Herr Silberberger, die Sturm-Frage: Hat der Meister die nach dem Abgang von Mika Biereth aufkommende Flaute im Angriff beheben können?
Sturm wird wieder viel über das Kollektiv machen. Außerdem sind die Grazer extrem stark bei Standard-Situationen, da haben sie noch sehr viel von Christian Ilzer verinnerlicht und das können sie auch unter Jürgen Säumel abrufen. Standard-Situationen sollten überhaupt bei allen Spitzenmannschaften ein großer Punkt sein. Ich sage immer, die Standards müssen der beste Stürmer einer Mannschaft sein. Wenn du es schaffst, 35 bis 40 Prozent deiner Tore aus Standards zu erzielen, bist du bei einem absoluten Top-Wert. Übrigens: Wir haben im Vorjahr bei der Admira sogar 50 Prozent gehabt, sind aber trotzdem nur Zweiter geworden.
Ist Salzburg auf dem richtigen Weg, wenn es statt der Supertalente jetzt mehr auf Routine setzt?
Ich glaube schon, dass sie eine routinierte Achse benötigen, man hat im Vorjahr gesehen, dass es ohne eine solche Achse kaum geht. Mit Lainer haben sie einen super Routinier, der wieder zurück ist. Wobei ich persönlich meine routinierte Achse lieber im Zentrum als außen habe. Ich glaube aber auch, dass sie nach dem Abgang von Oscar Gloukh noch nachlegen müssen, obwohl sie auch jetzt schon wieder eine schlagkräftige Mannschaft haben. Vorne hätte ich - wenn er auch bleibt - Daghim auf der Rechnung, der taugt mir extrem. Ich glaube, dass der heuer explodiert.
War die Cup-Pleite für die Austria nur ein Ausrutscher oder ein Vorgschmack auf die ganze Saison?
In der Vorsaison haben sie noch die Hand an der Meisterschale gehabt, jetzt haben sie im Cup natürlich voll eine in die Gosch’n gekriegt. Das trübt das Ganze ein wenig. Das ist schon eine Schramme, die noch tiefer gehen kann. Gegen einen Regionalligisten in der 1. Runde so auszuscheiden, das macht auch etwas mit der Mannschaft. Ein richtig gutes Fazit wird man erst zur ersten Länderspielpause ziehen können, aber ich glaube, dass die Austria wieder eine gute Rolle einnehmen kann, wenn wie im Vorjahr alles passt. Spannend wird sein: Kann Sarkaria mit Fitz? Das sind doch zwei sehr gleichgeartete Spieler, die beide in jede Aktion involviert sein wollen. Beide können den Unterschied ausmachen, aber verträgt's zwei solche Spieler auf den neuralgischen Positionen in der Bundesliga? Da bin ich sehr neugierig, wie es Stephan Helm anlegen wird. Eigentlich wäre Fitz nach seiner phantastischen Saison ja reif gewesen für den nächsten Schritt. Sollte er doch noch passieren, hat die Austria alles richtig gemacht und mit Sarkaria richtig vorgebaut.
Wird die Überraschungsmannschaft WAC der Europacup-Doppelbelastung Tribut zollen müssen?
Was der WAC im Vorjahr geleistet hat, war phantastisch. Wenn sie in der 97. Minute das Tor machen, sind sie nicht nur Cupsieger, sondern auch noch österreichischer Meister. Das ist unglaublich. Man muss kein Experte und kein Prophet sein, um zu behaupten, dass das nur schwer zu wiederholen sein wird. Aber Didi Kühbauer hat wieder einmal einen überragenden Job gemacht. Er hat alle Vereine, die er trainiert hat, stabilisiert und in die Erfolgsspur gebracht. Deswegen glaube ich auch, dass ihm das wieder gelingt. Ob's dann wieder zu so einer tollen Saison reicht, ist aber die Frage.
Wird Rapid mit Ihrem vorjährigen Admira-Sportdirektor Peter Stöger einen Schritt nach vorne machen?
Rapid hat vorne extrem Qualität verloren, das müssen die Neuen erst einmal auffangen. Auch Zweitliga-Schützenkönig Mbuyi wird sich oben erst beweisen müssen. Dass das bei Rapid doppelt so schwer ist, wie bei jedem anderen Klub, weiß auch jeder. Sie haben jetzt zwar zwei Pflichtsiege gefeiert, aber ohne sich mit Ruhm zu bekleckern. Aktuell hat Peter Stöger noch extrem viel Arbeit. Aber wie ich Peter im unserem gemeinsamen Jahr bei der Admira kennengelernt habe, lässt er sich davon nicht beeindrucken. Er ist extrem gut strukturiert und ruht in sich. Das sind für einen Rapid-Trainer schon einmal wichtige Eigenschaften. Man hat auch nach den ersten beiden Spielen, in denen die Leistung noch nicht so gepasst hat, schon gesehen, dass er das super moderiert. Bei einem anderen wären da vielleicht schon die ersten Kritikpunkte aufgekommen. Also, wenn einer Rapid in ein sicheres Fahrwasser führen kann, dann ist es der Peter, weil er einfach im Leadership extreme Qualitäten hat.
Ist Gerald Scheiblehner bei Blau-Weiß Linz ersetzbar?
