Nach etwas mehr als zwei Jahren endet die Zeit von Gerardo Seoane als Trainer von Borussia Mönchengladbach. Entsprechende kicker-Informationen, dass die Trennung vom Schweizer nach der herben 0:4-Niederlage gegen Werder Bremen beschlossene Sache ist und bis auf Weiteres U-23-Coach Eugen Polanski die Mannschaft übernimmt, bestätigten die Fohlen am Montagnachmittag.
"Nach einer intensiven Aufarbeitung unseres Saisonstarts sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass wir eine Änderung auf der Position des Cheftrainers vornehmen müssen", wird Roland Virkus, Borussias Geschäftsführer Sport, in der Pressemitteilung zitiert. "Nach nun saisonübergreifend zehn Bundesligaspielen ohne Sieg ist bei uns der Glaube geschwunden, dass der Umschwung mit Gerardo gelingen kann."
Die Pleite gegen die Hanseaten war saisonübergreifend bereits die zehnte Bundesliga-Partie, die die Borussia nicht gewinnen konnte, fünfmal in Serie gelang den Gladbachern kein eigenes Tor. Nachdem Virkus Seoane nach dem 0:0 gegen den Hamburger SV zum Saisonauftakt sowie dem 0:1 beim VfB Stuttgart wegen der erkennbaren "positiven Entwicklung" noch gestärkt hatte, verlor der Trainer nun auch die Rückendeckung des Sport-Geschäftsführers, der am Sonntagabend eine Nacht Bedenkzeit angedeutet hatte.
"Gerardo hat die Mannschaft in einer schwierigen Situation übernommen, ist den Weg des Klubs mitgegangen, hat den Entwicklungsprozess der Mannschaft angeschoben und hat sie stabilisiert. Allerdings war das Ende der Saison nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben und der Start in diese Spielzeit ebenfalls nicht. Der Schritt, nun einen neuen Impuls zu setzen, ist der richtige. Wir danken Gerardo für seine geleistete Arbeit und wünschen ihm beruflich und privat alles Gute", sagt Präsident Rainer Bonhof zur Trennung.
Ob Polanski die Chance erhält, länger auf dem Chefsessel zu bleiben, ist zunächst offen. Namen von möglichen Nachfolgern kursieren bereits rund um den Borussia-Park, etwa die aktuell vereinslosen Urs Fischer (zuletzt Union Berlin), Pellegrino Matarazzo (zuletzt TSG Hoffenheim) oder Martin Demichelis (zuletzt CF Monterrey/Mexiko). Auch Edin Terzic (zuletzt Borussia Dortmund) ist zurzeit ohne Klub.
Seoane, der am Montagvormittag noch das Spiel-Ersatztraining leitete, hatte das Traineramt bei der Borussia im Sommer 2023 übernommen. An der Seitenlinie der Fohlen stand er in 78 Pflichtspielen, wovon er 25 gewann. Sein Punkteschnitt nach 71 Bundesligaspielen als Gladbacher Trainer liegt bei 1,13 Zählern pro Begegnung - das ist die schwächste Ausbeute seit Michael Frontzeck, der in seiner Gladbacher Zeit zwischen 2009 und 2011 auf einen Schnitt von 0,98 kam.
Steigerung im zweiten Jahr
Nach Platz 14 und 34 Punkten in seiner ersten Saison steigerte sich die Borussia unter dem Schweizer im zweiten Jahr und wurde Zehnter mit 45 Punkten. Im Saison-Endspurt zeigte die Formkurve allerdings wieder nach unten, was sich in der neuen Saison bislang bestätigte. Besonders der Ausfall von Top-Stürmer Tim Kleindienst (16 Tore, neun Vorlagen) traf die Borussia hart, Seoane konnte das Fehlen des 30-Jährigen nicht kompensieren.
Nach Erik ten Hag, der in Leverkusen nach zwei Spielen gehen musste, ist Seoane der zweite Trainer der laufenden Bundesliga-Saison, der vorzeitig seinen Hut nehmen muss. Am Sonntag wartet auf die Gladbacher das Derby gegen die Leverkusener, die unter ihrem neuen Trainer Kasper Hjulmand am Freitag mit 3:1 gegen Eintracht Frankfurt gewannen.