Die Sportfreunde Siegen können doch noch verlieren. Nachdem beim Meister der Oberliga Westfalen auch in den vergangenen Wochen der Name zumeist Programm war und nach sechs Spieltagen ohne Niederlage in der Regionalliga West Platz 1 in der Tabelle aufleuchtete, leistete sich der einstige Zweitligist in der vergangenen Woche einen unerwarteten Ausrutscher und schied in der 2. Runde des Westfalenpokals im Kreisderby gegen Westfalenligist TuS Erndtebrück mit 0:1 aus.
"Das war ein typisches Pokalspiel, in dem wir nicht konzentriert genug waren, um unsere Chancen zu nutzen", blickt Trainer Thorsten Nehrbauer zurück auf den ersten Rückschlag der noch jungen Saison 2025/26, in der die Sportfreunde genau dort weitermachen, wo sie im Juni aufgehört hatten. Seit bald einem Jahr, genauer gesagt seit einem 0:3 gegen den ASC Dortmund am 20. September 2024, sind die Siegener in Punktspielen ligaübergreifend unbesiegt. "Das ist deutschlandweit einzigartig und ein schöner Nebenfakt. Für uns geht es einfach darum, uns zu entwickeln, und es spricht nichts dagegen, dass unsere Serie noch weitergeht", meint Coach Nehrbauer, dessen Team noch einen Auswärtsauftritt beim 1. FC Bocholt und ein Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte davon entfernt ist, das Jahr ohne Liga-Niederlage zu komplettieren.
"Wir spielen jetzt gegen zwei Favoriten hintereinander. Das ist für uns auch eine spannende Entwicklung, zu sehen, ob wir schon so weit sind, da mitzuhalten", sagt Nehrbauer. Dabei hat der Aufsteiger nicht zuletzt durch neun Punkte aus den jüngsten drei Partien längst angedeutet, dass er die Regionalliga West in dieser Saison nicht nur halten, sondern mitprägen kann. "Ich glaube schon, dass wir uns eine Menge Respekt erarbeitet haben und mittlerweile mit anderen Augen gesehen werden als vor der Saison", erklärt der SFS-Coach.
Rumpf und Goden als Upgrade
Mit dazu beigetragen haben auch die jüngsten Personalentscheidungen der Siegener, die sich am letzten Tag der Wechselperiode noch einmal namhaft verstärkt haben. Nach den Abgängen von Innenverteidiger Paul Polauke (SGV Freiberg) und Eigengewächs Hassan El Chaabi (Leihe zum FC Gießen) verpflichteten die Sportfreunde noch Rückkehrer Jan-Luca Rumpf und den flexibel einsetzbaren Angreifer Kevin Goden (jeweils 26). Beide trugen zuletzt das Trikot von Alemannia Aachen, haben diverse Profi-Einsätze von der Bundesliga bis zur 3. Liga in ihrer Vita stehen und dürfen dementsprechend nicht nur als numerischer Ersatz, sondern als klares qualitatives Upgrade angesehen werden.
"Dass wir solche Spieler bekommen können, ist ein weiterer Beleg für die gute Entwicklung, die wir in den letzten Monaten genommen haben", betont Nehrbauer, der den Transfer-Doppelschlag aber nicht als frühzeitige Kampfansage im Aufstiegsrennen verstanden wissen will. "Wir bleiben bei unserer Vision, uns einfach stetig verbessern zu wollen", erklärt der Coach, dessen Team mit 14 Zählern aus sechs Spielen punkt- und torgleich Erster ist mit Fortuna Köln, wobei die Südstädter eine Partie mehr absolviert haben. Schon fünf Punkte Rückstand hat hingegen der vielfach als Aufstiegsfavorit gehandelte 1. FC Bocholt, den die Sportfreunde also vorerst abhängen könnten.
"Bocholt ist noch nicht so richtig in Tritt gekommen und hat zuletzt dreimal in Folge unentschieden gespielt. Die werden auch wissen, dass der Abstand schon relativ groß wird, wenn sie gegen uns verlieren sollten, also ist da schon Druck beim Gegner. Wir gehen ganz demütig an die Aufgabe ran, wissen aber auch, dass wir die Qualität haben, Bocholt zu ärgern", sagt Nehrbauer. Holt Aufsteiger Siegen am Hünting mindestens einen Punkt, fehlt nur noch ein Spiel bis zum kompletten Jahr ohne Liga-Niederlage. Verlieren können die Sportfreunde scheinbar nur noch im Pokal …