"Mich eist man hier nicht so einfach los. Ich fühle mich pudelwohl, wohne nur wenige Minuten von der Anlage entfernt", sagt Patrick Schmitz, der dem SSV Bornheim seit fast drei Jahrzehnten verbunden ist - als Spieler, Jugendtrainer, Förderer, Identifikationsfigur.
In der Saison 2025/26 steht der 33-Jährige bereits zum 18. Mal an der Seitenlinie, nachdem er Jugendteams und die Zweite erfolgreich betreut hat. Seit fünf Jahren trägt er die sportliche Verantwortung für die Erste - und hat mit ihr nun Vereinsgeschichte geschrieben.
Historisches Double: Kreispokalsieg und Aufstieg
Der Klub, der 2023 noch in der Bezirksliga spielte, feierte ein historisches Double: den Aufstieg und den Sieg im Bonner Kreispokal. "Wir haben etwas geschafft, das wir gar nicht erwartet haben. Jetzt genießen wir jedes Spiel - es ist eine tolle Reise", sagt Schmitz. Trotz des Erfolgs bleibt er bei seinem Kurs: "Unser Trainerteam und die Strukturen verändern sich nicht. Wir halten daran fest - weil es funktioniert."
Die vergangene Saison war kein Selbstläufer. Nach starker Hinrunde geriet der SSV in der Rückserie ins Wanken. Zwei Niederlagen in drei Spielen sorgten für Unruhe, der Vorsprung schrumpfte. Doch die Mannschaft zeigte Moral - etwa beim 2:1 gegen Verfolger Borussia Lindenthal-Hohenlind vor 750 Fans an der heimischen Wallrafstraße. Der Befreiungsschlag gelang am letzten Spieltag: Mit einem klaren 5:1 beim FV Bad Honnef machte Bornheim den Aufstieg perfekt. Für Schmitz ist der Zuschauerzuspruch mehr als Statistik - er steht für eine gewachsene Verbindung: "Die Menschen kommen, um die Bornheimer Jungs zu sehen. Diese Symbiose wollen wir schützen", sagt er.
„Wir machen Spieler besser, kaufen den Erfolg nicht zusammen.“ (Patrick Schmitz)
Den Verein nennt er liebevoll einen "schlafenden Riesen", der nun langsam erwacht. Mit dem sportlichen Aufstieg steigen auch die Herausforderungen abseits des Platzes. "Das Umfeld kam mit der sportlichen Entwicklung nicht mit", sagt Schmitz. Also packen Spieler, Trainer und Helfer selbst an - sogar beim Kabinen- und Toilettenbau. Der Schlüssel zum Erfolg liegt für Schmitz in der konsequenten Nachwuchsförderung: "Wir machen Spieler besser, kaufen den Erfolg nicht zusammen."
Hirschfeld ist das Paradebeispiel
Paradebeispiel für Bornheims erfolgreichen Kurs ist Nick Hirschfeld, der mit 18 Toren und 15 Vorlagen zum Aufstiegsgaranten avancierte - und frühzeitig seine Zukunft in Bornheim verlängerte. Doch auch die Kaderbreite soll in der Mittelrheinliga stimmen: Zur gezielten Verstärkung wurden acht Neuzugänge verpflichtet. Als erfahrene Spitze stößt Julio Molongua (30) vom SV Schönenbach dazu. Er bringt "Torgefahr und Routine", wie Schmitz betont, und soll als Führungsspieler im Angriff vorangehen.
Für Robustheit und Mittelrheinliga-Erfahrung im Zentrum setzt das Trainerteam auf Mohammed Bouchafrati (23), der vom FC Hennef 05 kommt. Mit Stefano Alicata (23) konnte zudem ein offensiver Mittelfeldspieler von Fortuna Bonn gewonnen werden - ein Akteur mit besonderer Vorgeschichte: Am 18. Spieltag war er es, der Bornheim mit zwei Treffern beinahe den Aufstieg vermasselte. "Die hätten uns fast den Aufstieg gekostet", erinnert sich Schmitz nur ungern an diesen Tag zurück.
Auf der rechten Außenbahn sorgt künftig Danny Simmo (22) vom SSV Merten, laut Trainer "schnell und technisch stark", für noch mehr Variabilität im Spiel nach vorne. Hinzu kommt Benoit Hiobi (22, Ludwigshafener SC), der die Offensive weiter beleben soll und mit Tempo sowie Entwicklungspotenzial überzeugt. Für die Defensive stoßen zwei weitere Talente dazu: Ayman Gassa (20) kommt vom 1. FC Düren kann flexibel eingesetzt werden; Can Catak (18) hingegen kommt aus der U 19 vom FC Hennef, gilt als Perspektivspieler auf der linken Abwehrseite und soll behutsam an die Mittelrheinliga herangeführt werden.
„Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein. Auf dem Platz soll Chaos herrschen.“ (Patrick Schmitz)
Die Mittelrheinliga bringt auch neue Reize - etwa mit dem Derby gegen den SSV Merten. "Bisher haben wir sie noch nie in einem Pflichtspiel geschlagen. Vielleicht klappt es ja endlich mal", sagt Schmitz. Trotz der Rivalität herrscht Respekt: "Wir gratulieren uns gegenseitig - das ist faire Konkurrenz auf sportlicher Ebene." Leicht will es Bornheim keinem Gegner machen. Schmitz bringt es auf den Punkt: "Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein. Auf dem Platz soll Chaos herrschen" - natürlich rein sportlich. Gemeint ist: Laufstärke, Aggressivität, Intensität. Bornheim will kein Mitläufer sein. Sondern ein Faktor.