Jeder ist ersetzbar! Im letzten Jahr haben alle gefragt, wie es bei der WSG ohne Silberberger weitergehen soll und es ist weitergegangen. Es wird auch nach Scheiblehner weitergehen. Mitja Mörec ist ja auch ein Fachmann. Aber die Top Sechs zu wiederholen, wird schwer. Du brauchst sowieso immer einen schwächelnden Großklub, damit du als kleinerer Verein eine Chance hast. Bisher hat es immer einen gegeben, aber ob’s diesmal auch einen gibt? Dass Ronivaldo seine Tore wiederholen kann, glaube ich schon, weil er einfach ein exzellenter Fußballer ist und das Spiel versteht. Da ist es egal, wie alt er ist.
Im Vorjahr ist ein prominenter Co-Trainer in Salzburg gescheitert, ergeht es dem langjährigen Mourinho-Co Sacramento beim LASK besser?
Den Co-Trainer eines prominenten Trainers sehe auch ich als die spannendste Personalie beim LASK. Weil eines ist klar: Die Rolle des Co-Trainers und des Cheftrainers sind zwei völlig unterschiedliche Jobs. Plötzlich musst du im Leadership stark sein, kannst dich nicht mehr so zu den Spielern committen wie als Co-Trainer und wirst von den Spielern auch anders wahrgenommen. Da wird jedes Wort von dir auf die Waagschale gelegt. Daran ist wahrscheinlich auch Pep Lijnders gescheitert, weil von den Trainingsinhalten sind diese Leute, die mit Welt-Trainern zusammengearbeitet haben, sicher top. Aber eine Mannschaft führen, das kann man nicht kopieren.
Wie verkraftet der TSV Hartberg acht Auswärts- und drei "Heimspiele" in der Südstadt in den ersten elf Runden?
Also elf Auswärtsspiele. Das wird eine ganz schwierige Saison für den TSV. Jeder, der in der Bundesliga gearbeitet hat, weiß, wie schwer ein Bundesliga-Auswärtsspiel ist. Und wenn du dann acht Mal auswärts und drei Mal auf neutralem Platz spielst - wobei das Heimspiel gegen Rapid ja auch ein Auswärtsspiel ist - kannst du schnell in ein negatives Fahrwasser kommen. Da helfen dir dann auch acht Heimspiele am Stück wenig. Das wird spannend, wie Hartberg diese Challenge annimmt. Dann haben sie mit Avdijaj noch einen Schlüsselspieler verloren. Aber das ist das Los dieser Vereine. Du kriegst zwar gute Spieler, aber wenn sie performen, machen sie den nächsten Schritt.
Ihre alte WSG Tirol wird auch das "verflixte siebente Jahr" Bundesliga überstehen?
Same procedure as every year! Sie werden sehr wahrscheinlich wieder in die unteren Sechs reinrutschen, aber sie werden die Liga wieder souverän halten. Weil eines hat die WSG, was kein anderer hat - die Ruhe im Verein. Nur wegen sportlichem Misserfolg wird es dort nie einen Trainerwechsel geben. Man wird nicht unrund, wenn man einmal in den Abgrund schaut, das ist viel wert für einen Trainer. Dazu kommen gute Transfers und dass Müller und Taferner nach ihrer sehr guten Saison geblieben sind.
Kann das "schwierige zweite Jahr" für den GAK noch schwieriger werden als das erste?
Der GAK hat ein sehr turbulentes Jahr hinter sich und wäre gut beraten, wenn er diesmal mit einem Trainer auskommt und nicht dreimal alles über den Haufen wirft. Das Cup-Aus hat jetzt allerdings schon alte Wunden offengelegt und gezeigt, dass noch einiges zu tun ist. Grundsätzlich finde ich den Ansatz von Ferdl Feldhofer schon richtig, dass er einmal schaut, dass die Null stehen muss. Und er hat bewiesen, dass er sehr schnell eine super Struktur in eine Mannschaft bringen kann, damit sie punktet. Und punkten ist da unten das Um und Auf.
Wird es für die Altacher noch einmal reichen, oben zu bleiben?
Altach habe ich im Frühjahr nicht so schlecht gesehen, das war eher eine Ergebniskrise. Sie haben einen ganz passablen Fußball gespielt, auch wenn es am Ende traditionell wieder eng geworden ist. Das ist aber fast normal, wenn du auf den hintersten Rängen in die Qualigruppe gehst. Aber ich habe schon gesehen, dass sie einen mutigeren Ansatz gewählt haben. Wenn sie die Ergebniskrise beseitigen können, könnten sie diesmal auch eine vernünftige Rolle spielen.
Wie wird sich die SV Ried, der Sie im Aufstiegsrennen den Vortritt lassen mussten, bei ihrer Bundesliga-Rückkehr schlagen?
Verdient, weil sie in der Rolle des Jägers permanent Druck ausgeübt haben. Gegenüber Vereinen wie Hartberg und WSG haben die Rieder einen echten Heimvorteil. Jeder, der einmal in Ried gespielt hat, weiß, wie schwierig es dort ist. Da ist das Publikum sofort da, dazu der enge Platz - da sehe ich Ried schon gut aufgestellt. Auch was die Standards betrifft. Sie haben extreme Körpergröße, das ist für eine Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt, schon ein Tool. Allerdings ist in Ried auch schnell Feuer am Dach, wenn's einmal nicht läuft. Dass Senft schon so lange Ried-Trainer ist, ist auch ein Gütesiegel.