Um 9.30 Uhr lud Racing Straßburg am Dienstag zu einer Pressekonferenz mit Trainer Liam Rosenior. Dass der 41-Jährige wirklich auftauchen würde, glaubte mancher Medienvertreter aber wahrscheinlich erst, als er dies tatsächlich tat.
Rosenior, der bereits in London Gespräche mit dem FC Chelsea geführt hat, wollte unbedingt persönlich erklären, warum er bald in der Premier League arbeiten wird. Während die offizielle Mitteilung noch ausstand, bestätigte der Engländer schon einmal, dass es eine mündliche Einigung mit den Blues gebe, nur noch keine Unterschrift. Ein Vorgehen, wie man es im Spitzenfußball nur selten erlebt.
"Das unterscheidet sich von allem, was bisher gemacht wurde"
"Das unterscheidet sich von allem, was bisher gemacht wurde. Niemand hat jemals vor der Vertragsunterzeichnung eine Erklärung abgegeben", wusste auch Rosenior, der seine eineinhalb Jahre in Straßburg als die "besten meiner Karriere" bezeichnete. "Ich werde diesen Klub für den Rest meines Lebens lieben."
Doch während er Anfragen anderer Champions-League-Klubs in den vergangenen Monaten noch widerstanden habe, habe er die der Blues nicht ablehnen können. "Es gibt Klubs, denen du einfach nicht absagen kannst. Ich hoffe, die Straßburg-Fans können das verstehen und stolz darauf sein."
Die Racing-Fans waren zuletzt schon nicht gut auf Chelsea zu sprechen
Daran bestehen zumindest Zweifel: Weil zuletzt schon zahlreiche Spieler zwischen den beiden Partnerklubs aus Todd Boehlys Netzwerk hin- und hergewechselt waren, herrscht Unmut unter den Racing-Anhängern, die jetzt auch noch ihren Erfolgscoach nach London verabschieden müssen. Dieser hatte den Verein in seinem ersten Jahr direkt auf Platz 7, auf dem er nach zuletzt fünf sieglosen Ligue-1-Spielen aktuell auch wieder steht. Die erste Europapokal-Teilnahme seit 20 Jahren ist zudem bislang ein voller Erfolg: Im Dezember zog Racing als Spitzenreiter der Ligaphase in die K.-o.-Runde der Conference League ein.
In London wartet auf Rosenior die mit Abstand größte Aufgabe seiner Trainerlaufbahn. "Ich hätte den Chelsea-Job nicht angenommen, wenn ich nicht bereit wäre", versichert der Ex-Profi, der vor seiner Zeit in Straßburg knapp zwei Jahre Hull City betreut hatte. "Ich habe mein ganzes Leben dafür gearbeitet, einen Weltklasse-Klub zu coachen."
Bei Chelsea folgt Rosenior, der seine Assistenten Kalifa Cissé, Justin Walker und Ben Warner mitbringt, auf Enzo Maresca, der am Neujahrstag nach internen Querelen verabschiedet worden war. Um 11.15 Uhr gab der Premier-League-Fünfte seinen neuen Chefcoach schließlich auch offiziell bekannt.
Rosenior hatte es schon vorher getan: "Heute war das letzte Mal, dass ich als Straßburg-Trainer aufwache", hatte er am Morgen gesagt. "Das ist emotional." Und ziemlich einmalig.