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Wirtz' Tor: In der Bundesliga Abseits, in der Premier League nicht

kicker

Zum Jubeln war Florian Wirtz erst einmal nicht zumute. Als er den Ball am Sonntag gegen Fulham nach einer knappen Stunde locker ins Netz geschlenzt hatte, strich er sich dagegen mit dem Handschuh enttäuscht über das Gesicht, auch die Kollegen trotteten wieder zurück auf ihre Positionen: Der Linienrichter hatte die Fahne gehoben, Proteste blieben aus. Doch fast drei Minuten später verkündete Referee Craig Pawson plötzlich: Tor.

"Ich war mir sicher, dass ich im Abseits stand, deswegen habe ich nicht gejubelt", erklärte Wirtz später bei Sky Sports. Fans, TV-Experten und auch Fulham-Trainer Marco Silva ging es genauso. Der Grund: In den TV-Bildern war dank der Rasenstruktur und des Elfmeterpunkts eindeutig zu sehen, dass Wirtz' Fußspitze bei Conor Bradleys Steckpass knapp vor Fulhams letztem Verteidiger Issa Diop platziert war.

"Ich weiß, dass die Perspektive manchmal täuschen kann, aber ich kann einfach nicht glauben, dass das Tor zählt", wunderte sich stellvertretend Jamie Carragher und legte damit eine Wissenslücke offen, die am Sonntag nicht nur ihn betraf: Die Premier League setzt zwar wie andere Wettbewerbe auf die halbautomatische Abseitslinie, lässt dabei aber eine Toleranz von fünf Zentimetern zu. In der Bundesliga oder der Champions League wird dagegen millimetergenau gemessen. Wirtz' Fuß befand sich genau in diesem Toleranzbereich.

Der DFB hat eine andere Sicht. "Technisch wäre das machbar. Doch rein regeltechnisch gibt es beim Abseits nun mal keine Toleranz", befand Schiedsrichter-Chef Knut Kircher im kicker-Interview. "Würden wir das System jetzt so einstellen, hätten wir fassbarere Bilder, okay. Aber ein Benachteiligter könnte sagen: Auch vier Zentimeter sind Abseits - das geht so nicht. Und damit hätte er recht. Wir dürften das von uns aus also niemals einführen, sondern müssen die Technik so genau wie möglich nutzen."

Wirtz "überhaupt nicht zufrieden"

Wirtz dagegen durfte mit Verzögerung doch noch seinen zweiten Treffer im Liverpool-Trikot feiern, es war das zwischenzeitliche 1:1. Dass die Reds am Ende nur 2:2 spielten, obwohl sie in einer turbulenten Nachspielzeit in Führung gegangen waren, trübte Wirtz' Freude aber merklich. "Ich hätte lieber die drei Punkte", erklärte er und haderte vor allem mit der ersten Hälfte. "Da haben wir sie nicht gut gepresst."

Mit dem abermaligen Unentschieden verteidigten die Reds zwar den vierten Platz, verpassten es aber, die Konkurrenz um die Champions-League-Ränge zu distanzieren. Er sei "überhaupt nicht zufrieden", betonte Wirtz und sprach von einer "schwierigen Lage", nachdem bereits der Start ins neue Jahr mit dem 0:0 gegen Leeds misslungen war. "Wir wollen mehr."