Bei einem Blick auf die Vereins-Homepage wird sofort deutlich, mit wem man es zu tun hat: "SV Holthausen/Biene - ein Dorf, ein Sportverein". In der freundlichen Begrüßung schwingt ein Ruf mit, der keck so viel aussagt wie: Wir sind zwar nur ein kleiner Klub nahe der Stadt Lingen in Niedersachsen, aber wir haben einiges zu bieten.
Übertrieben ist das nicht. Künftig reüssiert die 1. Herrenmannschaft in der Oberliga. Nach einer herausragenden Saison mit 68 Punkten und einer Tordifferenz von 89:43 wurde Holthausen Biene souverän Meister der Landesliga West. "Wir haben so lange darauf gewartet", erzählt Joachim Korte, Sportlicher Leiter. Nach zuvor zwei Vize-Meisterschaften hat es im dritten Anlauf geklappt. "Jetzt freuen wir uns alle auf die Oberliga, das ganze Dorf freut sich." Kna/p 3.500 Einwohner zählt Holthausen/Biene. "Es geht unheimlich familiär zu", beschreibt Trainer Henning Schmidt einen der Gründe, warum er sich in dem Klub wohlfühlt. Seine Frau und seine drei Töchter sind in der Regel bei den Heimspielen immer dabei. "Die Atmosphäre in unserem Stadion, direkt an der Ems gelegen, ist sehr besonders", erläutert Schmidt, der als ehemaliger Regionalliga-Spieler von Eintracht Nordhorn schon einiges erlebt hat. Seit Juli 2023 ist der gebürtige Neuenhauser im Emsland tätig. Als Trainer ist die Oberliga für ihn Neuland. Ängstlich gehe er an die Aufgabe nicht heran, sondern gemeinsam im Team mit sehr viel Selbstvertrauen.
Dritte Kraft im Landkreis
Wie aber kam es zu dem Verein mit dem heiteren Doppelnamen Holthausen/Biene, über den der Trainer in höchsten Tönen spricht? Der Ursprung des SV Holthausen/Biene ist geschichtlich interessant. Auf Anregung des in Biene wirkenden Pastors Heinrich Schulte wurde 1931 die DJK Biene ins Leben gerufen, diese schloss sich der Deutschen Jugendkraft an, die 1935 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Mit dem Verbot des Dachverbandes wurde auch die DJK Biene verboten und aufgelöst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 mit dem SC Biene ein Nachfolgeverein gegründet, der kurze Zeit später in SV Biene umbenannt wurde. Am 31. Juli 1958 fusionierte der SV Biene mit einem Verein aus Holthausen zum SV Holthausen Biene. So weit der Exkurs in die Geschichte. Von 2011 bis 2013 spielte der Verein übrigens schon mal in der Oberliga. Jetzt - zwölf Jahre später - gelang die Rückkehr. Nach dem SV Meppen und dem SC Spelle-Venhaus ist Holthausen/Biene die dritte Kraft im Landkreis. "Wir sind nicht der Verein, der groß Geld ausgibt, sondern wir suchen junge Talente, die wir fördern und eine Chance geben können, im höherklassigen Fußball Fuß zu fassen", sieht Sportchef Korte die Rolle des selbsternannten Dorfvereins. Was nicht heißt, dass man nicht ambitioniert ist.
Das nahe Ziel ist der Klassenerhalt, mittelfristig soll der SV Holthausen/Biene ein wohlklingender, bekannter Name der Oberliga sein. "Grundsätzlich ist mir nicht bange. Wir sind eine gute Mannschaft. Eine schlagkräftige Truppe, die seit Jahren zusammenspielt. Angst haben wir nicht, aber natürlich Respekt. Da sind sicherlich auch einige übermächtige Gegner, mit denen wir nicht mithalten können. Aber vielleicht können wir hier und da für eine Überraschung sorgen", ist Korte, der gemeinsam mit Jannis Bolk und Jan Kessens ein Teammanager-Trio bildet, gespannt auf die Herausforderungen.
Mix aus Jung und Alt
Ein Schlüssel dabei ist der kurze Draht zwischen sportlicher Führung und sportlicher Leitung. In allen Fragen sind Korte und Schmidt ständig im Austausch. "Henning ist ein akribischer Arbeiter, sehr gut vernetzt", urteilt Korte über seinen Trainer, den er manchmal sogar etwas bremsen müsse. Die Kaderplanung ist weitgehend abgeschlossen. Das Gerüst von 17, 18 Spielern bleibt bestehen. Hinzu kommen fast ausschließlich junge Leute, die auch bei anderen Vereinen gehandelt wurden: Mit Simon Huer (19) wurde ein vielversprechendes Talent aus der U 19 des SV Meppen für die linke Außenbahn verpflichtet. Aus der A-Jugend von Olympia Laxten wechselt Mittelfeldmann Nino Krasnenko zum Oberliga-Aufsteiger. Zudem konnte man den Top-Torjäger der Bezirksliga Weser Ems Bennet Thelen für sich gewinnen.
"Das sind genau die Jungs, die wir suchen", erläutert Korte, der dabei auf seinen Trainer setzt: "Henning arbeitet gerne mit jungen Leuten, die er noch drehen und formen kann." Nur mit jungen Leuten geht es allerdings nicht. Erfahrung gehört auch dazu. Und die ist tatsächlich vorhanden. Mit Jannik Looschen hat Holthausen/Biene einen Offensivspieler in seinen Reihen, der sogar sein Profidebüt beim SV Meppen in der 3. Liga feiern konnte. Auch wenn es bei dieser Eintagsfliege geblieben ist. Philipp Elfert ist mit dem SC Spelle-Venhaus in der Regionalliga aufgelaufen.
Mit dieser Mischung aus Jung und Alt wollen sie es beim SV Holthausen/Biene anpacken. "Wir gehen mit viel Mut an die Oberliga ran, weil wir wissen, dass wir viele Punkte holen können", zeigt sich Schmidt zuversichtlich. Er selbst werde an seiner Arbeit nicht viel ändern. Und verweist dabei auf das funktionierende Trainerteam, bestehend aus vier Personen. Den scheidenden Co-Trainer Robert Bartling ersetzt Jakob Klaus, der sich künftig auch verstärkt um die Videoanalysen kümmern wird. Für das Torwarttraining bleibt Dennis Büttner verantwortlich. Das Tempo und die Intensität sind in der Oberliga noch mal einen Tick anspruchsvoller als in der Landesliga. "Ich habe unsere Physiotherapeutin Michelle Bauma zur Athletiktrainerin befördert", erklärt Schmidt eine seiner Maßnahmen, um den höheren Ansprüchen gerecht zu werden.
Seine Spielphilosophie wolle er von Woche zu Woche anpassen. Gefragt nach seiner Idee vom Fußball, antwortet der 51-Jährige verschmitzt: "Ein Tor mehr erzielen als der Gegner." Damit das gelingt, setzen sie in Holthausen/Biene auch auf die Unterstützung vieler Zuschauer. Zumindest bei den Heimspielen soll es in der Oberliga künftig lauten: "Das ganze Dorf ist da."