"Neun Spiele in Serie zu gewinnen - das habe ich in 25 Jahren noch nie erlebt", sagt Arandjel Avramovic. Gemeint ist die Rückrunde, in der sich Vichttal in der Mittelrheinliga aus dem Tabellenkeller ins gesicherte Mittelfeld katapultierte. Aus einem sicheren Abstiegskandidaten wurde binnen weniger Wochen eine Mannschaft, die wieder Licht sah. Stand das Team zur Halbzeit der Vorsaison noch auf dem letzten Tabellenplatz, zeigte die Elf eindrucksvoll, warum sie ein Jahr zuvor Vizemeister geworden war.
In dieser Spielzeit trauen viele Beobachter den Stolbergern noch mehr zu - und bisher bestätigt sich der Eindruck. Nach dem verdienten 4:1 gegen den 1. FC Düren steht Vichttal auf Platz 2. Doch Avramovic bremst die Euphorie: "Es sind gerade mal drei Spiele absolviert. Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen. Alles andere hängt von vielen Faktoren ab."
Sechs Spieler aus Weiden
Ein Grund, warum Vichttal so hoch gehandelt wird, sind die Transfers. Sechs neue Spieler kamen im Sommer von Teutonia Weiden nach Vichttal - darunter Stürmer Niklas Valerius, Abwehrchef Robin Ahns und Keeper Frederik Said. "Das war kein geplanter Blockwechsel", erklärt Avramovic. "Aber es hilft natürlich, wenn sich Neuzugänge schon kennen." Aus der Jugend von Alemannia Aachen verstärken zudem die Talente Jonas Hoss und Janes Pollmann den Kader.
Besonders freut den Coach der gewachsene Konkurrenzkampf: "Jetzt weiß jeder: Wenn ich in der Startelf stehe, habe ich in der Woche extrem viel dafür investiert. Letzte Hinrunde war es gefühlt egal, wie die Trainingsleistung unter der Woche war. Das ist das größte Gift für einen Trainer." Im Training merke er den Unterschied deutlich: "Ich will die Einheit beenden, und die Jungs wollen noch fünf Minuten dran hängen." Für ihn das beste Zeichen, dass der Hunger stimmt.
Dass dieser Hunger nicht nachlässt, liegt auch an Avramovics Akribie. "Die Spieler merken hoffentlich, dass wir als Trainerteam jede Einheit maximal individuell gestalten", sagt er. Seit zehn Jahren prägt er Vichttal, im Sommer verlängerte er bis 2027. "Für mich fühlt es sich noch immer an wie am ersten Arbeitstag - ich brenne nach wie vor für diesen Verein und alle Beteiligten." Nicht nur die Ergebnisse stimmen, sondern auch die Resonanz. Gegen Düren kamen 600 Zuschauer. "Das hast du auch nicht überall. Selbst in der Regionalliga gibt es Spiele, zu denen weniger kommen."
Der VfL ist längst mehr als ein Dorfverein - ein Standort, der sich in der Region etabliert hat. 26 Jugendmannschaften, eine Kunstrasenhalle, eine kleine Tribüne, über 1.000 Mitglieder: Vichttal ist im Vergleich zu vielen Klubs in der Liga trotz kleinerer Mittel solide aufgestellt. Und das in einem schwierigen Umfeld, denn in Aachen überstrahlt Alemannia traditionell alles. Avramovic, der nur wenige Minuten vom Tivoli arbeitet, betont mit viel Stolz, dass in den letzten Jahren kein Team aus der Region erfolgreicher war als der VfL. Diese Nische will man weiter kultivieren.
Pokal-Highlight gegen Viktoria Köln
Und dann ist da noch das Mittelrhein-Pokalspiel gegen Drittligist Viktoria Köln am 24. September - für Avramovic vor allem ein Bonus: "Es ist einfach ein schönes Event, wir freuen uns immer, wenn wir uns mit solchen Topmannschaften messen dürfen." Es geht weniger ums Weiterkommen als ums Erlebnis: "Das Highlight werden wir, mit unserer Art Fußball zu spielen, genießen." Zuvor wartet jedoch das Auswärtsspiel beim FC Pesch (Sonntag, 15:45 Uhr).