Der Trainerwechsel bei Regionalliga-Nordost-Schlusslicht Hertha 03 Zehlendorf scheint verpufft. In den zwei Partien nach der Trennung von Coach Steffen Israel standen für die Berliner jedoch zwei (weitere) Niederlagen zu Buche. Sowohl die Partie gegen den FSV Luckenwalde als auch FSV Zwickau wurde mit 0:1 verloren - mittlerweile unter der Leitung von Interimstrainer Tilman Käpnick. "Wir haben zweimal mit dem denkbar knappsten Ergebnis verloren. Aber heute war das Spiel im Vergleich zu Luckenwalde deutlich besser", analysierte der 32 Jahre alte Interimscoach der kleinen Hertha.
Besonders das Auftaktspiel gegen Luckenwalde hinterließ gemischte Gefühle bei Käpnick: "Auf dem Papier war das ein 0:1, aber von der Art und Weise her war es nicht gut. Das hätte deutlich höher ausgehen können." Im Spiel gegen Zwickau hingegen erkannte der A-Lizenz-Inhaber erste positive Ansätze: "Das Teamgefüge ist stimmig. Die Dinge, die wir ansprechen und verbessern wollen, sehe ich mittlerweile auf dem Platz." Dennoch sind die Berliner in der aktuellen Serie weiterhin sieglos, stehen mit einem mageren Punkt aus der Partie gegen Hertha BSC II (2:2) auf dem letzten Tabellenplatz. Der Rückstand auf das rettende Ufer und den ersten sicheren Nichtabstiegsplatz beträgt nach neun Saisonspielen schon sieben Punkte.
Andere Coachingpunkte
Für Käpnick, der von der U 19 der Hertha kommt, ist die Übernahme der ersten Mannschaft des Klubs in der 4. Liga eine Umstellung: "Natürlich ist es eine neue Herausforderung, denn der Fußball hier erfordert andere Coachingpunkte und eine höhere Dynamik als im Juniorenbereich." Dennoch sieht er sich gut gerüstet: "Am Ende ist Fußball immer noch elf gegen elf. Man muss sich schnell anpassen, und das machen wir - ich auch." Besonders die Chemie mit der Mannschaft stimmt bereits. Diese soll Vorgänger Israel zum Ende seiner Amtszeit verloren haben. "Die Jungs ziehen super mit und setzen das um, was wir zusammen erarbeiten", sagt Käpnick.
Auf Nachfrage nach seiner längerfristigen Rolle als Cheftrainer blieb er zurückhaltend. Gegen Eilenburg am Samstag im Auswärtsspiel wird der Interimstrainer das Team auf jeden Fall noch betreuen. Was danach passiert, entscheidet sich "von Woche zu Woche", so der 32-Jährige. Dies bestätigt auch Vereinspräsident Kamyar Niroumand: "Es ist auch vorstellbar, dass Tilman unser Trainer bleibt."
Doch nach der Trennung von Israel muss auch Käpnick liefern und Punkte für das Ziel Klassenerhalt sammeln. "Wir wollen mit jeder Herausforderung, die auf uns zukommt, wachsen - sowohl das Team als auch ich", sagt der Berliner.
Defensive Kompaktheit
Für das anstehende Kellerduell gegen den Tabellen-16. Eilenburg legt Käpnick das Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der Defensivarbeit und intensivere Trainingseinheiten. "Defensiv kompakt zu stehen, das war heute schon deutlich besser als gegen Luckenwalde", betont der Interimstrainer. Gleichzeitig wolle man an der Ballarbeit und Spielintensität weiterarbeiten.
Allerdings mahnt er zur Geduld: "Das ist alles ein Prozess. Noch sind die Abstände unten eng. Wir wollen den Bock umstoßen." Dennoch drängt die Zeit im Kampf um den Klassenerhalt für die Berliner - und Punkte wären auch gute Argumente für eine Weiterbeschäftigung von Käpnick.