Die größte Prüfung des Nachmittags wartete schon nach rund 19 gespielten Minuten auf Moritz Nicolas. Nicolas Capaldo war aufgerückt, durchgestartet und gegen die unsortierte Gladbacher Defensive in Abschlussposition gelaufen. Damion Downs fand seinen Kapitän, der scheiterte jedoch aus elf Metern am Schlussmann der Gäste.
Es sollte nicht die letzte Parade des 28-Jährigen bleiben. Er stellte einen Wert auf, den seit Yann Sommers Bundesliga-Rekord mit 19 Paraden am 4. Spieltag 2022/23 beim Gladbacher 1:1 gegen die Bayern keiner mehr erreicht hatte. Zwölf Schüsse auf sein Tor entschärfte Nicolas und rettete so das 0:0 - wenngleich die Hamburger bei jenen Abschlüssen häufig zu harmlos blieben.
Nicolas: "Wir haben es nicht umgesetzt bekommen"
Eine positive Statistik für Nicolas, aber eine negative für die Gladbacher. Besonders, wenn man hinzunimmt, dass Daniel Heuer Fernandes auf der Gegenseite keinen einzigen Torschuss entschärfen musste. Die Antwort der Borussia auf das 1:5 in Hoffenheim blieb aus, besonders vor der Pause schwächelten die Gäste erneut.
"Wir wollten mit einer ganz giftigen Art und Weise und viel Energie ins Spiel starten, von Beginn an da sein, eklig sein", erklärte Nicolas nach dem Spiel gegenüber der Sportschau und musste folglich feststellen: "Das haben wir leider nicht umgesetzt bekommen."
Der Schlussmann erlebte seine Mannschaft "viel zu passiv", während der HSV vor heimischem Publikum "mit viel Energie" auftrat. Auch ein Großteil der zweiten Hälfte sei "immer noch zu fehlerbehaftet" gewesen. "Zum Ende fand ich es besser, da haben wir ein bisschen mehr gedrückt, etwas mehr Kontrolle im Spiel gehabt." Doch wirklich nah kamen die Gladbacher dem Siegtreffer eben nicht.
Polanski ist dennoch "sehr froh"
Trotz allem begann Eugen Polanski sein Statement nach dem Spiel, indem er erklärte, "sehr froh und zufrieden" mit dem Remis zu sein. Der Coach verwies auf Hamburgs Heimstärke und die kurze Vorbereitungszeit. Doch auch er sah natürlich, dass lange Zeit wenig gelang.
"In der ersten Hälfte hat mir die Aktivität gefehlt, vor allem mit dem Ball. Wir hatten sehr schlechte Phasen und haben sehr schlechte Entscheidungen getroffen", analysierte er. Die Räume, die man sich zuvor ausgeguckt hatte, seien durchaus da gewesen. "Es wäre nötig und möglich gewesen, die Bälle dort hinzuspielen. Aber wir treffen andere Entscheidungen oder sind zu unsauber und zu spät", haderte Polanski.
"Verkopfte" Fohlen
Auch die Klatsche in Hoffenheim habe noch eine Rolle gespielt, seine Mannschaft sei "zu verkopft" gewesen. In der anstehenden, vollen Trainingswoche gehe es entsprechend darum, sich wieder von den negativen Gedanken freizumachen. "Wir müssen Trainingssituationen kreieren, die dem Spiel sehr nah kommen. Das ist das Hauptaugenmerk für die nächste Woche, um die Jungs ins Machen zu bringen und nicht ins Denken."
Am nächsten Sonntag kommt mit dem VfB Stuttgart allerdings ein Team in den Borussia-Park, das im Kampf um die Top-4 voll mitmischt. Die Marschroute gab Nicolas bereits vor. "Wir müssen mit deutlich mehr Energie ins Spiel starten, dürften im eigenen Ballbesitz nicht so fehlerbehaftet sein und wollen natürlich eine ganz andere Leistung zeigen", kündigte der Spieler des Spiels aus Hamburg an. Offen ist, ob Kevin Diks dann mitwirken kann. Der Indonesier zog sich in der Schlussphase eine Kopfverletzung zu und musste ausgewechselt werden.