Das ist neu für den ZFC Meuselwitz: Am kommenden Samstag ist der Viertligist zum zweiten Mal hintereinander Favorit. Am vergangenen Wochenende traf das im Thüringenpokal zu, als die Zipsendorfer als Cupverteidiger beim Sechstligisten FSV Schleiz antraten - und erst nach Elfmeterschießen weiterkamen. Und nun empfangen sie als Tabellen-13. den Vorletzten Hertha Zehlendorf zum Regionalliga-Punktspiel. Rein von der Papierform sind sie am Samstag, 14 Uhr, also erneut Favorit. Was den Ostthüringern im Liga-Alltag relativ selten passiert.
War es diese ungewohnte Rolle, die "Zipse" im Landespokal-Wettbewerb diesmal relativ "mau" aussehen und nur hauchdünn siegen ließ? Meuselwitz-Trainer Georg-Martin Leopold hat eine andere Erklärung: "Es war unser fünftes Spiel in 14 Tagen", spielte er auf die zweite englische Woche in Folge an. "Wir hatten etliche angeschlagene Spieler, die sich trotzdem in den Dienst der Mannschaft gestellt haben. Dazu kam, dass Schleiz gegen uns eine großartige Leistung abgeliefert hat. Wir hingegen waren heute auf der letzten Rille unterwegs." Nun wolle sein Team regenerieren, um gegen die Zehlendorfer wieder vollkommen fit antreten zu können.
Befreiung gegen Hertha BSC II
Fit waren die Meuselwitzer in der Startphase der noch jungen Regionalliga-Saison durchaus, doch in den ersten fünf Partien sprangen nur drei Unentschieden - jeweils 1:1 - und zwei mehr oder minder achtbare Niederlagen heraus: beim amtierenden Nordost-Meister Lok Leipzig (0:1) und beim FSV Zwickau (0:2). Dann folgte vor gut einer Woche das Nachholspiel bei Hertha BSC II, das die Leopold-Schützlinge trotz zweimaligen Rückstandes 3:2 gewannen und damit endlich den ersten Saisonsieg einheimsten. Eine Art Befreiungsschlag für den Tabellen-Elften von 2024/25. Auch weil er in der 1. Runde des DFB-Pokals, auf die man sich in und um die Bluechip-Arena seit Wochen sehr gefreut hatte, gegen den Karlsruher SC mit 0:5 unterging. Gegen einen Zweitligisten an sich keine Schande, doch die Art und Weise der Niederlage war trotz der Außenseiterrolle für die Meuselwitzer ernüchternd.
Coach Leopold verlor dennoch nicht das Vertrauen in seinen Spielerkader. Dieser ist vergleichsweise überschaubar und verfügt kaum über sogenannte Ausnahmespieler. Zum Beispiel fehlt dem ZFC ein echter Torjäger, auch wenn der im Sommer aus Erfurt zurückgekehrte Andy Trübenbach diese Rolle ausfüllen soll. Doch der mittlerweile 34-Jährige leidet momentan (noch) an Ladehemmung, nur beim Pokal-Elfmeterschießen in Schleiz netzte er ein. In den Punktspielen ging "Trübe" trotz allen Eifers bisher leer aus. Die bislang sechs mageren ZFC-Treffer aus sechs Punktpartien verteilen sich auf fünf Meuselwitzer sowie ein Eigentor von Willi Theodor Reincke (BFC Dynamo).
Stärke schöpft das ZFC-Team vor allem aus kollektivem Kampfgeist. Immer wenn die Meuselwitzer diesen auf den Rasen bringen, können sie auch den "Großkopferten" der Liga Paroli bieten. Aber eben nur dann. Obwohl der ZFC am Samstag ausnahmsweise favorisiert ist, wird das auch gegen die Jungs aus Berlin-Zehlendorf wieder gefragt sein.