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Eberl schließt Rücktritt bei Bayern aus - "Erinnert euch an Berti Vogts!"

kicker

Im Fußballgeschäft arbeitet Max Eberl schon viel zu lange, um von irgendwelchen Fragen noch großartig überrascht zu werden. Natürlich wusste der Sportvorstand des FC Bayern am Freitagmorgen ganz genau, was ihn vor dem Heimspiel der Münchner gegen den Hamburger SV erwarten würde. Und das hatte kaum etwas mit dem Hamburger SV und zumindest ein bisschen was mit Neuzugang Nicolas Jackson zu tun.

Natürlich richtete sich der Fokus beim Sportvorstand auf das gerade geschlossene Transferfenster und die damit verbundenen "Ratschläge" von Ehrenpräsident Uli Hoeneß am vergangenen Sonntag im Doppelpass. "Ich würde gerne ein Geheimnis offenbaren", begann Eberl, angesprochen auf Hoeneß - und offenbarte erstmals nichts: "Wir haben eine Transferperiode hinter uns gebracht, in dem wir vieles umgesetzt haben, was wir uns vorgestellt haben. Das ist das, was am langen Ende für uns zählt. Jetzt geht es für uns um Fußball und nichts anderes."

Erst ein paar Minuten später, nachdem Vincent Kompany schon über seinen unschönen HSV-Abschied gesprochen hatte, wurde Eberl nochmal gefragt. Und zwar danach, wie er denn persönlich mit solchen "Ratschlägen" umgehe, oder, neudeutsch formuliert: Was das mit ihm mache.

Und erst dann holte Eberl aus und offenbarte in einem 208-sekündigen Vortrag seine Gefühlslage, um mit dem Satz "Wie es mir persönlich geht, das bleibt bei mir" zu enden. Dabei hatte er genau das ja gerade getan.

"Ich bin der, der hier einen guten Job machen möchte", begann Eberl und blickte zurück auf seinen Start bei Bayern im März 2024, als die Trennung von Thomas Tuchel für den Sommer 2024 schon beschlossen war und ein neuer Trainer gefunden werden musste. "Das war definitiv keine einfache Situation", sagte er und ging explizit auf Hoeneß' "Empfindlich"-Kritik ein: "Wir reden ja von 'empfindlich'. Da muss man erstmal das Wort definieren: es heißt empfinden, heißt fühlen. Heißt: Für was bereit sein, für was kämpfen. Wenn du nicht fühlst, wenn du nur einen Job machst ... Wenn man das will, dann ist das sehr kalt. Ich glaube, die ganze Welt und unsere Gesellschaft ist sehr kalt und rücksichtslos."

„Das ist das, wofür ich stehe.“ (Eberl über seine Arbeit)

Eberl will zwar nicht über seine Gefühle reden, aber sehr wohl "Fühlen". "Weil ich das, was ich tue, mit Leidenschaft tue. Dafür brenne. So habe ich diesen Job vor 18 Monaten angefangen." Der neue Trainer hieß, wie sagt Eberl es für gewöhnlich so schön, "am langen Ende" Kompany. "Herausragend" sei der, "den durfte ich jetzt 14 Monate kennenlernen. Das ist einfach eine herausragende Persönlichkeit, die wir an der Seitenlinie haben. Als Mensch, aber auch als Trainer."

Mit der Trainersuche endeten die Aufträge an Eberl allerdings nicht. Er sollte die Verträge mit Jamal Musiala, Alphonso Davies, Joshua Kimmich und Manuel Neuer verlängern und tat das für sehr (oder zu viel?) Geld. "Aber diese Verlängerungen waren für uns essenziell. Das war der Job, den wir uns vorgestellt haben. Dinge für die Zukunft aufzubauen."

Und so ging es in diesem Sommer weiter, mit etlichen Abgängen und eher wenigen Zugängen. "Wir haben gesagt: Wir wollen auf unsere Talente gehen, die noch sehr jung sind. Wir haben angefangen, Kosten zu senken, Einnahmen zu generieren. Das ist das, wofür ich stehe. Wofür wir alle arbeiten: Christoph, Vinnie und ich. Alle anderen auch."

Und dann, nachdem Eberl seine Arbeit rekapituliert hatte, wurde es dann doch etwas persönlicher: "Ich musste immer kämpfen", sagte der Sportvorstand. "Alles, was ich erreicht habe ... Erinnert euch an Berti Vogts! Als ich in Gladbach anfing, das Fahrrad."

Vogts, als Spieler fünfmal Meister mit Gladbach und damals Trainer der aserbaidschanischen Nationalmannschaft, hatte im Frühjahr 2011 die Gladbacher Führung und explizit Sportdirektor Eberl nach der Entlassung von Trainer Michael Frontzeck angegriffen: "Eberl ist kein Borusse. Er weiß ja gar nicht, wie er in diese Position gekommen ist. Er ist wahrscheinlich zufällig mit dem Fahrrad vorbeigekommen. Eberl ist mal von Torpfosten zu Torpfosten gelaufen und mehr nicht."

"Deswegen", wiederholt Eberl heute. "Alle Dinge, die ich erreicht habe, dafür musste ich kämpfen, dafür musste ich hart arbeiten. Aber nicht ich allein. Ich habe nur funktioniert, wenn die Leute da waren. Das ist das Geschäft im Fußball. Das ist das, wie ich arbeite, wie ich lebe."

Etwaige Rücktrittsgedanken, worüber in manchen Medien spekuliert wurde, habe er jedenfalls nie gehabt. "Mein Herz ist hier. Never ever habe ich daran gedacht, hier hinzuschmeißen. Dafür habe ich viel zu viel noch vor. Ich möchte nicht einfach bei Bayern München arbeiten, sondern ich möchte mit Bayern München erfolgreich sein. Das ist das, wofür ich jeden Tag aufstehe."

Und dann waren drei Minuten und 28 Sekunden vorbei. "Und wie es mir ganz persönlich geht, das bleibt bei mir."