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Hertha: Rassismus-Vorwurf gegen die Polizei

kicker

Das Geschehen liegt mittlerweile fast zwei Wochen zurück, aber die Aufarbeitung läuft weiter, und sie hat seit Freitag eine neue, hässliche Facette. Am Rande der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Hertha-Fans und Einsatzkräften der Berliner Polizei beim Zweitliga-Spiel zwischen Hertha BSC und Schalke 04 (0:0) am 17. Januar soll sich ein Polizist rassistisch gegenüber einem Präsidiumsmitglied des Vereins mit dunkler Hautfarbe geäußert haben.

"Das ist ein Faktum, das liegt mir auch schriftlich vor", sagte Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich am Freitag im Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. "Deswegen trage ich das auch hier vor." Bei dem Präsidiumsmitglied handelt es sich um den in Berlin-Wedding geborenen Saravanan Sundaram. In einem Dialog mit einem Polizeibeamten soll jener im Zuge der Auseinandersetzungen zu Sundaram gesagt haben: "Da, wo du herkommst, hat sowieso keiner Respekt vor der Polizei."

Der Rassismus-Vorwurf als eine von zehn Beschwerden

Vor Anpfiff des Spiels hatten sich beide Seiten am Zugang der Ostkurve schwere Auseinandersetzungen geliefert. Die Polizei sprach anschließend von 31 verletzten Fans und 21 verletzten Polizisten. Hertha BSC hatte kurz nach den Ereignissen erklärt, dass auch Mitarbeiter des Vereins, die deeskalieren wollten, verletzt worden seien.

Die Polizei bearbeitet laut Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel als Folge der Vorfälle zwei Anzeigen wegen Körperverletzung im Amt sowie zehn Beschwerden gegen Polizeibeamte. Der Rassismusvorwurf sei ihres Vermutens nach "eine der zehn Beschwerden", sagte Slowik Meisel und stellte eine strafrechtliche Prüfung in Aussicht. Sie beharrte auch am Freitag darauf, dass die Gewalt in erster Linie von den Fans ausgegangen sei.

Fanhilfe-Sprecher: "Ganz normale Fans haben Bauchschmerzen"

Die Fanhilfe von Hertha BSC hatte zuletzt personelle Konsequenzen aufseiten der Polizei gefordert. Es sei nicht erkennbar, dass der Polizeieinsatz rund um das Spiel gegen Schalke kritisch aufgearbeitet werde, sagte der Sprecher der Rechtshilfeorganisation, Fritz Müller, in einem Interview mit dem Tagesspiegel. "Deswegen schauen wir mit mulmigen Gefühlen auf den kommenden Sonntag. Und auf das, was die Polizei dort vollziehen wird. Ganz normale Fans haben Bauchschmerzen, ins Olympiastadion zu gehen, aus Sorge vor neuerlicher Polizeigewalt - weil sie das beim Spiel gegen Schalke mit eigenen Augen gesehen haben oder durch Pfefferspray sogar selbst verletzt worden sind. Wer so eine Situation herbeiführt, macht seinen Job nicht richtig und ist an seiner Position falsch."

Polizei "fassungslos über das Maß von Gewalt"

Die Polizei hingegen hat eine nahezu entgegengesetzte Sicht auf die Auseinandersetzungen. "Das Maß von Gewalt hat mich fassungslos zurückgelassen", sagte Thomas Goldack, der Leiter der Polizeidirektion 2, am Freitag im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses. Er verteidigte mit Blick auf die Vorfälle beim Zweitliga-Spiel Hertha BSC gegen Dynamo Dresden (2:0) am 1. November, die als Wendepunkt im zuletzt eskalierten Konflikt gelten, das Umsteuern der Polizei-Strategie und den verstärkten Fokus auf die Heim-Fans.

An der Polizei-Präsenz hatte sich zuletzt Kritik aufseiten der aktiven Fan-Szene und in der Führungsetage des Klubs entzündet. "Eine polizeifreie Ostkurve" nannte Geschäftsführer Görlich am Freitag als Ziel, sprach von "Fehlverhalten auf beiden Seiten" und betonte: "Wir können Gewalt im Rahmen eines Fußballspiels in keinster Weise akzeptieren." Hertha BSC empfängt am Sonntag im Olympiastadion Darmstadt 98 zum ersten Heimspiel seit den Gewaltvorfällen vor knapp zwei Wochen. Der Klub erwartet nach eigenen Angaben etwa 35.000 Zuschauer.