr pfeifen dürfen, dass sie Geldstrafen bekommen. Sie verdienen Geld, genauso wie wir auch."
Von einer womöglich längerfristigen Sperre, weil er Referee Lechner nach Zeigen der Karte auch noch am Arm gepackt hat, wollte Gjasula nichts wissen: "Ich habe ihn einfach nur gehalten und gesagt: 'Warte, hör mir zu, ich habe ihn nicht getroffen.' Das ist das Normalste der Welt. Und wenn man jetzt dafür auch noch härtere Strafen bekommt, dann dürfen wir ja gar nichts machen, dann packen wir ein, dann lassen wir die Kameras das Spiel entscheiden, und dann ist gut. Wir sind immer noch im Fußball. Emotionen sind da, und dann muss man damit auch leben, wenn etwas nicht passt und man sich benachteiligt fühlt."
Koschinat: "Werde beim DFB keine Chance haben, Schiris zu schulen"
Zurückhaltender als Gjasula, wenngleich ebenfalls frustriert, äußerte sich RWE-Trainer Uwe Koschinat, der eine andere Entscheidung Lechners aus der Schlussphase in den Mittelpunkt hob. Nach einer Schwalbe von Sascha Voelcke entschied der Unparteiische trotz allen Unmuts beim vermeintlichen Übeltäter Michael Kostka auf Elfmeter, den Nicklas Shipnoski zum zwischenzeitlichen 5:1 verwandelte.
"Ich weiß nicht, was ich meinen Spielern noch sagen soll, wenn es beispielsweise einen Elfmeter gibt in einer Situation, in der ein Spieler ganz klar abhebt und sowohl der Linienrichter als auch der 4. Offizielle einen hervorragenden Blick auf die Situation haben", die aber "nichts anderes zu tun haben", als den aufgebrachten Trainer an der Seitenlinie zu beruhigen, "anstatt in so einer Situation einzugreifen."
Im Moment würden sich die "extrem harten Entscheidungen in Fifty-Fifty-Situationen" häufen. "Da müssen wir uns natürlich ganz heftige Gedanken machen: Woran liegt das? Denn scheinbar haben wir keinen Einfluss auf die Entscheidung der Schiedsrichter. Also müssen wir irgendetwas umstellen, um es besser zu machen", sagte Koschinat und skizzierte auf der Pressekonferenz gleich noch eine mögliche Lösung: Seine Spieler sollten Zweikampfsituationen ab sofort so gestalten, "dass sie von den Schiedsrichtern nicht negativ ausgelegt werden können." Begründung: "Ich werde beim DFB keine Chance haben, Schiris zu schulen. Also muss ich meine Mannschaft schulen."
Viel Zeit, dies in der Vorbereitung auf das kommende Duell in die Realität umzusetzen, bleibt Koschinat aber nicht. Bereits am Mittwoch (19 Uhr, LIVE! bei kicker) ist seine Mannschaft gegen Hoffenheim II wieder im Einsatz. Klar ist schon jetzt: Egal welcher Schiedsrichter für das Spiel eingeteilt wird, er dürfte auf alle Fälle unter besonderer Beobachtung stehen.