Florian Wirtz, Nick Woltemade und ein paar andere Spieler nicht bekommen und erst am Deadline Day doch noch einen Stürmer gefunden: Der FC Bayern hat ein holpriges Sommer-Transferfenster voller Turbulenzen hinter sich - oder doch nicht? Uli Hoeneß sieht das völlig anders.
"Tatsache ist", sagte der Ehrenpräsident und Aufsichtsrat des deutschen Rekordmeisters am Sonntag im Sport1-Doppelpass, "dass wir beim FC Bayern sehr zufrieden sind mit diesem Transfersommer. Wir sind der eigentliche Gewinner dieses Transfersommers, weil wir eine sehr starke Mannschaft haben. Wir mussten sie nicht um drei, vier Spieler ergänzen", zumal "wir im November drei Neuzugänge kriegen, die nichts kosten", nämlich die langzeitverletzten Jamal Musiala, Alphonso Davies und Hiroki Ito.
"Jetzt haben wir eine Mischung. 15, 16 starke Spieler und zwei, drei Junge, bei denen der Trainer gezwungen ist, die irgendwann einzubauen", betonte Hoeneß und machte damit auch eine kleine Ansage Richtung Vincent Kompany. "Wenn das gelingt, ist es das beste Transferjahr, das wir je hatten."
Und die Spieler, die nicht kamen? "Natürlich hätten wir gerne Florian Wirtz gehabt, aber für 150 Millionen hätten wir den nie gekauft. Wir hätten gerne Nick Woltemade gehabt. Wir haben 55 Millionen geboten, Stuttgart wollte 75. Jetzt haben sie ihn offensichtlich für fast 90 Millionen Euro nach Newcastle verkauft. Aber was Newcastle da macht, hat ja mit Fußball nichts zu tun. Das ist ja Monopoly - rücke vor bis zur Schlossallee, dann kommt irgendein Scheich und dann kannst du kaufen", echauffierte sich Hoeneß.
Jackson braucht 40 Spiele von Anfang an: "Die macht er nie"
Auch die Kritik, die die Last-Minute-Leihe von Nicolas Jackson vom FC Chelsea begleitete, wehrte der 73-Jährige ab - indem er Details zum Deal ausplauderte. "Wenn sich jemand aufregt über diese Leihgebühr: Es sind nicht 16,5 Millionen Euro, weil der Spieler und sein Berater drei Millionen Euro übernommen haben. Das heißt, der Spieler kostet 13,5 Millionen. Und die sind überhaupt kein Problem, denn wenn ich einen Spieler für 80 Millionen kaufe, kostet das im Jahr auch 16 Millionen Euro an Abschreibung, und so sind es 13."
Und dass der FC Bayern über eine Kaufoption von 65 Millionen Euro verfügt, die unter bestimmten Voraussetzungen zur Kaufpflicht wird? "Das große Geld muss ja nur dann bezahlt werden, wenn er 40 Spiele von Anfang an macht", verriet Hoeneß. "Die macht er nie."
Gleichzeitig könne der Kader auch während der Saison noch mal verstärkt werden. "Wir dürfen nicht vergessen, dass es im Januar auch noch eine Transferperiode gibt. Wenn wir feststellen, dass wir international gut drauf sind und vielleicht Chancen haben, ganz weit zu kommen, können wir im Januar noch nachlegen. Dann haben wir auch noch genug Geld, um das zu tun."