Nach etwas mehr als einer halben Stunde der Partie 1. FC Köln gegen den SC Freiburg wurde Jakub Kaminski endlich erlöst. Eine butterweiche Flanke von Mitspieler Marius Bülter wuchtete der junge Pole völlig frei auf der linken Seite mit dem rechten Fuß ins Tor. Dem Führungstreffer des FC-Stürmers folgte ein rauschender 4:1-Sieg, der alle Kölner zufrieden nach Hause gehen ließ - und besonders Kaminski.
Mehr als zweieinhalb Jahre lang hatte er zuvor nur über die Tore der anderen jubeln dürfen: Beim 1:2 des VfL Wolfsburg am 34. Spieltag der Saison 2022/23 gegen Hertha BSC war ihm letztmals ein Treffer gelungen. Es folgten zwei Spielzeiten ohne Tor, ohne Vorlage - und in diesem Sommer die Leihe zum Bundesliga-Aufsteiger.
Das Offensivtrio harmoniert
"Ich warte schon lange auf mein Tor", sagte ein sichtlich erleichterte Kaminski (kicker-Note 2) nach dem Kantersieg gegen Freiburg. Und: "Ich freue mich sehr, im zweiten Spiel direkt getroffen zu haben und hoffe, es ist nicht das Letzte."
Daran dürfte nach Kaminskis Auftritt vor 50.000 Fans im Köln-Müngersdorfer Stadion niemand Zweifel haben. Der 23-Jährige riss auf der linken Angriffsseite immer wieder große Löcher in den Defensivverbund von Europapokal-Teilnehmer Freiburg und ließ Gegenspieler Lukas Kübler (kicker-Note 5,5) alt aussehen. Auch, weil Kaminski ordentlich Tempo auf den Rasen brachte: Mehr als 26 Sprints absolvierte kein anderer Kölner, schneller als 33,6 km/h war keiner seiner Teamkollegen.
"Wir haben wirklich ein gutes Spiel gemacht", fand Kaminski, der in der vordersten Reihe schon gut mit den Teamkollegen Bülter und Jan Thielmann harmoniert: "Jan, Bülti und ich wechseln die Positionen ständig. Das ist gut für uns, da können wir viel laufen." Kaminski kommt entgegen, dass ihn Trainer Lukas Kwasniok vorne links aufbietet: "Das ist meine Lieblingsposition. In den vergangenen drei Spielen durfte ich da ran. Ich hoffe, das bleibt so."
Denn in Wolfsburg musste der vielseitige Pole auch mal hinten rechts ran, wenn es sein musste. "Da hat mir etwas die Stabilität gefehlt", gab Kaminski zu. Beim FC nun darf er seine Stärken endlich wieder voll entfalten. "Bevor ich nach Köln kam, habe ich mit Trainer Kwasniok gesprochen, dass ich einfach dieses Vertrauen brauche, auf ein, zwei Positionen zu spielen", erklärte der Rechtsfüßer, der von der Kulisse im ersten Heimspiel beeindruckt war: "Das ist ganz anders als in Wolfsburg muss ich sagen. Die Stimmung, die Leute sind alle verrückt, aber ich mag das. Wir brauchen das, das ist unser 12. Spieler auf dem Platz."
Kessler ist nicht ganz zufrieden
Klingt nach einem guten Griff von FC-Sportdirektor Thomas Kessler, der für seinen Schützling auch eine Kaufoption verhandelt hat. "Er bringt viel Tempo und viel Erfahrung mit, trotz seines jungen Alters", sagte der Kölner Chef. Ihm gefalle vor allem die Aufopferungsbereitschaft Kaminskis sehr gut, der Flügelspieler sei "immer am Limit".
Und restlos zufrieden war Kessler trotzdem nicht. "Jakub ist nicht gut reingekommen und hat in zwei, drei Situationen mit dem Ball schlechte Entscheidungen getroffen", mahnte der Ex-Profi - und sprach dann ein erdendes Statement, das so auch für die gesamte Mannschaft gelten könnte: "Er ist ein guter Charakter, aber ich glaube, dass er auch noch Luft nach oben hat."