Urteile sind heutzutage schnell gefällt, jeder hat seine Meinung, gerade in den sozialen Medien gibt es zu oft nur noch schwarz oder weiß. Nimmt man dies als Maßstab, hat ein großer Transfer des deutschen Rekordmeisters selten so wenig Applaus bekommen wie der von Luis Diaz. Zu alt, zu teuer, für das Geld nicht gut genug, kein Wiederverkaufswert nach Ende des Vertrags. Gemeckert ist wie üblich schnell, negativ ist immer leicht.
Vielleicht sollte man stattdessen den Kolumbianer erst einmal spielen lassen, der zweifelsfrei über Qualitäten verfügt, die dem FC Bayern weiterhelfen. Erinnert sei an den Dreierpack in der Champions League gegen Bayer 04 Leverkusen, in der südamerikanischen WM-Qualifikation führt er aktuell die Torschützenliste an.
Klar ist mit Blick auf Alter und Ablöse: Die Bayern holen den Offensivspieler mit der Erwartungshaltung einer Soforthilfe. Erfolge in der Gegenwart sind wichtiger als Gedankenspiele, was in zwei, drei, vier Jahren sein wird. Aber gilt dies im Profifußball nicht meistens und für alle? Klar, der Optimalfall ist ein Volltreffer wie Michael Olise vor der letzten Saison, der jung kommt (22 damals) und sofort sportlich voll einschlägt.
Kane war bei Ankunft auch schon 30
Die Regel sind solche Transfers eines Bundesligisten nicht, schon gar nicht bei Spielern aus der Premier League. Harry Kane war bei seiner Ankunft vor zwei Jahren gerade 30 Jahre alt geworden, seine Torquote lässt bis heute die Debatte übers Alter ersticken, auch wenn sich die Münchner natürlich frühzeitig Gedanken über einen Nachfolger machen werden.
Schief ging es vor drei Jahren mit Sadio Mané, der halb so teuer, dafür aber auch schon 30 Jahre alt war. Die Umstände waren aber andere: Robert Lewandowski hatte sich gerade verabschiedet, Mané kam in ein Team ohne echten Mittelstürmer. Luis Diaz wird im Optimalfall eine starke Ergänzung zu Kane, Olise und Jamal Musiala, wenn dieser gegen Jahresende wieder fit sein sollte.
Die Münchner schätzen an ihrem Neuzugang die Physis und Belastbarkeit, dazu die fußballerische Qualität. Florian Wirtz und Nico Williams haben sie nicht bekommen, nun eben Luis Diaz. Skeptikern könnte höchstens zu denken geben, warum ihn Liverpool ziehen ließ, wenn auch für viel Geld. Denn Bayerns Neuzugang ist keineswegs zu alt, sondern im besten Fußballeralter. Und damit auch erfahren genug, um sofort zu liefern. Denn nur so kann er die kritischen Stimmen verstummen lassen.