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Gute Stimmung, schlechte Stimmung: Kölns Eiertanz um viel Flüchtiges

kicker

Was Jakub Kaminski da in der Mixed Zone nach dem 1:3 gegen den FC Bayern erzählte, war eigentlich gar nichts Weltbewegendes. "Es ist das achte Spiel ohne Sieg, da ist die Stimmung in der Mannschaft natürlich nicht so gut", sagte der vielseitige Pole, nachdem die Sieglos-Serie auch gegen den Rekordmeister nicht geendet war. In fast allen vergleichbaren Situationen wäre dieser Satz nichts Besonderes gewesen, doch Kaminski spielt nun mal beim 1. FC Köln. Und da ist die Aufregung derzeit groß, wenn auch nur irgendjemand über die Stimmung spricht.

Indizien lieferten die Kölner ohne Not

Im Schatten des verständlicherweise zermürbenden Negativ-Laufs ist "Stimmung" so etwas wie ein Reizwort am Geißbockheim geworden. "Die Stimmung insgesamt bei uns ist überhaupt nicht schlecht", stellte nicht etwa die Pressesprecherin fest, sondern Trainer Lukas Kwasniok höchstselbst. Kaminski, dessen Muttersprache Polnisch ist und der hin und wieder im Deutschen noch etwas unsicher unterwegs ist, habe seine Aussage "einzig und alleine auf den Moment bezogen". Da war sich Kwasniok "sehr, sehr sicher". Auf was denn auch sonst, so kurz nach einer Niederlage zum Hinrunden-Abschluss?

Kaminski benutzte aber nun eben das Wort "Stimmung" und gab damit Anlass für eine weitere Runde im Eiertanz um dieses ziemlich flüchtige Thema. Seit Anfang des Jahres scheint die Atmosphäre rund um die Mannschaft merkwürdigerweise gekippt zu sein, Indizien dafür lieferten die Kölner ohne Not selbst. So gab Jan Thielmann in einer Medienrunde etwa ein Interview der Marke "passiv aggressiv", Luca Waldschmidt im Express eines der Kategorie "offen und ehrlich" - und wurde unter anderem für die alles andere als rebellische Aussage, mehr spielen zu wollen, mit einem Tribünenplatz beim 2:2 zuletzt in Heidenheim abgestraft.

Vorgänge, die die Mutmaßungen befeuerten, statt sie im Keim zu ersticken. Und jüngst vor dem Bayern-Spiel sogar darin gipfelten, dass Kwasniok ernsthaft dementieren musste, einen Teamabend gestrichen zu haben. "Ihr seid ja bei uns nicht drin …", sagte der Coach nach dem 1:3 vielsagend und schob hinterher, schlechte Stimmung werde es unter ihm nicht geben. Vielmehr sehe er seine Aufgabe darin, seine Profis wieder zum Lachen zu bringen: "Das ist meine Aufgabe und das werde ich jeden Tag, solange ich ans Geißbockheim komme, machen."

Dass die Stimmung nicht allzu schlecht sein kann, war ja auch auf dem Platz zu sehen: Sowohl gegen Heidenheim als auch gegen den Tabellenführer kämpfte der FC leidenschaftlich. "Die Tatsache, dass die Jungs den Bayern so Paroli bieten konnten, geht nur, wenn sie eine Einheit sind und das Herz am rechten Fleck ist" erklärte Kwasniok - und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung der Fans und der Medien nicht verkneifen. Er sei "unglaublich stolz", dass seine Spieler "trotz künstlich erzeugter negativer Stimmungslage von außen, solche Leistungen imstande sind abzuliefern". Und außerdem davon überzeugt, dass es nicht mehr so lange dauern werde, mit dem nächsten Sieg. Da ist die Diskussion um die Stimmung womöglich nur ein Symptom für die allgemeine Angespanntheit in und um Köln herum.

Die Stimmung hängt auch immer an Ergebnissen

"Die Mannschaft folgt, die Mannschaft ist voller Energie", betonte der Coach und sprach dann doch auch selbst noch über die Situation in der Kabine nach der achten Saisonniederlage: "Deswegen ist momentan die Stimmung schlecht. Aber ab morgen wird ein bisschen gelächelt, am Freitag wird gelacht - und am Samstag hoffentlich gewonnen."

Dann geht es gegen Mainz 05, eine in gewisser Weise richtungsweisende Partie für den Aufsteiger. Denn sollten die Geißböcke dieses Duell verlieren, gäbe die Tabelle ernsthaften Anlass für richtig dicke Luft. Umgekehrt wären nach einem Big Point viele Zweifel wohl pulverisiert. Die Stimmung, daran werden auch Lukas Kwasniok und die aufgeregten Kölner nichts ändern, hängt im Fußball eben kurzfristig immer mit den Ergebnissen zusammen. Aber die hat man ja in der eigenen Hand.