Trainer Vincent Kompany bewies Mut, dass er Lennart Karl in seine Rotation einbezog und den Jungprofi im Gastspiel bei der TSG Hoffenheim anstelle von Michael Olise beginnen ließ. In der ersten Pokalrunde beim 3:2 bei Wehen Wiesbaden hatte Karl diese Erfahrung bereits sammeln dürfen, danach kam er in der Liga gegen Leipzig (6:0) und den HSV (5:0) als Joker zum Zug, als die Partie gelaufen war. Hinter Mathys Tel ist er nun übrigens Bayerns zweitjüngster Startelfdebütant in der Bundesliga.
Ein Glanzlicht setzte Karl, als er eine einstudierte Ecke auf den kurz kommenden Harry Kane spielte und der Engländer so perfekt wie eiskalt zum zu diesem Zeitpunkt glücklichen 1:0 vollstreckte. Ansonsten zeigte Karl, dass er fußballerisch auf diesem Level gut mitzocken kann, er jedoch am Durchsetzungsvermögen arbeiten, sich an den Männerfußball gewöhnen muss.
In der ersten Halbzeit gewann er nur einen von sieben Zweikämpfen - ein Foul, das an ihm begangen wurde. Er leistete sich zwei am Ende folgenlose Ballverluste um den eigenen Strafraum und hatte generell Probleme damit, wenn er von den aggressiv anlaufenden Hoffenheimern unter Druck gesetzt wurde.
Ein größerer Lerneffekt als gegen den HSV
Bis zu seiner Auswechslung nach einer Stunde gewann Karl bescheidene 21 Prozent seiner Zweikämpfe, er gewann eines von sechs Dribblings und brachte 79 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler. Seine drei Flanken fanden keinen Abnehmer. Dennoch dürfte er aus dieser Partie mehr für die Zukunft mitnehmen als aus einer Einwechslung gegen einen bereits geschlagenen Gegner. Und den Assist nimmt ihm keiner, auf solch zählbare Werte kommt es an.
Bei Kompany genießt Karl ohnehin zumindest in der Öffentlichkeit Welpenschutz, nimmt er vielmehr die gestandenen Spieler in die Verantwortung. Auch für die schlechte erste Hälfte beim 4:1-Erfolg in Hoffenheim. "Es war für ihn wie für alle nicht leicht", urteilte Sportvorstand Max Eberl und fügte an: "Er hat versucht, seine Arbeit bestmöglich zu machen, und wurde mit dem Assist belohnt."
Jonathan Tah verteilte Zuspruch und einen Tipp an den zwölf Jahre jüngeren Mitspieler: "Er soll nicht anfangen nachzudenken oder etwas verändern zu wollen, was ihn bis hierhin gebracht hat. Er hat hart gearbeitet, war mutig in seinen Aktionen, und wenn heute etwas schief gegangen ist, er Bälle verloren hat, dann soll er sich davon nicht unterkriegen lassen und genauso weitermachen wie in den letzten Wochen und Monaten, dann wird er immer besser werden." Kurz gesagt: Ein Anfang, auf dem sich aufbauen lässt.