Lang, lang ist's her, dass die Eintracht auf Galatasaray Istanbul traf. Orkan Buruk, der 51 Jahre alte Trainer des türkischen Meisters, stand als junger Hüpfer auf dem Feld, als die Türken in der 2. Runde des UEFA-Cups der Saison 1992/93 im Waldstadion das Weiterkommen (1:0; 0:0) feierten. Ein gefühltes Heimspiel für Gala, rund 30.000 der 40.000 Fans drückten damals dem türkischen Spitzenklub die Daumen.
Heimspiel-Faktor und hohe Schwarzmarkt-Preise
Auch diesmal werden wohl zahlreiche türkische Anhänger den Weg ins Stadion finden, auf dem Schwarzmarkt werden Mondpreise aufgerufen. Unter 500 Euro pro Karte geht nichts. In türkischer Hand wird die Arena jedoch nicht sein. Coach Dino Toppmöller setzt ausdrücklich auf den Heimspiel-Faktor: "Das ist ein Vorteil. Wir haben schon oft bewiesen, dass wir mit der tollen Unterstützung in der Lage sind, Fußballfeste zu feiern. Wir wissen um die Besonderheit der Europapokal-Nächte. Da gibt es mit Flutlicht noch mal ein anderes Flair."
Angesichts des harten Programms in der Champions League ist ein Sieg gegen Galatasaray fast schon Pflicht, um die Ligaphase zu überstehen. "Ich sehe den Schlüssel für uns in einer guten Intensität, aber auch guten Qualität im Spiel mit dem Ball", sagt Toppmöller. Leichtfertige Ballverluste wie zuletzt gegen Leverkusen darf sich das Team nicht erlauben. Andernfalls könnte es ein böses Erwachen geben.
"Technisch hervorragende Spieler"
Die Eintracht wird versuchen müssen, den Gegner durch aggressives Anlaufen möglichst weit weg vom eigenen Tor zu halten. "Wenn wir es dem Gegner immer erlauben, in unserem Verteidigungsdrittel zu sein, wird es irgendwann schwer, weil sie dafür alle Rezepte haben", mahnt Toppmöller in Anspielung auf die technische Extraklasse von Galatasaray. "Das ist eine unfassbar gute Mannschaft mit technisch hervorragenden Spielern und extrem viel Erfahrung."
Hohes Anlaufen schließt situativ tiefes Verteidigen nicht aus. Anders als zuletzt in Leverkusen dürften sich im Umschaltspiel nach Ballgewinnen größere Räume ergeben. Auch deshalb könnte es eine Partie ganz nach dem Geschmack von Kämpfernatur Ansgar Knauff sein, der vermutlich für Jean-Matteo Bahoya in die Elf rückt. "Wir haben das Gefühl, dass er in solchen Spielen über sich hinauswachsen und eine brutale Performance auf den Platz bringen kann. Er spielt in den Planungen eine sehr große Rolle und ist ein Startelf-Kandidat", bekräftigt Toppmöller. Bislang kam Knauff in jedem Saisonspiel als Joker rein.
Trapp wird verabschiedet - Götze fällt aus
Vor drei Jahren spielte Knauff auf dem Weg zum Europa-League-Triumph eine tragende Rolle, vergangene Saison glänzte er im Achtelfinale bei Ajax Amsterdam. Beim Aus im Viertelfinale gegen Tottenham konnte er wegen einer Verletzung erst im Rückspiel für einige Minuten mitwirken. Bahoya wirkte auf dieser großen Bühne noch überfordert. Nicht rechtzeitig fit wird Spielmacher Mario Götze (muskuläre Probleme). Dessen Erfahrung wird fehlen.
Allerdings hat Götzes Kronprinz Can Uzun einen Lauf, traf an den ersten drei Bundesliga-Spieltagen. "Can ist auf einem richtig guten Weg. Vom Kopf her hat er einen großen Schritt nach vorne gemacht. Im Umgang mit Rückschlägen, aber auch mit positiven Momenten. Er bleibt dran. Er ist sehr ambitioniert und möchte maximal erfolgreich sein", lobt der Coach.
Verbesserungspotenzial sieht er unter anderem noch in der Entscheidungsfindung: Abspielen oder Ball halten? "Manchmal ist es wichtig, den Ball schnell aus dem Fuß zu spielen", sagt Toppmöller. So könnten unnötige Ballverluste vermieden werden. Uzun sei sehr offen für diese "kleinen Hinweise".
Emotional wird es schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff. Vereinslegende Kevin Trapp, der im August zum FC Paris gewechselt war, reist extra zum Spiel nach Frankfurt und wird im Stadion verabschiedet. Auf die Abschiedstränen soll ein Fußballfest folgen. Toppmöller frohlockt: "Es ist außergewöhnlich, mit Eintracht Frankfurt in der Champions League zu spielen. Die Jungs haben sich diesen Wettbewerb über eine tolle Saison verdient und sollen ihn genießen - und mit großer Vorfreude ins Spiel gehen."