Alles schien geregelt - doch plötzlich stand Westfalia Rhynern ohne Trainer da. Alexander Bruchhage, der die Mannschaft erfolgreich auf Platz 3 geführt hatte, verabschiedete sich bereits im März. Die Doppelbelastung aus erster Mannschaft und Jugendförderung war zu groß. Ein Nachfolger schien schnell gefunden: Marcel Stöppel. Doch überraschenderweise blieb der Wunschkandidat beim TuS Hiltrup, nachdem er dort den Aufstieg geschafft hatte.
Vier Wochen vor Trainingsbeginn entschied sich der Verein für eine interne Lösung, die angesichts der kurzen Vorbereitungszeit nahelag: David Schmidt und Tobias Langner übernahmen die Verantwortung als gleichberechtigte Trainer. Langner war zuvor Co-Trainer der ersten Mannschaft, Schmidt brachte Erfahrung als Sportlicher Leiter und zudem als Spielertrainer der SG Bockum-Hövel mit - eigentlich wollte er unter Stöppel primär die Aufgaben als Sportlicher Leiter wahrnehmen.
Rückblickend erinnert sich Schmidt an Stöppels plötzliche Absage: "Wir hatten uns früh geeinigt, sogar über den Kader gesprochen. Natürlich ist man dann enttäuscht und auch ein bisschen sauer. Aber so ist das Geschäft - wir haben einen Haken dran gemacht."
Klare Aufgabenverteilung zwischen Schmidt und Langner
Die Vorzüge des Trainerduos liegen auf der Hand: Beide kennen den Verein bis in die Jugendabteilung, was eine ideale Ausgangsbasis für die Umstellung darstellt. "Wir teilen uns Training und Besprechungen, jeder bringt seine Stärken ein", sagt Schmidt. Langner übernimmt vor allem die taktische Planung, während Schmidt die Mannschaft koordiniert und die letzten "passenden Puzzlestücke" setzt.
Im Kader blieb kein Stein auf dem anderen. Zehn Spieler verließen den Klub, darunter Identifikationsfiguren wie die Brüder Jan und Lennard Kleine, Abwehrchef Tim Neumann und Torwart Marcel-Maik Brylka. Schmidt erklärt: "Gerade die Identifikationsfiguren zu ersetzen, war schwer. Aber die Neuen haben sich schnell eingefügt, auch dank der alten Spieler."
Westfalia Rhynern legte in der Offensive nach
Die Antwort des Vereins: Verjüngung und Tempo. Offensivmann Johannes Thiemann kam von der SG Finnentrop/Bamenohl, Philipp Ratz (SVW Soest) stabilisiert die Defensive, während Georges Baya Baya (SC Peckeloh), Mathis Paschko (Hammer SC 08) und Kerim Karyagdi (FC Brünninghausen) im Angriff für mehr Optionen sorgen: "Wir haben bewusst in der Offensive nachgelegt, weil wir im Vorjahr dort Probleme hatten." Besonders Ratz und Thiemann haben schnell überzeugt. "Philipp Ratz ist gerade nicht wegzudenken, und Johannes Thiemann ist super torgefährlich, mit beiden Füßen stark", lobt Schmidt.
Neben den jungen Wilden setzte Rhynern gezielt auf erfahrene Kräfte. Mit Christopher Balkenhoff (SG Bockum-Hövel) kam ein früherer Regionalliga-Keeper, der sofort zum Führungsspieler aufstieg. Schmidt betont: "Wir haben verjüngt, da war es wichtig, ein bis zwei erfahrene Spieler dazuzuholen. Christopher passt perfekt, er führt die Jungs, ist noch topfit."
Wie ein Neuzugang wirkt Wladimir Wagner. Der Torjäger hatte in der vergangenen Saison stets mit Verletzungen zu kämpfen. Schmidt betont: "Wenn er die Form hält, wird er noch viele Spiele für uns machen." Das Herzstück des Teams bleibt Kapitän Michael Wiese: "Er sorgt dafür, dass sich neue Spieler sofort wohlfühlen und Leistung bringen. Ich kann mir aktuell keinen besseren Mannschaftsführer vorstellen." Mit zehn Punkten aus fünf Spielen führt die Mannschaft die Tabelle - ein Zwischenstand, der alles andere als selbstverständlich ist.
„Wenn die Basics nicht greifen, wird es gegen jeden Gegner schwer.“ (David Schmidt)
Sportlich begann die Saison mit einem Paukenschlag: 6:1 beim hoch gehandelten RW Ahlen. Schmidt erklärt: "Wir sind über den Kampf ins Spiel gekommen, danach haben wir unsere spielerische Klasse ausgespielt." Zugleich warnt er: "Wenn die Basics nicht greifen, wird es gegen jeden Gegner schwer" - wie die 3:1-Niederlage bei Aufsteiger TSG Sprockhövel zeigte. Die Liga ist unberechenbar: "Man kann gegen jeden verlieren und gegen jeden gewinnen. Wenn wir nicht 100 Prozent geben, wird es schwierig."
Die Vision: Regionalliga - aber nachhaltig
Langfristig ist das Ziel klar: der Aufstieg. Aber Schmidt betont die Vernunft: "Alle wären sehr stolz, wenn wir den Sprung schaffen. Aber es muss nachhaltig sein. Nicht hoch und sofort wieder runter, sondern stabilisieren und die Klasse halten." Dazu brauche es mehr als sportlichen Erfolg. Sponsoren sollen gewonnen, Ehrenamtliche unterstützt und Strukturen gefestigt werden. "Wir müssen schauen, dass wir stabil bleiben und neue Leute gewinnen. Dann sind wir auch für die Zukunft gut aufgestellt."