Für Werder kommt es im neuen Jahr knüppeldick. Erst der spät aus der Hand gegebene Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt (3:3), nun eine 0:1-Niederlage bei den an diesem Tag nicht unbedingt besseren, aber ein einziges Mal vor dem Tor entschlosseneren Leverkusenern. Zwei Spiele, die die Sieglos-Serie der Bremer auf nunmehr acht Begegnungen nach oben schrauben. Mit nur drei Punkten seit Anfang November steht das Team in der Formtabelle auf dem letzten Rang. Ausgerechnet jetzt geht es schon an diesem Dienstag weiter mit der Nachholpartie gegen die Überflieger aus Hoffenheim, die im selben Zeitraum ganze 17 Punkte einfuhren. Und ausgerechnet jetzt droht Horst Steffen vor der Partie ein Abwehr-Notstand.
Der Reihe nach: Seit einiger Zeit bereits muss der Trainer auf zwei erfahrene Defensivkräfte verzichten. Niklas Stark klagt unverändert über Hüftbeschwerden, der österreichische Leihspieler Maximilian Wöber (Leeds) kommt nicht über seine muskulären Probleme hinweg und wartet nach wie vor auf seinen ersten Bundesligaeinsatz für die Grün-Weißen. Am Samstag in Leverkusen erwischte es zunächst Amos Pieper, der schon in der Anfangsphase bei einem gemeinsamen Klärungsversuch unglücklich mit dem eigenen Torhüter Mio Backhaus zusammenstieß und sich eine Risswunde am rechten Knie zuzog.
"Einen Kapitän habe ich ganz gerne auf dem Feld"
Nach der Halbzeitpause kehrte Linksverteidiger Isaac Schmidt nach einem Zusammenprall mit seinem Gegenspieler Lucas Vasquez nicht mehr aufs Feld zurück. "Er musste auch raus, hatte etwas abbekommen und hatte Kopfschmerzen. Er ist angeschlagen und fraglich für Dienstag. Wir müssen mal sehen, was da passiert", so Steffen, der zum zweiten Durchgang Olivier Deman auf die linke Seite beordert hatte.
Richtig ärgerlich wurde es für den 56-Jährigen schließlich in der 78. Minute, als sich Kapitän Marco Friedl nach einem verbalen Gerangel mit Bayers Jonas Hofmann und Schiedsricher Tobias Reichel seine fünfte Gelbe Karte der Saison abholte. Den Ausfall des 27-Jährigen in der Abwehrzentrale kommentierte Steffen mit bittersüßer Miene. "Es ist so, dass ich einen Kapitän ganz gerne auf dem Feld habe. Dass er fehlt, nervt natürlich."
Pieper-Entscheidung fällt am Montag
Langzeitverletzt, angeschlagen, gesperrt - der Zustandsbericht der Abwehr ist so alarmierend wie der derzeitige Tabellenplatz 15. Wenigstens bei Pieper als "letzte Säule" der routinierten Abwehrspieler besteht offenbar eine kleine Hoffnung. Eine Entscheidung, ob der Ex-Bielefelder gegen Hoffenheim auflaufen kann, soll am Montag fallen, hieß es am Sonntag in Bremen. "Ich kann noch nicht hundertprozentig sagen, was es für ihn für eine Ausfallzeit bedeuten wird", hatte Steffen nach dem Abpfiff in Leverkusen zunächst angemerkt.
Variante mit Lynen eine Reihe tiefer
Sollte allerdings auch Pieper nicht mitwirken können, müsste Werder in dem richtungsweisenden Spiel eine neue Defensivvariante basteln. Zur Verfügung stehen der für Pieper eingewechselte Argentinier Julian Malatini und der 18-jährige Nachwuchsmann Karim Coulibaly. Eine der letzten Optionen wäre womöglich, Senne Lynen aus dem defensiven Mittelfeld heraus eine Reihe tiefer ins Abwehrzentrum zu postieren. Theoretisch denkbar wäre auch eine taktische Umstellung und einer vorübergehenden Rückkehr zur Viererkette mit Malatini und Coulibaly im Zentrum und zurückgezogenen Schienenspielern.