"Die Ernüchterung ist tatsächlich groß. Nach fünf Spielen mit null Punkten dazustehen, damit hatte bei uns gar keiner gerechnet." Dabei war der Saisonbeginn mit dem 3:1-Sieg beim Ligakonkurrenten Lupo Martini Wolfsburg im Landespokal noch verheißungsvoll verlaufen. Man könne mithalten, war die Erkenntnis des Aufsteigers. "Wir waren guter Dinge, jetzt sind wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden", muss Korte gut sechs Wochen später eingestehen.
Dass es schwer werden würde, war den Verantwortlichen der Emsländer allerdings von vornherein klar. Daher ist man bei Holthausen Biene enttäuscht, aber nicht entsetzt, über die aktuelle Situation. "Wir sind ein bisschen zu grün. Unser Problem ist die Abwehr. Wir sind nicht stabil genug", analysiert Korte. 17 Gegentore, ein Schnitt von 3,4 Gegentreffern pro Spiel, sind schlichtweg zu viel. "So viele Tore kannst du in der Oberliga vorn gar nicht schießen", sagt Korte realistisch. Wobei die Torausbeute mit drei Treffern auch äußerst mau ist.
"Es ist für uns alle eine ungewohnte Situation. Auch wir als Trainerteam haben noch nie fünf Spiele hintereinander verloren", räumt Henning Schmidt ein. Natürlich ist er als Trainer mitverantwortlich für die prekäre Lage. Aber er genießt die volle Rückendeckung der sportlichen Führung. "Eine Diskussion lasse ich gar nicht aufkommen. Wir sind ganz klar der Meinung, dass Henning und Jakob die beiden richtigen Trainer sind. Das wird mit denen ganz normal weitergehen. Das habe ich Henning auch gesagt. Er wird die richtigen Worte finden", ist sich Korte sicher, ohne Wenn und Aber.
Probleme defensiv und offensiv
Tatsächlich erscheinen Schmidt und Co-Trainer Klaus Jakob nicht im Geringsten rat- oder tatenlos. Vielmehr arbeiten sie besonnen und akribisch daran, die Schwachpunkte abzustellen. In den bisherigen Spielen wurde deutlich, dass die Mannschaft in der Abwehr über ein Schnelligkeitsdefizit verfügt. Das Problem ist erkannt, aber so schnell nicht gebannt. "Die Schnelligkeit kannst du nicht wirklich trainieren. Da musst du taktisch agieren, zum Beispiel eine Person nach hinten ziehen, um Überzahl zu schaffen", ergründet Schmidt und beschreibt: "Aber wenn du hinten plus eins hast, folgt daraus vorn ein Minus eins." Die Tordifferenz von 3:17 visualisiert die Klemme, in der der Coach bei seinen Maßnahmen steckt.
Die größte Malaise jedoch ist das große Verletzungspech, das Holthausen Biene seit dem ersten Saisonspiel verfolgt. Gleich sieben Stammspieler sind verletzt. "Das können wir momentan nicht auffangen, dafür sind wir zu jung", erklärt Korte und gibt sich selbstkritisch. "Ich gestehe natürlich Fehler ein. Aber wir waren die letzten zwei Jahre verwöhnt, sind ohne Verletzte überall gut durchgekommen. Dass das jetzt auf Schlag einmal ganz anders aussieht, dafür ist der Kader zu dünn. Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten wie unsere ganzen Gegner."
Tempo-Umstellung zur Landesliga
Aber woher kommt die ungewöhnlich hohe Zahl an Verletzten? Diese ist auch der sehr intensiven Spielweise in der Oberliga geschuldet. "Wenn du 40 Sprints in der Landesliga machen musst, musst du 80 in der Oberliga machen", erklärt Schmidt die weitaus höhere Beanspruchung, die folglich vermehrt zu Muskelverletzungen führen kann. "In sechs Wochen kannst du das nicht aufholen. Ich hoffe, dass sich meine Spieler nach und nach an das hohe Tempo gewöhnen."
In den Trainingsabläufen wurde jedoch nichts weiter verändert. Um was es geht, beschreibt der 51-Jährige so: Wir versuchen widerstandsfähiger zu werden, pressingresistenter. Alle Mannschaften werden uns pressen. Die sagen sich: Guck dir die Tordifferenz an. Daran arbeiten wir. Aber wir machen auch motivierende Übungen. Ich brauche im Training nicht draufzuhauen. Die Jungs sind enttäuscht genug." Auch wenn die Umstände im Biener Busch wenig rosig erscheinen, sind alle bei Holthausen Biene weit davon entfernt, die Apokalypse auszurufen.
Vergangene Woche haben sich Vereinsführung, Trainerteam und Mannschaft an einen Tisch gesetzt und ausgesprochen. Statt groß zu trainieren, wurde Tacheles geredet. "Wir haben klar gesagt, dass jeder Einzelne noch drei, vier, fünf Prozent draufpacken muss", erläutert Korte, der in sein zweites Jahr als Sportlicher Leiter geht. Alle sehnen sich nach einem Erfolgserlebnis. "Und wenn es auch nur ein Punkt ist, das wäre wichtig für die Moral", weiß Schmidt. "Können wir mit der ersten Elf spielen und alle sind topfit, haben wir Möglichkeiten, mitzuhalten." Da sind sich der Coach und sein Chef einig: "Wenn alle Spieler wieder gesund sind, glaube ich, dass wir uns vor keinem Gegner verstecken müssen."
Ein Blick auf die nächsten Gegner zeigt aber, wie herausfordernd die kommenden Wochen werden. Mit Wilhelmshaven, Hildesheim und Heeslingen warten drei "Mega-Klopper", wie Schmidt sie nennt. "Aber ich habe den Jungs gesagt: Warum sollen wir nicht gegen Wilhelmshaven punkten?" Doch wenngleich diese drei Spiele allesamt verloren gehen sollten, wird bei Holthausen Biene keine Panik aufkommen. Jedenfalls nicht beim Sportdirektor: "Erst wenn wir am 20. Spieltag noch dastehen, wo wir jetzt sind, dann werde ich mir Sorgen machen", sagt Korte ein wenig scherzend.