Vier Punkte fuhr der 1. FC Saarbrücken in den ersten drei Drittligapartien nach dem hauchzart verpassten Aufstieg in die 2. Liga ein. Ein durchschnittlicher Start, der in Sachen Spannung dieser Tage aber ohnehin von den Geschehnissen neben dem Platz überflügelt wird. Ein Machtkampf ist im Ludwigspark entbrannt und stellt den Verein vor eine große Grundsatzentscheidung: Soll die Fußballabteilung der Saarländer ausgegliedert werden, oder nicht?
Geht es nach der Führungsriege des FCS, ist die Entscheidung klar. "Das Präsidium wird einen eigenen Antrag zu einer Satzungsreform stellen, mit einem Ansatz, für den es im deutschen Fußball schon Erfahrungswerte gibt", bestätigte Präsident Hartmut Ostermann auf einer extra einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag. Was genau er damit meint? "Dem Präsidium schwebt eine Ausgliederung gemäß den Statuten des DFB vor."
„Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir zusätzliche Gelder akquirieren können.“ (FCS-Präsident Hartmut Ostermann)
Die Argumente für den Schritt liegen auf der Hand. Am Deutsch-Französischen Garten erhoffen sich die Verantwortlichen größere monetäre Möglichkeiten. "Das finanzielle Wohl des Vereins stand und steht über allem", betonte Schatzmeister Dieter Weller und prognostizierte trotz herausragender Werbeeinnahmen einen ökonomischen Nachteil, wenn die Ausgliederung ausbleiben sollte: "In der 2. Liga gibt es sicher die Möglichkeit, über TV-Gelder in einem e.V. zu bestehen. In der 3. Liga werden wir in dieser Rechtsform finanziell mehr und mehr abgehängt."
Sollte der Sprung ins Unterhaus gelingen, stünde jedoch die nächste Baustelle an - wortwörtlich. "Das Stadion hat immer noch keine Zweitliga-Tauglichkeit", so Ostermann . Zwar könne "der FCS das Trainingsgelände in Erbpacht übernehmen. Die Stadt wird sich an der Sanierung aber nicht beteiligen können." Umso wichtiger wären finanzielle Perspektiven: "Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir zusätzliche Gelder akquirieren können."
Fans fürchten 50+1-Ausnahme
Pikant ist, dass ausgerechnet Ostermann selbst dabei eine zentrale Rolle spielen könnte. Immerhin ist der Präsident des FCS gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Hauptsponsors Victor's - und könnte bei einer Ausgliederung mehr als die durch 50+1 gängigen 49 Prozent der Anteile an der neuen Geschäftsform übernehmen.
Möglich macht dies eine Sonderregel für Sponsoren und Investoren, die Vereine bereits 20 Jahre lang entscheidend finanziell unterstützen. Wobei Ostermann festhielt, nicht davon Gebrauch machen zu wollen. "Der 1. FC Saarbrücken e.V. wird dabei immer und in jedem Fall die Mehrheit der Anteile behalten", versprach er - wohl auch aufgrund des zuvor öffentlich gewordenen Vorschlags der aktiven Fanszene.
Die Saarbrücker Anhänger hatten in Form des Förderkreises Virage Est jüngst ihre Version der Umstrukturierung präsentiert. "Zukunft Blau Schwarz" heißt das Papier und fordert hauptamtliche Vorstände für die Bereiche Sport, Finanzen und Marketing/Vertrieb, die unter der Kontrolle eines starken Aufsichtsrats operieren sollen. Ein merklicher Machtverlust für das Präsidium.
Mitgliederversammlung soll Entscheidung bringen
Von einem Gegeneinander wollte die schwarz-blaue Führung am Donnerstag aber nichts wissen. Es habe einen respektvollen, "sehr offenen, mehrstündigen Austausch" mit Fan-Vertretern gegeben, zudem sei die Idee der Ausgliederung keineswegs als Reaktion auf den Vorstoß der Virage Est zu verstehen. "Der Präsidiumsbeschluss ist weit vor Kenntnisnahme des Vorschlags der Virage erfolgt", hielt Ostermann fest und umriss das gemeinsame Ziel aller, die es mit den Saarländern halten: "Wir sind uns einig, dass wir die Profiabteilung fit für die Zukunft machen."
Wie genau dies geschehen soll, darüber wird nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung entscheiden, bei der auch ein dritter, nicht genauer definierter Antrag ins Rennen geht. "Mit den Vertretern der Virage haben wir vereinbart, dass wir nicht zurückschauen. Die MV ist der Souverän, er hat das Wort. Der Ausgang ist von allen zu akzeptieren", fasste Ostermann zusammen. "Die Entscheidung, die ansteht, muss von einer breiten Mehrheit getragen werden."
Genau terminiert ist die richtungsweisende Veranstaltung aktuell noch nicht. Im Oktober oder November soll es allerdings so weit sein - und ein Ergebnis in die ein oder andere Richtung erzielt werden. Ein Beibehalten der aktuellen Rahmenbedingungen kommt für Ostermann nicht infrage: "Die jetzige Konstellation halte ich für nicht zukunftsfähig."