Bei Rot-Weiß Oberhausen hat der seit einem halben Jahr amtierende Vorstandsvorsitzende Marcus Uhlig eine vor drei Jahren geäußerte Idee aufgegriffen und gemeinsam mit einer internen Arbeitsgruppe sowie der Stadt Oberhausen neue Aufbruchstimmung entfacht: Das Stadion Niederrhein, das 2026 genau 100 Jahre alt wird, soll fit für die Zukunft gemacht werden.
Das gesamte Vorhaben hat zwar keinen festen Zeitplan, doch in Abstimmung mit der Stadt als Eigentümerin sollen kurzfristig folgende Maßnahmen umgesetzt werden: die Errichtung eines vierten Flutlichtmastes und Erneuerung der Leuchtkörper, damit die Lux-Stärke den Auflagen der übertragenden Sender in höheren Ligen gerecht wird; die Erneuerung der schwerfällig gewordenen Rasenheizung auch unter energetischen Gesichtspunkten und die Verbesserung der Beschallung.
Drittligataugliches Stadion
Diese Punkte waren auch im Lizenzverfahren für die 3. Liga angesprochen worden. Seitens der Stadt sicherten Oberbürgermeister Daniel Schranz und Sportdezernent Jürgen Schmidt ihre Unterstützung zu - auch in einem deutlich weiterreichenden Punkt: der sogenannten Kanalkurve, dem ältesten noch erhaltenen Teil des bald hundertjährigen Stadions. Diese Stehplatztribüne fasst rund 6.000 Zuschauer und war zuletzt bei Spielen gegen die Lokalrivalen MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen zumindest teilweise gut gefüllt.
Die Zuschauerkapazität insgesamt würde sich nach einem derartigen Umbau zwischen 12.000 und 15.000 bewegen. Das Stadion - zur Eröffnung 1926 als "Schmuckkästchen" und "Kleinodie des Westens" beschrieben - würde mit einer Ringsum-Überdachung (allerdings unterschiedlichen Höhen) wirken wie etliche Stadien im Heimatland des Fußballs, verschachtelt und irgendwie romantisch.
Nach den Vorstellungen von Verein und Stadt soll die relativ marode Kurve abgerissen und durch eine gerade hinter dem Tor stehende Tribüne mit 3.030 Sitzplätzen und acht VIP-Logen ersetzt werden. Dahinter ist ein Funktionsgebäude geplant, das diverse Funktions- und Büroräume sowie gastronomische Angebote (innen und außen) umfasst.
„Sicher ein zweistelliger Millionenbetrag.“ (Michael Wehling über die Kosten des Umbaus)
Auf die Frage nach den Kosten gab es allerdings nur eine vorsichtige Schätzung: "Sicher ein zweistelliger Millionenbetrag", äußerte sich Projekt-Mitentwickler Michael Wehling aus dem RWO-Aufsichtsrat. Wie eine finanziell angeschlagene Stadt wie Oberhausen ein solches Vorhaben stemmen soll, ist derzeit noch unklar.
Für Aufklärung werden in den nächsten Monaten die Modalitäten der Bereitstellung von Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Sondervermögen des Bundes sorgen. Hilfreich sollte eine Wirtschaftlichkeitsberechnung sein, um die sich Stadt und Verein nun gemeinsam kümmern. Alt-Oberbürgermeister Burkhard Drescher, ebenfalls RWO-Aufsichtsrat, ist überzeugt: "Das Projekt rechnet sich durch Einkommen aus Vermietung und Verpachtung sowie höheren Zuschauerzuspruch. Wenn die Stadt Refinanzierungsmöglichkeiten nachweisen kann, ist das gegenüber dem Land als Zuschussgeber sehr positiv."
Wenig Widerstand erwartet
Politisch will Oberbürgermeister Schranz die Angelegenheit so schnell wie möglich auf den Weg durch die Gremien bringen. "Widerstand aus dem politischen Raum ist nicht zu erwarten", meint er. Immerhin: Am 14. September sind in NRW Kommunalwahlen, und die allermeisten der rund 3.000 RWO-Stammgäste geben ihre Stimme in Oberhausen ab.