Aus Gladbachs Trainingslager in Rottach-Egern berichtet Jan Lustig.
Während Borussias Profis am Tegernsee intensiv an Fitness, Abläufen und Spielphilosophie arbeiten, bringt sich Florian Neuhaus in Mönchengladbach in der U 23 in Schwung. Drei Wochen sind inzwischen vergangen, seit der Mittelfeldspieler für sein "Ballermann-Video" sanktioniert wurde. Zu der Geldstrafe im sechsstelligen Bereich, geschätzte 100 000 Euro, kamen vier Wochen Versetzung ins Regionalligateam obendrauf. Und nach diesen vier Wochen?
"Bei Flo ist es so: Er hat gegen die Werte des Klubs verstoßen. Wir haben ihn sanktioniert. Er kommt dann wieder und wird ganz normal behandelt wie jeder andere auch", sagte Virkus am Mittwoch in Rottach-Egern. Es gehe nicht um "eine Causa Neuhaus-Virkus, sondern nur um den Klub", betonte der Sport-Geschäftsführer. "Nach den vier Wochen sprechen wir. Wenn er wieder ins Training einsteigt, wird er bewertet wie jeder andere Spieler auch. Und dann muss er performen."
„Zwei Jahre hat Flo nicht das gezeigt, was er kann.“ (Roland Virkus)
Generell gelte - und das immer: "Die Besten müssen auf den Platz", so der Manager. Die geringen Einsatzzeiten von Neuhaus in der vergangenen Saison, in Summe gerade einmal 381 Bundesligaminuten, sprechen eine klare Sprache, dass die Konkurrenten von Trainer Gerardo Seoane leistungsmäßig höher eingestuft werden als der 28-Jährige.
"Zwei Jahre hat Flo nicht das gezeigt, was er kann. Wir haben einen Anspruch an ihn - und er hat einen Anspruch an sich selbst. Daran wird er gemessen", sagte Virkus.
Die Tage am Tegernsee zeigen einmal mehr, dass es Neuhaus schwer haben wird, sich sportlich ein anderes, höheres Standing zu erarbeiten. Für die Mittelfeldzentrale gibt es Julian Weigl und Rocco Reitz, da sind Philipp Sander und Neuzugang Jens Castrop (kam aus Nürnberg), außerdem Leih-Rückkehrer Oscar Fraulo (zuletzt Utrecht) und das ausgewiesene Talent Niklas Swider.
Selbst bei einer Umstellung vom gewohnten 4-2-3-1-System auf eine 4-3-3-Grundordnung wäre für Neuhaus die Perspektive begrenzt. Ein Spitzenverdiener weiter auf der Bank oder gar auf der Tribüne? Und das bis Vertragsende 2027 noch zwei Jahre lang, wenn sich Neuhaus nicht zu einem Wechsel entschließt? Ein bitteres Szenario für die Borussen. "Dann ist es halt so", sagte Virkus am Tegernsee. "Trotzdem werden wir ihn vernünftig behandeln."