Trotz der ersten Heimniederlage in dieser Saison in der Regionalliga West (0:2 gegen Spitzenreiter Sportfreunde Siegen) dachte Christopher Schorch (36), Teamchef und Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Bocholt, gar nicht daran, Trübsal zu blasen. Ganz im Gegenteil! "Ich bin stolz auf die Jungs", formulierte der Ex-Bundesliga-Profi vielmehr - und freute sich auch über die Reaktion des Publikums: "Die Fans haben honoriert, dass wir alles versucht haben. Es war die beste Stimmung im Stadion seit Jahren."
Was Schorch meinte: Obwohl seine Mannschaft schon ab der 23. Minute nach der Roten Karte für Abwehrspieler Dawyn-Paul Donner wegen einer Notbremse in Unterzahl spielen musste, bestimmten die Westmünsterländer weiterhin das Spiel und ließen den Ligaprimus kaum zur Entfaltung kommen. Am Ende scheiterte Bocholt an der brutalen Effizienz der Sportfreunde, die ihre wenigen Chancen eiskalt nutzten, und an sich selbst.
Den ehemaligen Abwehrspieler Schorch ärgerten vor allem die individuellen Fehler, die sowohl dem Platzverweis für Donner als auch den beiden Gegentreffern vorausgingen. "Da haben wir einfach schlecht verteidigt", ärgerte sich der Teamchef. Auf der Gegenseite hatte seine Mannschaft mehrfach den Ausgleich auf dem Fuß, unter anderem scheiterte der eingewechselte Angreifer Cedric Euschen (27) mit einem Lupfer an der Latte.
"Das ist momentan der Unterschied. Siegen macht aus wenig sehr viel, während wir einen großen Aufwand betreiben, daraus aber zu wenig machen", erklärte der Teamchef. Die Folge: Während die Sportfreunde die Tabellenführung festigten, rutschte der 1. FC Bocholt auf Platz 9 ab und ist schon acht Punkte von der Spitze entfernt.
Nächster Anlauf in Köln
Um das zu ändern, strebt Schorch schon am Dienstag, im nächsten Top-Spiel beim Tabellendritten Fortuna Köln, wieder ein Erfolgserlebnis an. "Wir treffen auf einen spielerisch sehr guten Gegner, der auch viele erfahrene Leute in seinem Kader hat", so der Bocholter Teamchef: "Dennoch sind wir jederzeit in der Lage, auch dort zu bestehen und unser Spiel durchzubringen." Nicht mithelfen können dabei neben dem gesperrten Donner auch weiterhin Angreifer Thomas Gösweiner (30/Achillessehnenriss) sowie die Mittelfeldspieler Isaak Akritidis (23/Not-Operation wegen Kompartmentsyndrom) und Max Jansen (32/Muskelfasereinriss). Immerhin ist zumindest beim Ex-Homburger Jansen "Land in Sicht". Er soll in etwa einer Woche wieder voll ins Training einsteigen.
Grundsätzlich sieht Schorch den Traditionsverein vom Hünting im Jahr seines 125-jährigen Bestehens auch unabhängig von den jüngsten Ergebnissen auf dem richtigen Weg. "Wir befinden uns jetzt erst in der vierten Saison in der Regionalliga. Dafür sind die Fortschritte gigantisch", betont er.
Bester Beleg: Gegen die Sportfreunde Siegen war der Heimbereich im Stadion mit etwas mehr als 2.000 Plätzen schon Tage zuvor ausverkauft. Der Zuschauerschnitt liegt aktuell bei 2.166. Zum Vergleich: Am Ende der Premierensaison in der Regionalliga (2022/2023) waren es noch 1.281 Stadionbesucher im Schnitt.