Die Kraft reichte rund 70 Minuten, dann kamen die Krämpfe. Aaron Anselmino hatte bei seinem Debüt für Borussia Dortmund am vergangenen Sonntag gegen Union Berlin alles auf dem Platz gelassen, Mitte der zweiten Halbzeit aber machte sich die mangelnde Spielpraxis des letzten halben Jahres bemerkbar. "Ganz normal", betonte Trainer Niko Kovac anschließend: "Er ist körperlich wirklich fit, aber wenn du keine Kontinuität hast, kommt es nach 70, 75 Minuten schon mal zu Krämpfen."
Mit Anlauf ins Herz der BVB-Fans gegrätscht
Trotz der nachlassenden Physis reichte es zwei Minuten vor der Auswechslung aber noch zu einer letzten Grätsche gegen Oliver Burke, der Berliner wäre beinahe frei durch gewesen. Es waren Aktionen wie dieses Tackling, die Anselminos Premiere vor allem nach der Pause auszeichneten. Viermal insgesamt setzte der Neue mit Anlauf ein defensives Ausrufezeichen, das in Dortmund vielleicht noch besser ankommt als in anderen Stadien. Ein Stück weit hat sich der Argentinier schon im ersten Spiel in die Herzen der BVB-Fans gegrätscht.
Doch beinahe wäre das Debüt ganz anders verlaufen. Bei einem Missverständnis mit dem zögerlichen Keeper Gregor Kobel kurz vor der Pause hätte eine zu kurze Rückgabe beinahe den Berliner Führungstreffer ermöglicht. Mit Wiederbeginn aber stabilisierte sich der 20-Jährige zusehends, gewann auch im Passspiel mehr und mehr Sicherheit und leitete so den zweiten Treffer von Serhou Guirassy mit einem linienbrechenden Vertikalball ein.
Kovacs überschwängliches Lob
"Er hat heute einen sehr abgeklärten Eindruck hinterlassen, sehr souverän, sehr zweikampfstark", lobte Kovac und urteilte sogar etwas überschwänglich: "Das war sensationell gut." Die Begeisterung speiste sich aber auch daraus, dass der Youngster erst am Mittwoch vorher unterschrieben hatte. Viele Einheiten mit dem Team blieben da nicht: "Es war eine Klasse-Leistung, zumal er erst seit wenigen Tagen bei uns ist. Mein Spanisch ist schlecht, sein Englisch ist okay und trotzdem hat er es gut gemacht."
Das sahen auch Anselminos neue Mitspieler so. "Er war für uns ein bisschen eine Wundertüte", gab Aushilfs-Kapitän Julian Brandt zu, war dann aber beeindruckt, dass der Neue "einen sehr wissbegierigen Eindruck macht und sehr giftig in den Zweikämpfen war. Das tut uns gut." Und Nebenmann Waldemar Anton gestand der Chelsea-Leihgabe sogar ein "Top-Spiel" zu: "Dafür, dass er die Sprache nicht kann und unsere Abläufe nicht kennt, hat er es echt gut gemacht."
Der Rhythmus soll nun folgen
In der anstehenden Länderspielpause kann Anselmino nun an seinem Rückstand und den Automatismen arbeiten. "Das wird sicher in den nächsten Wochen behoben, wenn er den Rhythmus bekommt", ist sich Kovac sicher. Damit die Grätschen auch nach der 75. Minute noch sitzen.