Klar war für Fabio Vieira lediglich, dass es in London für ihn trotz eines gültigen Vertrages bis 2027 nicht wirklich weitergehen würde. Schon in der Vorsaison hatten ihn die Gunners an seinen Ex-Klub FC Porto verliehen. Wohin es dieses Mal gehen würde, war bis zum letzten Tag unklar, ehe es am Deadline Day dann ganz schnell ging.
"Es war hart für mich, aber wir sind Profifußballer"
Der zentrale Mittelfeldspieler mit dem feinen linken Fuß geht professionell mit der weniger romantischen Seite des Geschäfts um. "Es ist schwierig für jeden Spieler, der in diese Situation kommt", sagt er und räumt ein, dass es nicht einfach war, bis zum Sonntag nicht genau zu wissen, wo die Reise hingeht: "Natürlich war es hart für mich, aber wir sind Profifußballer, solche Situationen gehören dazu. Ich habe viel Unterstützung von meiner Familie erhalten, das war wichtig für mich." Und am Ende, versichert er, "ist alles aufgegangen. Ich bin froh, hier zu sein. Ich sehe es als große Chance an, wieder meinen Fußball zu zeigen."
In Hamburg sind die Verantwortlichen ebenfalls froh und sehen in der neuen Nummer 20 eine große Chance. Merlin Polzin sagt nach den Sichtungen und den ersten Eindrücken über Fabio Vieira sowie dessen alten und neuen Mannschaftskollegen, den ebenfalls vom FC Arsenal gekommenen Albert Sambi Lokonga: "Beide definieren sich über Lösungen mit dem Ball. Sie bewegen sich in Räumen, die wir zuvor auch schon besetzt haben, dabei jedoch nicht für Torgefahr gesorgt haben."
"Ich darf das tun, was ich mag"
Mit dem Druck, der auf seinen schmalen Schultern landet, geht Fabio Vieira ähnlich um wie mit der wochenlangen Hängepartie um seine Zukunft - er akzeptiert es als etwas, das dazu gehört. "Es ist Teil des Fußballs, Druck zu haben, es ist unser Job." Gleichzeitig bekräftigt er: "Ich darf das tun, was ich mag, also empfinde ich es nicht als Druck. Ich will die Rolle ausfüllen, die für mich vorgesehen ist."
Diese haben ihm Sportdirektor Claus Costa und Polzin im Schnelldurchlauf, aber doch eingehend dargelegt. Er sagt: "Danach ging es schnell, sie haben mich überzeugt." Als spielmachender Rechtsaußen feierte Fabio Vieira gegen Zweitliga-Spitzenreiter Hannover nach rund einer Stunde Spielzeit seinen Einstand und sagt: "Ich kann als Zehner spielen oder rechts und von dort nach innen ziehen. Ich kann auch gut zwischen den Linien spielen, Entscheidungen treffen, Vorlagen geben und selbst abschließen."
Fabio Vieiras Fähigkeiten sind ziemlich genau das, was dem HSV während der Vorbereitung und der, inklusive Pokal, ersten drei Pflichtspiele gefehlt hat. Die große Frage ist: Passt der Techniker zu der Art, wie der Aufsteiger seit dieser Spielzeit Fußball spielt? Oder reichen seine Qualitäten gar, das gesamte Spiel des HSV entscheidend zu verändern? Für ihn selbst steht fest, dass er in Hamburg gern ein zweites Mal positiv überraschen würde.