Er wusste es schon eine ganze Weile, doch erst jetzt weihte Heung-Min Son auch die Öffentlichkeit ein: Wie der Kapitän bei einer Pressekonferenz in Seoul bekanntgab, bei der er seine Tränen nicht zurückhalten konnte, verlässt er die Tottenham Hotspur nach zehn Jahren.
"Das war die schwierigste Entscheidung meiner Karriere", erklärte Son, der 2015 von Bayer 04 Leverkusen nach London gewechselt war und jetzt als "wahre Spurs-Legende" geht, wie nicht nur Trainer Thomas Frank findet. "Ich bin als Kind nach Nordlondon gekommen, in sehr jungem Alter, als Junge, der nicht mal Englisch konnte. Dass ich jetzt als erwachsener Mann gehe, ist ein sehr stolzer Moment."
Herausragende Zahlen - doch die Tendenz zuletzt war eindeutig
Son, damals gerade 23 geworden und jetzt 33, entwickelte sich bei den Spurs zu einem der besten Torjäger der Premier-League-Geschichte. Mit 127 Treffern in 333 Einsätzen liegt er auf dem 16. Platz der ewigen Torjägerliste, mit 71 Assists ist er der erfolgreichste Torvorbereiter in Tottenhams Premier-League-Ära. Vor allem mit Harry Kane bildete er jahrelang ein kongeniales Duo, 2021/22 wurde Son mit 23 Treffern - gemeinsam mit Liverpools Mo Salah - sogar Torschützenkönig.
Während Kane sich 2023 nach München verabschiedete, um endlich Titel zu gewinnen, blieb Son in London, wurde in jenem Jahr auch Kapitän und führte das Team als solcher im vergangenen Sommer zum Europa-League-Triumph in Bilbao - der ersten Trophäe seit 2008. Auch deswegen wird sein Abschied viele Spurs-Fans schmerzen.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der 137-malige südkoreanische Nationalspieler in der vergangenen Saison deutlich abbaute. Mit nur sieben Toren lag seine Ausbeute erstmals seit seiner Debütsaison (vier 2015/16) im einstelligen Bereich. Insofern ist es für den neuen Trainer Frank womöglich gar eine Erleichterung, dass die Zukunft seines Kapitäns vorzeitig geklärt ist und er um die eine oder andere schwierige Entscheidung gegen Son in dessen letztem Vertragsjahr herumkommt.
Son verabschiedet sich vor über 60.000 in Seoul - gegen die Bayern dürfte er schon fehlen
Diesen zieht es nun in die MLS. Mit dem Los Angeles FC, der anfangs auch mal mit Thomas Müller in Verbindung gebracht worden war, sind die Verhandlungen übereinstimmenden Medienberichten zufolge auf der Zielgeraden. "Ich brauche eine neue Umgebung, um mich zu pushen, einfach eine kleine Veränderung", begründete Son seinen Abschied. Darüber habe er "immer und immer wieder" nachgedacht. Sein rückläufiger sportlicher Einfluss in London wird ihm gewiss auch nicht verborgen geblieben sein - und mit dem Europa-League-Titel im Rücken könnte der Moment für eine Neuorientierung kaum besser sein.
Ebenso wenig wie der Rahmen für sein Abschiedsspiel: Am Sonntag bestreiten die Spurs zum Abschluss ihrer Asientour ein Testspiel gegen Newcastle - vor wohl über 60.000 Zuschauern in der Hauptstadt seines Heimatlandes Seoul. Son wird als Kapitän beginnen. Wenn die Spurs am Donnerstag beim FC Bayern antreten, dürfte er schon nicht mehr mit an Bord sein.