Aus Lille berichtet Dennis Zaremba
"Natürlich war die Stimmung in der Kabine betrübt", gestand Philipp Treu nach dem 0:1 beim Lille OSC. "Wir alle wollten die Ligaphase ungeschlagen beenden." Und doch gesellte sich zu jener Betrübtheit an diesem Abend noch ein anderes Gefühl. Eins, das spätestens mit ein paar Stunden, vielleicht Tagen, wohl bei allen Beteiligten überwiegen wird. "Wir können trotzdem stolz auf uns sein, dass wir eine super Ligaphase gespielt haben."
Diese "super Ligaphase" endete letztlich zwar nicht ungeschlagen, aber dennoch auf Platz 7 und damit auf einem Platz, der direkt für das Achtelfinale berechtigt. Besonders Julian Schuster war darum bemüht, den Fokus weg vom Gastspiel in Lille und hin zu diesem großen Erfolg zu lenken. "Es geht uns allen so, dass wir uns über die Niederlage aufregen. Aber das ist etwas Größeres als diese 90 Minuten", betonte der Coach.
Schuster schwärmt: "Stolz, Trainer dieser Jungs zu sein"
Im Fußballalltag sei es schwierig, einzelne Momente zu genießen. Doch diesen Schritt wollte Schuster genau dafür nutzen. "Es ist auch für mich, wenn ich mal innehalte und gewisse Dinge bei aller Professionalität ausblende, einfach etwas sehr Besonderes und ich bin sehr stolz, Trainer von diesen Jungs sein zu dürfen", freute sich der Coach. "Wir dürfen gemeinsam auf Reisen gehen, was so vielen Menschen so viel bedeutet und uns für viele weitere Jahre verbindet", nahm er auch die Fans mit ins Boot.
Besonders in der Kabine habe Schuster aber die Größe des Erfolges gespürt. "Wenn man da miteinander spricht und glasige Augen sieht, da merkt man, was es auch Personen aus dem Staff, die schon mehrere Jahrzehnte dabei sind, einfach bedeutet", schilderte er Eindrücke von positiv gerührten Mitarbeitern. "Das ist alles andere als normal."
Treu: "Haben etwas anderes erwartet"
Mit diesen Eindrücken wird die Niederlage in Lille eine dieser sein, die schnell abgeschüttelt sein dürfte. "Daraus werden wir Lehren ziehen", gab sich Treu, der das Ergebnis als "verdient" einstufte, optimistisch. "Wir haben auch ein bisschen was anderes erwartet, dass sie mit Olivier Giroud, dem Stoßstürmer, der immer wieder die Bälle festmacht, beginnen. Aber sie wollten es spielerisch lösen und wir sind anfangs echt ein bisschen hinterhergelaufen."
Nach der Pause näherte sich der Sport-Club zwar zweimal durch Junior Adamu an, der aber zögerte erst zu lange und verzog anschließend frei stehend deutlich. Schusters Erklärungsansatz: "Erst wird er im letzten Moment gestört, dadurch hat er wahrscheinlich bei der zweiten Chance gedacht, er muss schneller abschließen, was nicht notwendig war."
„In Bologna waren wir schon, da würden wir wissen, was auf uns zukommt. Das würde unserem Analysten helfen und ihm vielleicht ein bisschen Arbeit sparen.“ (Julian Schuster)
Deutlich bitterer als Adamus ausgelassene Chancen, Cyriaque Iriés Foul oder Girouds daraus resultierenden Elfmetertreffer ist für die Freiburger auf etwas längere Sicht aber der Platzverweis von Maximilian Eggestein. Der gesetzte Sechser wird nach seinem überharten Einsteigen sicher das Achtelfinal-Hinspiel verpassen. Dann geht es zunächst auswärts gegen KRC Genk, FC Bologna, Dinamo Zagreb oder SK Brann Bergen.
"In Bologna waren wir schon, da würden wir wissen, was auf uns zukommt. Das würde unserem Analysten helfen und ihm vielleicht ein bisschen Arbeit sparen", scherzte Schuster mit Blick auf den nächsten Gegner. Am 2. Spieltag holte der SC ein 1:1 bei den Italienern. "Aber zu den anderen Teams kann ich nicht wirklich etwas sagen. Wir nehmen es, wie es kommt, und es ist toll, dass wir dieses Achtelfinale haben, losgelöst vom Gegner."