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"Wie die Sagrada Familia": Schröders Umbau in Halle noch nicht abgeschlossen

kicker

Für Robert Schröder ist Fußball auch ein Stück weit Weltkulturerbe. Der neue Trainer des Halleschen FC hat seit seinem Amtsantritt Ende Juni selbstredend einige Dinge verändert, versucht seine Idee zu implementieren und Anpassungen vorgenommen, die beim 1:0-Sieg gegen den BFC Dynamo zum Saisonauftakt in der Regionalliga auch schon sichtbar waren.

Doch "so ein Prozess ist nie abgeschlossen", sagt der 37-Jährige, der zuvor bei Ligarivale Hertha Zehlendorf nur nebenberuflich Coach gewesen ist und hauptamtlich als Lehrer Biologie und Sport an einer Berliner Oberschule unterrichtet hatte. "Das ist wie die Sagrada Familia, ein nie endendes Kunstwerk", zieht Schröder einen Vergleich zur berühmten Gaudi-Basilika in Barcelona, an der bereits seit 1882 gebaut wird.

Schröder soll beim HFC den Auftrag erfüllen, an dem Vorgänger Mark Zimmermann gescheitert war. Er soll den Topfavoriten der Liga, zu dem 14 von 17 Trainern - Schröder rausgerechnet - den langjährigen Drittligisten (von 2012 bis 2024) in einer Umfrage des kicker ernannt hatten, zurück in die 3. Liga führen. "Es muss unser Ziel sein, um den Aufstieg mitzuspielen", sagt auch Schröder.

Dominant aber harmlos

Der erste Schritt dorthin geriet siegreich, der Perfektionist an der Seitenlinie war aber "mit der Struktur in unserem Spiel unzufrieden". Obwohl der HFC gegen den BFC dominant war, die Berliner über weite Teile des Spiels kaum aus der eigenen Spielhälfte herausgekommen waren, fehlte es dem Favoriten an zwingenden Aktionen. Das entscheidende Tor von Julien Damelang war durchaus ein bisschen glücklich. In solchen Spielen war Halle unter Zimmermann oft verzweifelt, der erfahrene Trainer letztendlich daran gescheitert, keine Lösungen gefunden zu haben.

„Es geht darum, das widerzuspiegeln, wofür die Stadt Halle steht. Das ist eine Arbeiterstadt, keine Schickimicki-Stadt wie vielleicht München.“ (Robert Schröder)

Schröder soll derjenige sein, der Mittel gegen den gegnerischen Beton findet. Wie das gelingen kann, wurde in der Vorbereitung, in der unter anderem ein 2:1-Erfolg gegen Zweitligist Greuther Fürth gelang, sichtbar. Der Regionalligist spielte teilweise starken Kombinationsfußball. Das Spiel des HFC soll aber für noch viel mehr stehen. "Es geht darum, das widerzuspiegeln, wofür die Stadt Halle steht. Das ist eine Arbeiterstadt, keine Schickimicki-Stadt wie vielleicht München", sagt Schröder, der optisch selbst gerne locker auftritt, oft Retro-Shirt und eine Kappe auf dem Kopf trägt. "Es geht darum, die Leute, die viel Geld für eine Dauerkarte ausgegeben haben, mit unserer Art des Fußballs abzuholen."

Der Kader wurde dafür in der vergangenen Woche noch einmal verstärkt. Mit Bocar Baro kam ein Stürmer von Schröders Ex-Klub Zehlendorf, der dort in der Rückrunde unter dem Trainer in 13 Spielen starke elf Treffer erzielt hatte. Schröder soll einen großen Anteil daran gehabt haben, dass sich der umworbene Portugiese für den HFC entschieden hat. "Er ist ein Fußballverrückter, der auch in der Kabine verrückte Dinge macht", sagt der erfahrene Verteidiger Jan Löhmannsröben über den neuen Coach, ohne ins Detail zu gehen. Schröder lacht, als er darauf angesprochen wird: "Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine."