Heiner Backhaus ließ die Bombe gleich zu Beginn der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Samstag gegen den Karlsruher SC (13 Uhr, LIVE! bei kicker) platzen, als er die obligatorische Personallage abspulte: "Sven Köhler wird nicht im Kader sein morgen. Grund dafür war sein Wechselwunsch, den er gestern Abend aktiv geäußert hat." Das habe der Kapitän dem Trainer und Sportvorstand Benjamin Kessel in einem "fairen und ehrlichen" Gespräch mitgeteilt.
Anfang der Woche noch dementiert
Backhaus selbst zeigte sich von der Hiobsbotschaft überrascht. Der Coach habe "nur über die Medien" von den Wechselgerüchten erfahren. Wie der kicker bereits in seiner Print-Ausgabe am Donnerstag berichtete, soll der Grasshopper Club Zürich beim 29-Jährigen angeklopft haben.
Würde der Kapitän den BTSV im Abstiegskampf tatsächlich im Stich lassen? Die kurze Antwort lautete zunächst: Nein. Noch zu Wochenbeginn hieß es, dass Köhler, der bis 2027 an den BTSV gebunden ist, keinerlei Wechselabsichten habe erkennen lassen. Nun jedoch die Kehrtwende: Diese Frage lässt sich also inzwischen mit einem "Doch" beantworten. "Es wurde aktiv nachgefragt, ob ein Wechsel möglich wäre. So ist das Geschäft, der Verein muss das entscheiden", beschreibt der Trainer das Prozedere.
Unangefochtene Stammkraft
Für die abstiegsbedrohten Löwen (ein Zähler vor Platz 16, zwei vor Platz 17) ist das ein herber Verlust im Kampf um den Klassenerhalt, zählte der defensive Mittelfeldmann mit 16 Startelfeinsätzen doch zu den absoluten Leistungsträgern in der bisherigen Saison (kicker-Notenschnitt: 3,56). Im Sommer 2024 war er von Odense BK zu den Niedersachsen gekommen und bestritt bislang 51 Pflichtspiele (ein Tor) für die Niedersachsen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen beförderte der von Alemannia Aachen verpflichtete Backhaus ihn in der Sommervorbereitung prompt zum Kapitän. "Natürlich wünscht sich das keiner, ist doch klar. Er war ja auch meine Wahl als Kapitän." Ein Kapitän, der ein halbes Jahr darauf von Bord gehen will.
Nun muss eine schnelle Lösung her: Der BTSV wird für Köhler in jedem Fall eine Ablöse einfordern, die ein Interessent erst mal kurzfristig aufbringen muss. Bis Montag um 20 Uhr ist das Winter-Transferfenster noch geöffnet. Wenig Zeit für ausgiebige Verhandlungen, geschweige denn für die Suche nach einem Nachfolger. Zuwachs bekam der Eintracht-Kader immerhin schon am Donnerstag: Das "hochbegabte" Offensiv-Talent Jovan Milosevic wurde vom MLS-Klub New York City FC ausgeliehen - die Defensivqualitäten Köhlers wird dieser wohl dennoch kaum kompensieren können.