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VfB Lübeck auf Sparkurs: "Wir können nur Fußball spielen, den wir uns leisten können"

kicker

In der Saison 2024/2025 belegte der VfB Lübeck in der Regionalliga Nord einen soliden siebten Platz - ein respektables Ergebnis nach einer Spielzeit voller Herausforderungen. Der ehemalige Drittligaabsteiger war mit einem kleinen Kader von nur 15 Spielern in die Saison gestartet und hatte zwischendurch sogar mit der drohenden Insolvenz zu kämpfen. Dank einer starken Unterstützung von außen konnte jedoch ein Finanzloch von einer Million Euro kurzfristig geschlossen werden, wodurch der Verein handlungsfähig blieb.

200.000 Euro weniger im Etat

Am Dienstag, den 17. Juni 2025, bittet Guerino Capretti (43) nun zur ersten Einheit in der Sommervorbereitung auf die Spielzeit 2025/2026. Doch statt auf ein eingespieltes Team zurückgreifen zu können, muss er an der Lohmühle wieder bei null beginnen.

Auch wenn man sich als Landespokalsieger aus Schleswig-Holstein für die erste Runde im DFB-Pokal qualifiziert hat, sind die finanziellen Mittel gering. Aktuell steht der Etat für den Kader bei etwa 550.000 Euro. In der holprigen Vorsaison waren es noch ca. 750.000 Euro.

„Ohne neue Investoren ist es schwierig.“ (Sportvorstand Sebastian Harms)

Dementsprechend stocken die Vertragsverhandlungen seit Wochen. Niemand kann beziffern, wie viele Spieler der Cheftrainer der Grün-Weißen am Dienstag zum Start um 15 Uhr auf dem Platz begrüßen kann.

Aufgrund der unklaren Lage haben sich bereits elf Stammspieler entschieden, den Verein zu verlassen. Sie sind wie Jorik Wulff (Drochtersen/Assel), Jannik Westphal (FC St. Pauli II), Tom Geerkens (SC Fortuna Köln) oder Bent Andresen (Kickers Emden) bereits anderweitig untergekommen. Bisher haben lediglich Marvin Thiel, Manuel Farrona Pulido, Luca Menke, Phillip Diestel und Julian Albrecht ihren Vertrag verlängert. Zudem ist mit Antonio Verinac (ETSV Hamburg) erst ein Neuzugang verpflichtet worden.

Harms sind die Hände gebunden

Ein Hauch von Galgenhumor schwingt mit, wenn Sebastian Harms (46), Sportvorstand des VfB Lübeck, mit Blick auf den Dienstag sagt: „Wenn es gut läuft, dann kommen vielleicht noch ein, zwei, drei Spieler bis dahin dazu." Harms selbst möchte längst richtig loslegen und hat natürlich auch schon längst seine Fühler nach Neuzugängen ausgestreckt. Doch letztlich sind dem VfB-Sportvorstand die Hände gebunden, die Zeit läuft davon und er kann nicht konkret werden. "Es gibt keine neue Zahlen, ohne neue Investoren ist es schwierig. Klar gibt es Kontakte, aber aktuell bin ich eher dabei den Kontakt zu den Spielern aufrechtzuhalten."

Es wird immer deutlicher, dass es bisher nicht gelungen ist, auch nur ansatzweise Ersatz für die ehemaligen Sponsoren und Aufsichtsräte (Thomas Rehder und Oliver Bruss), die 2024 nach „Unstimmigkeiten” abgesprungen sind, zu finden.

Sponsorenlage zwingt die Verantwortlichen in die Defensive

"Wir hatten Mäzene, die jahrelang vieles abgesichert haben, gerade in den Übergängen zwischen Spielzeiten, wenn Kaderplanung und Spielerverpflichtungen im Mittelpunkt standen, Sponsorings aber noch offen waren. Jetzt ist so etwas nicht möglich, was in einer finanzschwachen Regionalliga und mit unseren Verpflichtungen für unser eigenes Stadion doppelt wiegt", erklärt Dr. Dieter Gudel. Er arbeitet mit seinem Team und Mitstreitern auf Hochtouren, um Lösungen zu finden. Er hat jedoch noch ein weiteres Handicap zu stemmen: "Stand jetzt haben wir für die kommende Spielzeit, trotz aller guten Gespräche und Signale, noch keine Abschlüsse für unsere Brust-, Rücken und Ärmelsponsorings. Daher gehen wir aktuell defensiv vor. Wir können nur Fußball spielen, den wir uns leisten können."

Der Vorstandsvorsitzende von der Lohmühle blickt aber dennoch zuversichtlich nach vorne: "Der Gesamtprozess ist zwar hart für unseren Verein, aber auch sehr heilsam und gibt uns die Chance uns neu aufzustellen."

Straffer Vorbereitungsplan

Immerhin der Vorbereitungsplan steht bereits: Am 25. Juni tritt der VfB beim Oldenburger SV (19 Uhr) an, am 28. Juni beim Ligakonkurrenten SSV Jeddeloh (14 Uhr). Gefolgt von den Begegnungen in Eichholz (9. Juli/18.30 Uhr) und beim Greifswalder FC (16. Juli). Zwischendurch (5.7./6.7.) nehmen die Grün-Weißen noch am Sommercup des HAT 1816 in Hamburg teil, treffen dort u.a. auf Regionalligaaufsteiger Altona 93.

Zunächst ist der Verein im Rahmen des Achtelfinales am 12. und 13. Juli aktiv. Bei einem Weiterkommen muss er dann womöglich schon eine Woche später, am 19. und 20. Juli, im Viertelfinale antreten.