Als die U 21 des Hamburger SV zuletzt als "Bundesliga-Nachwuchs" in die Saison ging, war noch Christian Titz Trainer, der auf Spieler wie Tatsuya Ito, Moritz-Broni Kwarteng und Frank Ronstadt setzte. Acht Jahre später geht der HSV wieder mit einem neuen Trainer in die Saison: Lukas Pfeiffer übernimmt die Position und löst damit den "ewigen Co-Trainer" Soner Uysal ab, der nach dem Trainerbeben bei den Profis im vergangenen November wieder einmal eingesprungen war und das Team zusammen mit Basil More-Chevalier auf den 8. Platz führte - immerhin zum neunten Mal in Folge - wenn man die Corona-Tabellen ignoriert - vor dem Stadtrivalen FC St. Pauli II.
Apropos Corona: Pfeiffer wurde zum Opfer der Pandemie, denn der Lehrgang zum Erwerb der A-Lizenz wurde damals abgesagt. In jener Zeit war er Cheftrainer beim VfB Lübeck, feierte mit den Grün-Weißen 2023 den Aufstieg in die 3. Liga, wo er eigentlich ohne die Lizenz nicht hätte arbeiten dürfen. Lübeck zahlte die umstrittene Strafe an den DFB, da man in der Marzipanstadt von Pfeiffers Qualitäten überzeugt war - und entließ ihn trotzdem noch vor Weihnachten, als sein Team auf Rang 17 lag. Am Saisonende sprang zwei Trainer später der 19. Platz heraus ...
Endstation gegen Köln
In der neuen Saison kommt es somit zum Wiedersehen, denn Pfeiffer, der einst seine Pilotenausbildung kurz vor der Abschlussprüfung abbrach, fand sportlich schnell wieder festen Boden unter seinen Füßen. Er heuerte ein halbes Jahr nach seiner Beurlaubung im Nachwuchsbereich des HSV an und übernahm die U 19 in der Bundesliga, die er ins Viertelfinale der deutschen Meisterschaft führte, in dem der spätere Champion 1. FC Köln beim 2:3 Endstation war.
Einige seiner Talente wird Pfeiffer auch in Zukunft trainieren, wobei Youngster wie Moritz Reimers, Jeremy Gandert und Davis Rath sich in der Rückrunde schon in der Regionalliga etablieren konnten. Sie sind Teil des im Profi-Nachwuchs üblichen Umbruchs, der mit zehn Abgängen nicht allzu groß ausfällt. Natürlich wiegt der Abschied von Omar Sillah (zur SpVgg Greuther Fürth) schwer, der als zweiter HSV'er in Folge nach Tom Sanne Regionalliga-Torschützenkönig wurde. Und es ist immer schwierig für ein Team, wenn der Kapitän geht: Milad Nejad wechselt zu Wehen Wiesbaden, zudem geht Luis Seifert zur SV Elversberg. Darüber hinaus verlassen Noah Andreas, Emmanuel Appiah, Tjark Hildebrandt, Jesse Kilo, Luis Klatte, Alex Marques, Ayukayoh Mengot und Ware Pakia den Verein, da sie intern keine Perspektiven mehr Richtung Profifußball haben.
"Toller Campus"
"Das Ziel ist immer, Talente für die eigene erste Mannschaft zu entwickeln", erklärte Pfeiffer in einem Podcast, in dem er viel über Taktiken und Ausbildung verriet, wobei er schwärmte: "Wir haben einen tollen Campus. Der Rahmen ist fast perfekt, um die jungen Talente zu entwickeln." Dabei weiß auch er, dass diese Aufgabe für ihn nun in der U 21 deutlich schwerer wird, zumal die Diskrepanz zu einem Erstligateam deutlich größer ist als in den vergangenen sieben Jahren.
Die Chancen auf einen Platz im dortigen Spieltagskader dürften für Pfeiffers Jungs sehr gering sein - selbst wenn die Co-Trainer Loic Favé und Richard Krohn von der U 21 kamen und einen sehr engen Draht zum Nachwuchs pflegen. Favé, der zu Beginn des Jahres die UEFA-Pro-Lizenz erhielt, bleibt weiter Sportlicher Leiter der Talente und sagte: "Wir sind mit dem Gesamtpaket der Cheftrainer sehr zufrieden und gehen voller Motivation und Tatendrang in die neue Saison."