Die Stuttgarter Kickers scheinen bereit für den Auftakt in der Regionalliga Südwest. Die durchwachsene, inkonstante Vorsaison ist aufgearbeitet, der Kader wurde umgebaut, deutlich verjüngt und das Team zeigt vor dem ersten Ligaspiel eine ansteigende Tendenz. Hätte nur das Verletzungspech, vor allem zu Beginn der sechswöchigen Vorbereitung, nicht so zugeschlagen.
"Das waren ärgerliche Rückschläge, aber insgesamt sind wir bei vielen Themen, die wir uns vorgenommen hatten, vorangekommen. Wir haben es geschafft, die neuen Spieler sehr gut in unsere Mannschaft zu integrieren, was sicherlich ein wichtiger Baustein für die kommenden Aufgaben ist", sieht Cheftrainer Marco Wildersinn die Vorbereitung trotzdem als gelungen an.
Erster Pflichtspielsieg soll Sicherheit geben
Die Testspielergebnisse der vergangenen Wochen tragen ihren Teil dazu bei. Auf das 4:1 gegen Drittliga-Aufsteiger TSG Hoffenheim II, der allerdings mit einigen U-19-Akteuren auflief, folgte bei der Generalprobe vor einer Woche ein 2:0 gegen Ligakonkurrent SC Freiburg II. Auch der Pflichtspielauftakt verlief am Dienstagabend beim 1. Göppinger SV mit einem 2:0 und dem damit verbundenen Einzug in die dritte Runde des württembergischen Verbandspokals erfolgreich. "Der Auftritt im Pokal sollte uns Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Mein Gefühl sagt mir, dass wir für diesen Zeitpunkt auf einem guten Level sind", meint Wildersinn.
Dabei müssen die Blauen zum Saisonstart noch auf vier wichtige Spieler, von denen drei durchaus als Leistungsträger anzusehen sind, verzichten. Während Stammtorwart Felix Dornebusch und Sturmtalent David Stojak mit ihren Kreuzbandrissen noch monatelang fehlen werden, fallen in den kommenden Wochen auch noch Christian Mauersberger (Meniskusriss aus der vergangenen Saison) und Per Lockl, der im Test gegen Hoffenheim II einen Teilriss des Außenbandes im linken Fuß erlitten hat, aus.
Dumrath vertritt Dornebusch im Tor
Dafür gab Neuzugang Vincent Schwab gegen Freiburg sein Comeback und ist nach seinem Handbruch wieder eine Option. In der Innenverteidigung scheinen sich aber zunächst Milan Petrovic und Rückkehrer Jacob Danquah etabliert zu haben. Dahinter hat der vom FC St. Gallen ausgeliehene Bela Dumrath den Kampf um die vorläufige Nummer 1, mindestens während Dornebuschs Ausfallzeit, gegen die Eigengewächse Leon Neaime und David Mitrovic für sich entschieden.
"Es war eine enge Entscheidung, denn wir haben auf dieser Position insgesamt eine sehr gute Konkurrenzsituation. Wir sehen Bela in seiner Entwicklung einen kleinen Schritt weiter. Er wirkt in seinem gesamten Torwartspiel schon sehr reif und stabil, das war letztlich ausschlaggebend", erläutert Wildersinn.
„Ich bin hier zu Hause und fühle mich im Herzen komplett als Blauer.“ (Neu-Kapitän Lukas Kiefer)
Angeführt wird die Mannschaft vom neu gewählten Kapitän Lukas Kiefer. "Für mich ist es eine riesige Ehre, Kapitän dieser Mannschaft und dieses Vereins zu sein. Ich bin hier zu Hause und fühle mich im Herzen komplett als Blauer", sagt Kiefer. Sein Vorgänger Nico Blank übernimmt die Rolle des Stellvertreters. Gemeinsam mit Neuzugang Maximilian Zaiser dürfte Kiefer der Taktgeber im Kickers-Spiels sein.
Hinter der Offensive stehen noch einige Fragezeichen, war doch die Chancenverwertung eines der Probleme der Vorsaison. Auf den Außenpositionen ließen die Eigengewächse Oskar Hencke und Nevio Schembri ihr Talent bereits aufblitzen. Nach Schembris Ellenbogenverletzung kam Flamur Berisha vermehrt zum Zug und glänzte im Pokalspiel als Torschütze, wie auch der erfahrene Mittelstürmer David Braig. Der 19-jährige Marlon Faß zeigte erste Ansätze, aber auch, dass er noch etwas Zeit benötigt. Gut möglich, dass im August noch ein weiterer Angreifer auf die Waldau kommt.
„Wenn uns das gelingt, traue ich uns die ein oder andere Überraschung in der Liga zu.“ (Lukas Kiefer)
Unter anderem aufgrund der Kader-Verjüngung schießen die Erwartungen unter dem Stuttgarter Fernsehturm nicht zu sehr in die Höhe. "Wir werden in jedem Spiel versuchen, das Maximum herauszuholen und die Entwicklung unserer jungen Mannschaft weiter vorantreiben. Die jungen Spieler bringen enormes Potenzial mit. Jetzt geht es darum, sie zu formen und Konstanz in unsere Leistungen zu bringen. Wenn uns das gelingt, traue ich uns die ein oder andere Überraschung in der Liga zu", sagt Kiefer. Und Wildersinn ergänzt: "Wir haben eine junge Mannschaft, in der noch sehr viel Entwicklungspotential steckt. Wir wollen jedes Spiel nutzen, um uns Schritt für Schritt zu verbessern."
Schwere Aufgabe zum Auftakt
Der Anfang soll am Sonntag bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz gemacht werden. "Gerade das erste Saisonspiel ist extrem wichtig, um mit einem positiven Gefühl in die Runde zu starten. Fulda, vor allem auswärts, ist immer ein hartes Stück Arbeit", weiß Kiefer und denkt vermutlich an die 1:2-Niederlage in Osthessen im April.
Auch Wildersinn erwartet eine schwere Aufgabe. "Fulda hat einerseits einige erfahrene Spieler verloren, andererseits den Kader aber mit einigen Spielern, die sehr gut in die Spielidee von Trainer Daniyel Cimen passen, verstärkt. Die Mannschaft ist schneller und beweglicher geworden. Trotzdem verfügen sie noch über die nötige Robustheit und Erfahrung, aber wir sind vorbereitet." Am Sonntagnachmittag wird sich zeigen, ob die Stuttgarter Kickers tatsächlich bereit für die neue Saison und die ansteigende Tendenz fortsetzen können.