Damian Apfeld hatte eine "wilde Partie" angekündigt - und er sollte Recht behalten. 429 Zuschauer am Schetters Busch sahen ein echtes Oberliga-Drama, das erst in der 94. Minute entschieden wurde: Kevin Kourouma erzielte den 4:3-Siegtreffer für die SpVg Schonnebeck.
"Natürlich ärgert uns das. Wir hätten den Punkt sehr gerne mitgenommen und wollten ungeschlagen bleiben", sagte der Trainer von Ratingen 04/19 nach der bitteren Auswärtsniederlage. Dennoch blieb er ruhig: "So ist Fußball - irgendwann schlägt das Pendel auch mal auf unsere Seite aus." Auf eine Ansprache in der Kabine verzichtete er, da "jeder mit sich selbst beschäftigt" gewesen sei. Stattdessen setzte er auf eine nüchterne Videoanalyse, die "nicht nur die Gegentore, sondern auch die Spielphasen dazwischen" beleuchtete.
Sein Team zeigte, dass es nicht zufällig als Tabellenführer in die Partie gegangen war. Doch Sorgen bereitet Apfeld die Defensive: "Wir bekommen derzeit zu viele Gegentore. Die Fehler passieren auf den Außenbahnen, im Sechserraum oder direkt vor dem Tor."
„Torreiche Spiele entsprechen nicht meinem Stil.“ (Damian Apfeld)
Bereits in der vergangenen Saison kassierte Ratingen 54 Gegentore in 34 Spielen; in dieser Saison sind es schon zehn in vier Partien. Den Ausfall von Abwehrspieler Phil Spilmann lässt Apfeld nicht als Ausrede gelten. Schon beim 5:4 gegen den VfB Hilden und beim 2:2 gegen den SC St. Tönis zeigte sich die wacklige Defensive. "Torreiche Spiele entsprechen nicht meinem Stil. Ich lege viel Wert auf klare defensive Abläufe."
Trotz der Niederlage bleibt Ratingen auf Kurs. "Wir wollten von Anfang an unter den Top sechs sein. Jetzt sind wir Dritter, alles ist eng", betont Apfeld. Besonders stolz ist er auf die Fitness seines Teams: "Für eine Oberligatruppe ist das auf einem sehr ordentlichen Niveau."
Kontinuität und vertraute Gesichter im Kader
Dass er nach längerer Pause den Schritt nach Ratingen wählte, kann man durchaus als Fingerzeig für die gestiegenen Ambitionen des Tabellenneunten der Vorsaison werten. Beim ETB Schwarz-Weiß Essen hinterließ er eine stabile Basis und formte junge Spieler wie Noel Futkeu (aktuell SpVgg Greuther Fürth). In Ratingen sieht er Parallelen, aber auch Unterschiede: "Am Ende des Tages sind das zwei sehr gut strukturierte Oberligisten, die zum Inventar gehören. Ratingen ist in der ewigen Oberligatabelle auf Platz 1, ETB auf Platz 2."
Warum blieb er in der Oberliga, obwohl durchaus der ein oder andere Regionalligist angeklopft haben dürfte? "Da ich im Fußball nicht hauptamtlich arbeiten möchte, ist die Oberliga genau das richtige Umfeld für mich. In Ratingen hatte ich vom ersten Gespräch diesen hohen Wohlfühlfaktor. Da stand für mich sofort fest: Das will ich machen", erklärt der 39-Jährige. Auch für seine Familie fiel die Entscheidung leicht: "Uns wurde der Wechsel extrem erleichtert."
Am Götschenbeck setzt Apfeld auf bekannte Gesichter: Linksaußen Umut Yildiz, die Mittelfeldakteure Guiliano Zimmerling und Almedin Gusic kamen vom ETB. Zudem überzeugte er Yannick Geisler (zuletzt SpVg Schonnebeck), den er bereits als A-Jugend-Coach bei Rot-Weiss Essen betreute. Auch Teile seines Co-Trainerteams kennt er aus Essener Zeiten. "Es ist immer von Vorteil, wenn man Spieler kennt und sie sowohl fußballerisch als auch charakterlich einschätzen kann."
Sportlich reizt ihn vor allem, Ratingen dauerhaft in der Oberliga-Spitzengruppe zu etablieren. Von einem schnellen Aufstieg ohne Substanz hält er wenig: "Unsere Aufgabe wird sein, Umfeld und Strukturen nachhaltig weiterzuentwickeln."