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"Große Liga, großer Klub, große Chance"

kicker

Zugegeben, über Wolfsburg wusste er bislang nur relativ wenig. "Ich habe es im Fernsehen verfolgt, dort ein paar Spiele des VfL gesehen", erzählt Vinicius Souza. Das meiste habe er dann von Naldo erfahren, seinem Landsmann, Berater und Freund. Der heute 42-Jährige, Vereinslegende und Pokalsieger 2015 mit den "Wölfen", habe nur eine Viertelstunde gebraucht, um ihn zu überzeugen. "Er hat mir alles über Wolfsburg erzählt, über den Klub, die Stadt und die ganze Liga. Er liebt es. Das hat es einfach für mich gemacht."

Die "Restarbeit" rund um den Transfer des Brasilianers von Sheffield United zu realisieren, erledigten die Wolfsburger Verantwortlichen. Da auch sie ihrerseits von Souza überzeugt waren, legten sie 15 Millionen Euro Ablöse auf den Tisch und statteten den 26-Jährigen mit einem Vertrag mit der beachtlichen Laufzeit von fünf Jahren aus - sicherlich auch als Absicherung, falls sich in Zukunft potente Interessenten für den Spieler melden. Nur etwa drei Wochen habe der ganze Prozess vom ersten VfL-Kontakt zu ihm im Heimaturlaub in Brasilien bis zur Verpflichtung nur gedauert, verrät dieser.

"Monster? Vini ist mein eigentlicher Spitzname"

"Niemals aufgeben im Kampf um jeden Ball, das ist sehr wichtig", habe ihm Naldo als sportlichen Rat mitgegeben auf den Weg in Wolfsburg, der in dieser Woche mit den ersten Trainings im neuen Team begann. Im defensiven Mittelfeld ist der Neue zu Hause, musste dort in England genau diese Attitüden in die Waagschale werfen. Offenbar erfolgreich, erhielt er doch vom Anhang auf der Insel das liebevolle Etikett "Monster". Souza lacht darüber, aber: "Die Fans dort sind ein bisschen verrückt. ,Vini' ist mein eigentlicher Spitzname."

Das klingt etwas angenehmer, ändere aber nichts an dem Umstand, auf dem Platz tatsächlich stets mit allen Mitteln alles herausholen zu wollen. Kenner seines Auftretens dort schildern den Rechtsfuß als jenen Typ Spieler, den man einfach lieber in den eigenen Reihen haben möchte statt im Team gegenüber. "Ich versuche, auf dem Platz stets die richtige Entscheidung zu treffen. Meine Trainer mochten immer, wenn ich die Mannschaft defensiv unterstützte. Ich kann defensiv agieren, wenn der Gegner in Überzahl angreift, mich nach vorne einschalten, wenn es die Situation erlaubt. Und auch zum Abschluss kommen, auch wenn ich noch nicht so oft getroffen habe..."

Tatsächlich scheint das Toreschießen ausbaufähig: In seinen bisher fünf Jahren in Europa stehen lediglich vier Treffer zu Buche - zwei in der belgischen Jupiler Pro League für den KV Mechelen,  eines für Espanyol Barcelona in Spanien, schließlich eines in der Premier League für Sheffield.

"Dortmund - ich mag solche Auswärtsspiele"

Vini Souza will die Tradition brasilianischer Spieler in Wolfsburg, die weit über Naldo hinausreicht, fortsetzen. "Ich weiß natürlich, wer Josué (Kapitän der VfL-Meistermannschaft 2009, d. Red.) ist, habe Grafite (Bundesliga-Torschützenkönig 2009, d. Red.) ein paarmal getroffen. Luiz Gustavo ist ein großer Spieler unseres Landes. Auch Rogerio, meinen jetzigen Wolfsburger Kollegen, habe ich schon vor langer Zeit kennengelernt."

Mit einer anderen Ikone, Kapitän Maximilian Arnold, könnte es nun zu einem interessanten Konkurrenzkampf auf der Position kommen. Dafür, diesen intern zu führen und womöglich zu gewinnen, hat Souza ausreichend Zeit, formal bis 2030. Ein großes Ziel ist freilich schon im kommenden Jahr die Weltmeisterschaft mit Brasilien. Ein Spiel für sein Land hat er bislang noch nicht absolviert. "Jeder träumt davon. In einer großen Liga und einem großen Klub habe ich jetzt auch die große Chance. Alles ist möglich, wenn man daran glaubt und alles für sich und sein Team tut."

Die Voraussetzungen beim VfL, den Traum wahr werden zu lassen, scheinen gegeben. "Das ist hier alles perfekt für mich", sagt Souza, der stets und fast überall lächelnd und mit Musik durchs Leben schreitet und locker an die Herausforderung herangehen will. "Ich werde alles geben, aber auch alles hier genießen." Auch die Spiele gegen große Gegner in der Bundesliga, denen der Sonnyboy mit Respekt und Freude entgegensieht. Beim BVB könnte es dabei zum Wiedersehen mit einem weiteren guten Bekannten kommen, der einen ähnlichen Weg aus Südamerika über Spanien und England nach Deutschland nahm: Yan Couto. "Ich habe in Manchester und Barcelona viel Kontakt mit ihm gehabt und mit ihm über Dortmund gesprochen. Verrückt, was dort im Stadion los ist. Da will ich gerne mit dem VfL spielen. Ich mag solche Auswärtsspiele, mit vielen Fans gegen mich."

Allersee-Strand statt Copacabana

Der vierjährige Sohn weilt zunächst weiterhin in Brasilien, mit seiner Frau und seiner einjährigen Tochter geht Vini Souza das neue Kapitel in Wolfsburg an. Dort muss der Strand am nahe zum Stadion gelegenen Allersee die Copacabana vorerst ersetzen. Mit dem deutschen Wetter sollte es generell aber keine Probleme geben. "Ich habe in Belgien und zuletzt in England gespielt..." Die ersten Adressen hat der noch im Hotel wohnende Neuzugang schon abgeklappert, mit der festen Bleibe soll es ähnlich schnell gehen wie mit dem gerade vollzogenen Wechsel. "Vielleicht haben wir schon an diesem Wochenende etwas gefunden."