Wir wollen ihm nichts unterstellen, aber Declan Rice wusste wahrscheinlich genau, was er tat. Als das Spiel bei Inter Mailand in den letzten Zügen und der Auswärtssieg längst eingetütet war, leistete sich Arsenals Mittelfeldmann in der vergangenen Woche noch ein unnötiges Foul. Durch die Gelbe Karte fehlt er am Mittwochabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Qairat Almaty gesperrt - im danach folgenden Achtelfinale aber sicher nicht.
Ja, die Vorrunde, die Arsenal in der Champions League spielt, bringt so manchen Vorteil mit sich. Auch Mikel Merino ist zum Abschluss gegen den Tabellenletzten wegen seiner dritten Gelben Karte nicht dabei, William Saliba und Jurrien Timber wird Trainer Mikel Arteta wegen kleiner Wehwehchen schonen.
Passieren kann schließlich nichts mehr: Nach sieben Siegen aus sieben Spielen haben die Gunners drei Punkte und fünf Tore Vorsprung auf den zweitplatzierten FC Bayern. Davon abgesehen dürfte einen achten Sieg auch die zweite Garde um Christian Nörgaard oder Myles Lewis-Skelly locker hinbekommen.
Das Maximum von 24 Punkten wäre gleichbedeutend mit einem Maximum an Prämien: 9,9 Millionen Euro schüttet die UEFA an den Spitzenreiter der Abschlusstabelle aus, dazu 2,1 Millionen Euro für jeden Sieg. Macht zusammengerechnet 26,7 Millionen Euro - Antrittsgeld (18,62 Millionen Euro), Bonus für eine Top-8-Platzierung (zwei Millionen Euro) und Achtelfinalprämie (elf Millionen Euro) noch nicht eingerechnet.
Ob Erster oder Zweiter - die sportlichen Vorteile sind identisch
Doch hilft eine makellose Vorrunde auch sportlich weiter? Gegenüber dem zweiten Platz bietet der Modus dem Spitzenreiter - egal ob makellos oder nicht - schon mal keinerlei Vorteile. Für jeden der beiden Top-Platzierten kommen in jeder Runde der K.-o.-Phase dieselben Gegner infrage; im Achtelfinale sind das die Teams, die auf den Plätzen 15 bis 18 abschließen. Außerdem werden beide bis zu einem etwaigen Halbfinale stets im Rückspiel Heimrecht haben.
In der vergangenen Saison hatte der FC Liverpool mit einem abschließenden 2:3 bei der PSV Eindhoven die perfekte Ligaphase noch verspielt, war aber dennoch als Erster ins Achtelfinale eingezogen - und dort am späteren Sieger Paris Saint-Germain gescheitert, der nur 15. geworden war. Auch in diesem Jahr könnte auf Arsenal ein unangenehmer Achtelfinalgegner warten, Manchester City oder Inter Mailand etwa.
Vor der Champions-League-Reform kam es nicht selten vor, dass Teams alle Vorrundenspiele gewannen, da waren es auch nur sechs, und kein Gegner kam aus demselben Lostopf. Dafür konnte es passieren, dass - wie 2023/24 - zwei Weiße-Weste-Teams schon frühzeitig aufeinandertrafen. Damals setzte sich der spätere Sieger Real Madrid im Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen Manchester City durch. Ein Duell Arsenal gegen Bayern wäre in diesem Jahr dagegen frühestens im Finale wieder möglich.
Nach den jüngsten Rückschlägen stellte Arteta eine Frage
Atmosphärisch allerdings hätte ein achter Sieg am Mittwoch sehr wohl einen Wert für die Gunners, die gerade nicht in Topform sind. Nach den jüngsten Rückschlägen in der Liga - drei Spiele, zwei Punkte - stellte Trainer Arteta seiner Mannschaft die Frage: "Wie wollen wir die nächsten vier Monate gestalten?" Das Ergebnis: "Wir werden mit Freude, viel Mut und der Überzeugung, dass wir gewinnen werden, leben und spielen."
Sollten seine Spieler das bislang nicht getan haben, würde das für die Konkurrenz nichts Gutes bedeuten.