Österreich hat seine Aufgaben im September-"Lehrgang" erledigt und mit den knappen Siegen gegen Zypern und in Bosnien seine Chancen, erstmals seit 1998 wieder eine WM-Endrunde zu erreichen, weiterhin verbessert. So weit so klar - und in jeder Tabelle ersichtlich.
Das Siegestor von Konrad Laimer in Zenica war aber auch noch aus einem anderen Grund wichtig. Die Quali-Ergebnisse zählen nämlich parallel für die FIFA-Weltrangliste, die längst viel mehr ist als eine Zahlenspielerei. Die November-Rangliste (nach Abschluss der Qualifikatioin) wird nämlich für die Einteilung der Töpfe ausschlaggebend sein, aus denen am 5. Dezember in Washington die WM-Gruppen ermittelt werden.
Deutschland aus Topf 1 gerutscht
In jedem der vier Töpfe befinden sich zwölf Teams - entsprechend ihrer Weltranglisten-Platzierung. In Topf 1 ist aber nur Platz für die Top 9 des Rankings, da darin automatisch auch die Veranstalter USA, Mexiko und Kanada gesetzt sind. Was aktuell für Deutschland dramatische Folgen hätte: Das DFB Team ist nach seiner Auftaktniederlage gegen die Slowakei auf Rang 11 des FIFA-Rankings abgerutscht und damit (zumindest vorerst) aus dem Elite-Topf gefallen (der im übrigen mit der neuen Weltrangliste von Europameister Spanien und nicht mehr wie in den vergangenen zweieinhalb Jahren von Weltmeister Argentinien angeführt werden wird).
Österreich knapp in Topf 2
Österreich nimmt aktuell den 22. Rang (der in der Weltrangliste, die am 18. September veröffentlicht wird, trotz der beiden Siege unverändert bleibt) und damit einen Platz in Topf 2 ein, der nach hinten allerdings nur wenig abgesichert ist. Konkret hält das ÖFB-Team nach dem Sieg gegen Bosnien-Herzegowina bei 1.602 Weltranglisten-Punkten, dahinter folgen Südkorea (1.590 Punkte) und Ecuador (1.588), die beide bereits fix für die WM-Endrunde qualifziert sind - was im übrigen für Österreich kein Nachteil ist, weil die beiden Nationen deshalb bis zur Auslosung nur noch Freundschaftsspiele bestreiten, die wiederum so schwach gewichtet sind, dass sie sich in der Weltrangliste nachteilig auswirken (können).
So wichtig waren die Siege
Dennoch darf sich Österreich (immer vorausgesetzt natürlich, die Qualifikation gelingt) nicht zu sicher sein. Denn es kommt wirklich auf jedes Ergebnis an. Ein Beispiel: Der Sieg Österreichs (als Nummer 22 der Welt) gegen Bosnien (Nummer 72) hat sich in der Weltrangliste mit +7,05 Punkten niedergeschlagen, Bosnien hingegen kostete die Niederlage -7,05 Punkte. Schon mit einem Remis hätte auch die Rangnick-Elf (als die in der Weltrangliste besser platzierte Mannschaft) Punkte eingebüßt.
Man schaue nur auf Rumänien: Das 2:2 von Österreichs vermeintlich härtestem Gruppengegner auf Zypern wurde mit -7,32 Punkten "bestraft". Dabei war Rumänien zum Zeitpunkt des Spiels nur 48. der Weltrangliste. Das heißt: Österreich hätte sogar noch einige Punkte mehr verloren, wäre es am vergangenen Samstag in Linz beim 0:0 gegen die Zyprioten geblieben (Schiedsichter Kehlet sei noch einmal für seine Elferentscheidung gedankt!). Das bedeutet auch: Ein Ergebnis, das für die WM-Qualifikation gerade noch gut genug ist (wer hätte sich über ein X in Bosnien beschwert?), könnte für Topf 2 schon zu wenig sein.
Warum Topf 2 von Vorteil ist
Dabei könnte gerade der Verbleib in Topf 2 von besonderer Bedeutung sein. Hat man nämlich das Glück, einen der drei Veranstalter als Gruppengegner zugelost zu bekommen (und nicht - nach derzeitigem Stand - Spanien, Frankreich, Argentinien, Portugal, Brasilien, Niederlande, Belgien oder Kroatien), würde man auch noch einen aus Topf 1 gefallenen Großen (wie z. B. England oder Deutschland) vermeiden. Mit einem Gegner wie z.B. Australien aus Topf 3 und etwa Tunesien aus Topf 4 könnte sich da schon eine erfolgsversprechende Gruppe bilden. Wobei aus dem letzten Topf freilich auch ein Großer drohen könnte, der sich erst über die Play-Offs qualifizierte. Derzeitige Kandidaten: Italien, "EM-Angstgegner" Türkei - oder gar Deutschland.
Auch das sollten ÖFB-Spitze und Spieler im Auge behalten, wenn es im Oktober gegen San Marino (9. 10. in Wien) und Rumänien (12.10 in Bukarest) wieder zur Sache geht.
Lies auch: Warum Österreich trotz des Erfolgs in Zenica nicht Tabellenführer ist