Mit den "Nebenwirkungen" der Tabellenführung kann Farih Kadic leben. "Es ist klar, dass wir nach 18 Toren in den ersten vier Spielen jetzt erstmal die Gejagten sind", sagt der Präsident des VfL Halle 96. Der Dritte des Vorjahres hatte in der Oberliga NOFV-Süd insbesondere mit dem 5:0-Auswärtssieg am 1. Spieltag beim VfB Auerbach und zuletzt mit dem 6:0 im Heimspiel gegen den Bischofswerdaer FV aufhorchen lassen. Auch beim wilden 4:4 gegen den RSV Eintracht und beim 3:1 in Grimma gab es Tore satt.
"Es macht mich stolz und glücklich, wie die Jungs in jedem Spiel marschieren", erklärt Kadic. Die Euphorie rund um den gelungenen Saisonstart verleitet in Halle trotzdem keinen der Verantwortlichen dazu, das im Gegensatz zu Kontrahenten wie dem VfB Krieschow oder dem VFC Plauen eher defensiv formulierte Saisonziel "einstelliger Tabellenplatz" nach oben zu korrigieren. "Ich erwarte, dass die Jungs einfach weiterhin mit Spaß Fußball spielen und das umsetzen, was der Trainer sehen will. Vonseiten des Vorstandes gibt es absolut keinen Druck", so der Präsident.
Diese Herangehensweise hat ein Stück weit auch damit zu tun, dass der Verein im Sommer dem jungen Luca Shubitidze die Verantwortung als Trainer-Nachfolger von Dieter Hausdörfer übertrug. Der Sohn von Ex-Profi Khvicha Shubitidze (46 Zweitligaspiele und 9 Tore für Erzgebirge Aue) war in der Vorsaison noch als Spieler für den VfL aufgelaufen, hatte parallel aber schon die Trainer-B-Lizenz gemacht und während eines Fußball-Stipendiums in den USA Erfahrungen gesammelt. "Meine Ideen und Vorstellungen haben sich mit denen des Vereins gedeckt. Ich bin jetzt natürlich extrem froh, dass der Start in meine erste Cheftrainer-Saison so gut funktioniert hat", sagt der 25-Jährige, der seine aktive Laufbahn aus gesundheitlichen Gründen beendete. Wie ein alter Hase weist der Youngster-Trainer aber auch darauf hin, dass erst vier Spieltage gespielt sind. "Wir wissen das alles richtig einzuordnen. In den Köpfen der Spieler ist sicher auch der Einbruch in der Rückrunde in der Vorsaison noch präsent", so Shubitidze. 23 Punkte bedeuteten Platz 7 in der zweiten Saisonhälfte.
Jagupov in Torlaune
Auch deshalb überrascht die aktuelle Bilanz sogar die eigenen Leute. "Die Mannschaft hat im Prinzip keine Anlaufphase gebraucht. Es ist beeindruckend, wie gut die Mechanismen greifen und wie homogen die Truppe auftritt", sagt VfL-Teammanager Michael Elze. Das spricht auch dafür, dass sich Halle punktuell gut verstärkt hat. Neben Jegor Jagupov, dem Oberliga-Torschützenkönig der Vorsaison, der auch in dieser Serie schon wieder sechs Buden gemacht hat, ist mit Joel Marks ein Neuzugang vom VfB Zorbau mit vier Treffern ganz vorn zu finden. "Wir haben offensiv eine hohe Qualität in der Mannschaft, die wir mit schnellem Umschaltspiel und Mut auch nutzen wollen", verrät Shubitidze.
Defensive Stabilität ist ihm aber genauso wichtig wie eine flexible Spielweise seiner Mannschaft. Nachdem der VfL zuletzt auch sein zweites Landespokalspiel nur knapp gewinnen konnte (2:1 beim 1. FC Bitterfeld-Wolfen/Verbandsliga) wurde vor allem an Lösungen gegen defensiv eingestellte Gegner gearbeitet. In der Liga kommt Halle am 5. Spieltag bei Schlusslicht Lok Stendal auf den Prüfstand.