Erst eine Mannschaft konnte den FC Schalke 04 in dieser Saison in der Veltins-Arena schlagen: Holstein Kiel gewann Mitte September mit 1:0 in Gelsenkirchen. Der 1. FC Kaiserslautern erweckte am Sonntag lange Zeit den Anschein, dass er den Schalkern die zweite Heimniederlage zufügen könnte. Der FCK stand defensiv stabil, ging dank eines Doppelpacks von Ivan Prtajin gar mit 2:0 in Führung - und musste sich am Ende aufgrund zweier später Gegentreffer nun doch mit nur einem Punkt begnügen.
"Wenn heute einer sauer sein kann, dass wir das Spiel nicht gewinnen, dann sind das definitiv wir, weil wir das beste Auswärtsspiel überhaupt gezeigt haben", sagte Torsten Lieberknecht nach der Partie bei Sky. Im Interview ärgerte sich der FCK-Trainer vor allem über den Jubel rund um den zweiten Treffer in der 86. Minute: "Nach dem 2:0 präsentieren wir uns zu euphorisch. Schieß' das 2:0, geh' zurück in deiner Hälfte, mach' den Anstoß und bleib' im Spiel. Aber das sind Sachen: Wenn du die nicht einmal erlebt hast, wirst du daraus nicht lernen."
Lieberknecht betont die "Wucht", die Stadien entwickeln können
Wer einen vor Wut schäumenden Lieberknecht erwartet hatte, wurde indes enttäuscht: "Eines steht fest: Nach der Situation, dass wir sauer sind, dürfen wir einen unglaublichen Stolz auf die fußballerische Leistung haben." Eine "Drohung" sendete der Trainer aber dann doch in Richtung seiner Spieler: "Wenn einer meint, den Kopf eine Woche in den Sand zu stecken und Trübsal zu blasen, der hat ein ganz großes Problem mit mir."
Viel Zeit für schlechte Laune bleibt dem FCK auch gar nicht: Mit der SV Elversberg und dem SV Darmstadt 98 warten zwei weitere direkte Konkurrenten im Aufstiegsrennen auf die Lauterer. Dass der FCK in diesem Rennen weiterhin ein Wörtchen mitreden möchte, unterstrich Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Wir haben beide gezeigt, dass wir zu Recht zum Kreis der Aufstiegskandidaten gehören - der FC Schalke natürlich noch mehr, aber wir gehören auch dazu." Zuvor hatte Lieberknecht bei Sky betont, er wisse, "dass das Thema Aufstieg von uns total forsch angegangen wird, aber wir kommen unseren Worten nach. Das hat man heute auf dem Platz gesehen. Jeder einzelne Spieler hat ein unglaubliches Lob verdient."
Woran hat es also gelegen, dass der FCK trotz des über weite Strecken starken Auswärtsauftritts nicht als Sieger vom Platz ging? Lieberknecht findet im Spielort einen möglichen Grund - und zieht Parallelen zum Fritz-Walter-Stadion: "Miron und ich haben das Privileg, in Stadien spielen zu dürfen, die dafür sorgen, dass irgendwann mal eine Wucht entsteht und man auch mit den Fans im Rücken ein Spiel drehen kann. Das ist uns letzte Woche gegen Hannover und auch in anderen Spielen schon gelungen, heute ist es Schalke 04 gelungen."