Das 0:0 der Dänen am Freitag in der WM-Qualifikation gegen Schottland verfolgte er als Zuschauer. Ob er sich leichter als seine Landsleute getan hätte, gegen die Briten ein Tor zu erzielen? Hypothetisch. Aber Jonas Wind arbeitet daran, bald wieder mitzuwirken - in der Nationalelf seines Landes, zuvor aber vor allem wieder in Wolfsburg.
Langwierige Muskelprobleme hatten den 26-Jährigen weite Teile der Sommer-Vorbereitung gekostet, möglicherweise auch die Chance auf einen lukrativen Wechsel, denn die Aussichten auf eine tragende Rolle beim VfL schien getrübt. Jetzt mischt er dort zumindest wieder mit: Im zweiten Saisonspiel gegen Mainz (1:1) wurde Wind in der Nachspielzeit eingewechselt, am vergangenen Freitag dann stand er in den ersten 45 Minuten im Testspiel gegen Zweitligist SC Paderborn 07 auf dem Platz, erzielte per Kopf sogar die zwischenzeitliche 1:0-Führung bei der späteren 1:2-Niederlage und erhielt anerkennende Worte seines Trainers. "Wir alle sehen die Qualitäten von Jonas. Er ist ein wirklich intelligenter Stürmer. Am Ball ist er der beste von den dreien, die wir haben", so Paul Simonis, den Vergleich mit den Konkurrenten Mohammed Amoura und Dzenan Pejcinovic ziehend.
Qualitäten, aber "noch nicht das Niveau"
Aussicht auf kurzfristig mehr Spielzeit verspricht diese Einschätzung des Coaches allerdings nicht. "Jonas hat lange Zeit nicht gespielt, aber man sieht, dass er als Verbindungsspieler wirklich intelligent ist. Er kann den Ball halten, er findet immer den Mitspieler, er hat immer den Überblick, sodass er in solchen Situationen nie in Stress gerät", schickt Simonis zwar weiteres Lob voraus. Weniger als Experte in der Box, dafür als spielender Mittelstürmer mit großem Aktionsradius und gutem Verständnis fürs Kombinationsspiel aus der zweiten Reihe heraus schätzt der Niederländer Wind grundsätzlich durchaus. Er wird ihn in der einen oder anderen Situation im Saisonverlauf sicher auch gut gebrauchen können.
Doch Simonis sieht auch den Rückstand des Rückkehrers: "Er muss noch einiges an Arbeit investieren, denn das ist noch nicht das Niveau, das wir erreichen wollen." Die Hierarchie in der zentralen Sturmposition des VfL Wolfsburg wird Wind in absehbarer Zeit mutmaßlich noch nicht wieder verändern, zumal Dzenan Pejcinovic gerade erst in der deutschen U 21 beim 2:0-Sieg in Albanien, zu dem er einen Treffer beisteuerte, seine gute Verfassung unter Beweis stellte. "In dieser Hinsicht ist Dzenan meilenweit voraus", vertröstet Simonis Wind vorerst. "Aber das ist auch logisch, wenn man so lange nicht gespielt hat."