Der FC 08 Villingen hat sportlich ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Im Mai 2024 gelang als Oberliga-Meister der Aufstieg in die Regionalliga Südwest, parallel stieg auch die zweite Mannschaft der Villinger auf und rückte in die Oberliga. Diese Herausforderung war schwer zu stemmen und mündete darin, dass letztlich beide Teams mehr oder weniger chancenlos direkt wieder abstiegen.
Der Flow hat gefehlt
Es seien viele Themen zusammengekommen, erklärt Marcel Yahyaijan im Rückblick. Der frühere Trainer war zum 1. Juli 2024 als Geschäftsführer Sport zum FC Villingen zurückgekehrt. "In der Kürze der Zeit nach dem Aufstieg waren wir vielleicht nicht in allen Bereichen optimal vorbereitet. Dazu kam Verletzungspech mit Kreuzbandrissen bei Abwehrchef Jonas Busam und unserem Torhüter Andrea Hoxha. Was uns in der ganzen Saison gefehlt hat, war ein Flow über mehrere Spiele, um Punkte zu sammeln."
Im traditionell unruhigen Villinger Umfeld wurde während der Regionalliga-Saison gleich zweimal der Trainer gewechselt. Mit Steffen Breinlinger, seit März 2025 im Amt, geht der Verein nun in die neue Oberliga-Runde. Er und Yahyaijan haben in den letzten Regionalliga-Wochen bereits die Neuausrichtung eingeleitet. Auch vor dem Hintergrund eines kleineren Budgets setzt der FC Villingen bei Neuzugängen auf junge Talente mit Bezug zur Region. "Sie sollen sich entwickeln. Den Kern des Teams konnten wir halten und haben nun eine gute Mischung", sagt Yahyaijan.
Zurückhaltende Ziele
Die Achse bilden die wiedergenesenen Hoxha und Busam sowie Torjäger Marcel Sökler, Christian Derflinger oder Georgios Pintidis. Auf eine Platzierung als Saisonziel will sich der Geschäftsführer Sport nicht festlegen: "Wir werden eine Mannschaft haben, die ihre Spiele gewinnen wird. Wir müssen uns nicht kleiner machen, als wir sind, wollen aber erst einmal in der Liga ankommen und uns gut präsentieren. Viele Prozesse sind neu. In der Regionalliga waren wir meist die unterlegene Mannschaft und deshalb verstärkt defensiv ausgerichtet. Nun werden uns die anderen Teams tendenziell die Favoritenrolle zuschieben."
Die ersten drei Aufgaben SSV Reutlingen, TSV Essingen und Türkspor Neckarsulm können die Schwarzwälder nach dem Heimrecht-Tausch mit Essingen allesamt im eigenen Stadion im Friedensgrund bestreiten und wollen dabei gleich Punkte sammeln. Erst am 23. August geht es dann auf die Reise zum CfR Pforzheim. Vom ersten Gegner hat Yahyaijan eine hohe Meinung: "Bei Reutlingen sehe ich Potenzial für den oberen Bereich, deshalb wird das gleich ein guter Gradmesser. Ich erwarte insgesamt eine ausgeglichenere Oberliga, wobei der VfR Aalen aufgrund seiner Strukturen und der punktuellen Nachverpflichtungen für mich schon das Potenzial hat, um sich oben abzusetzen."
Vorne mitspielen dürften auch der VfR Mannheim, CfR Pforzheim, FC Nöttingen und Göppinger Sportverein. In diese Riege möchte sich Yahyaijan mit einem trotz Unruhe hinter den Kulissen bodenständig auftretenden FC Villingen tabellarisch einreihen.
Unruhe im Friedengrund
Apropos Unruhe: Ein weiterer Nebenschauplatz tat sich in den letzten Wochen auf. Öffentlich brach einmal mehr Streit in der Vorstandsriege aus, Pressemitteilungen flogen hin und her; die gegenseitigen Vorwürfe sind massiv, es geht um vermeintliche Lügen, Egoismen, Beleidigungen, Machtmissbrauch und fehlenden Jugendschutz. Einigkeit, so wird deutlich, herrscht noch lange nicht im Villinger Friedengrund.