Der VfB Lübeck lebt! Trotz einer eher holprigen Vorbereitung, allen voran mit einem sehr kleinen Kader im Vergleich zur Konkurrenz, ist der VfB Lübeck am Samstag mit einem Erfolgserlebnis in die Spielzeit 2025/26 in der Regionalliga Nord gestartet. Der Traditionsverein bezwang den Bremer SV vor 3.319 Zuschauern - in der Spielzeit zuvor fanden "nur" 2.639 Anhänger den Weg ins Stadion gegen den BSV - auf der Lohmühle mit 2:0, ließ sich im Anschluss ausgiebig von den treuen Fans feiern.
Die eingefahrenen drei Punkte resultierten aus einer mannschaftlichen Geschlossenheit, trotzdem stachen so ein bisschen drei Neuzugänge aufseiten des VfB raus. Finn Böhmker (20), der im Sommer vom VfB Stuttgart II zu den Grün-Weißen gewechselt ist und knapp die Nase vorn hatte gegenüber Philipp Diestel (18) beim Thema Nummer 1 im Tor, ließ im Kasten nichts anbrennen, hielt diesen sauber. "Wichtig ist für einen Torwart, wenn die Null steht. Das haben wir uns vorgenommen und geschafft. Wir haben echt einen guten Start hingelegt. Der Gegner hat es ja nicht schlecht gemacht, hat ekelig gespielt, es war klar, dass die auch Chancen haben. Die Mannschaft hat das gut wegverteidigt. Deswegen bin ich stolz auf das Team", sagt der 20-Jährige.
Die Treffer für Grün-Weiß erzielten Ware Pakia und Antonio Verinac. Pakia, der zuvor vereinslos war und erst kurz vor dem Start in die Saison auf den Lohmühlen-Zug aufgesprungen war, wurde per Steckpass bedient von Bjarne Pfundheller (Neuzugang von Hannover 96 U 19) und traf ins linke Eck. Der Torschütze hatte allerdings Pech, dass es für ihn verletzungsbedingt nicht weiter ging nach der Pause. Pakias muskuläre Probleme setzen hinter seinem Einsatz im nächsten Spiel ein Fragezeichen. Den Deckel in einem interessanten Match machte schließlich Sturmpartner Verinac (20) drauf, der sich für seine Einzelleistung selbst belohnte und nach dem Abpfiff aus dem Strahlen nicht herauskam. "Perfekt war es vielleicht noch nicht, da gibt es sicherlich noch ein paar Baustellen, die wir verbessern werden. Es war aber ein schon richtig guter Auftakt."
„Ich glaube, das war die beste Atmosphäre, die ich beim Fußball aktuell erlebt habe.“ (Antonio Verinac über die Stimmung gegen den Bremer SV)
Aufgesaugt hat der Mittelstürmer, der in der Spielzeit 24/25 noch in Diensten des ETSV Hamburg in der Oberliga stand, die Atmosphäre an der Lohmühle, den durchgehenden Support von den Rängen: "Ich glaube, das war die beste Atmosphäre, die ich beim Fußball aktuell erlebt habe. Das war unfassbar." Trainer Guerino Capretti freut sich natürlich über den "wichtigen Auftaktsieg" und sagt mit Blick auf das genannte Trio. "Wir hätten mit Ware gerne im Spiel weitergemacht, dass ging ja leider nicht. Er hat bei uns schon in der Vorbereitung gezeigt, dass er wichtig sein kann. Für sein erstes Spiel, mit dem Tor, war das auf jeden Fall gut." Auch Verinac hat dem VfB-Cheftrainer gefallen. "Wenn man bedenkt, dass er von einem Fünftligisten kommt, sich jetzt taktisch umstellen muss, war das absolut okay. Wie er das Tor schießt, ist richtig stark. Er hat Power, hat den Willen, ist noch richtig jung. Aus ihm können wir, wenn er an gewissen Sachen arbeitet, noch viel machen."
Keeper Böhmker war der erhoffte und gute Rückhalt, bekam auch ein Lob. "Was er halten muss, hat er gehalten, das sah alles schon gut aus. Natürlich kann man noch Sachen verbessern. Hier und da hat er mal den Ball zu früh langgespielt. Da hätte ich mir gewünscht, dass wir mehr Ruhe am Ball haben. Das sind nun so Kleinigkeiten, an denen wir arbeiten, woran auch er arbeiten muss, um den nächsten Schritt zu machen. Insgesamt haben die drei das aber schon sehr ordentlich gemacht, bin ich zufrieden."
Auf das nächste Heimspiel in der Liga muss man in Lübeck allerdings warten. Dort geht es erst am 27. August, nach zuvor drei Auswärtsauftritten (Meppen, Oldenburg, Norderstedt) weiter. Allerdings ist der VfB Lübeck am 16. August (18 Uhr) im DFB-Pokal im Einsatz, empfängt in der ersten Runde Zweitligist SV Darmstadt 98. Der Fokus der Schleswig-Holsteiner ist nun aber erst einmal auf den Freitag (19 Uhr) gerichtet, dem Kick im Emsland beim SV Meppen. Ein Aufeinandertreffen zweier Traditionsvereine, in dem der neuformierte VfB laut Capretti tendenziell ohne Druck aufspielen kann, aber natürlich sich nicht dort am Abend kampflos ergeben will. Zuvor bezieht die Mannschaft am Spieltag noch ein Tageshotel.
"Siege sind immer schön, drei Punkte zu holen, macht immer Spaß. Am Freitag wird das nun aber ein ganz anderes Spiel. Wir spielen auswärts, in Meppen ist immer viel los, wir treffen da auf eine richtig gute Mannschaft, die sehr ambitioniert ist, sich sehr gut verstärkt hat. Auf dem Papier sind die klarer Favorit, wir der Außenseiter. Unsere Aufgabe ist es, bei uns zu bleiben, zu versuchen, unser Spiel zu verbessern, dass wir mutig sind und uns nicht ablenken lassen von den vielen Zuschauern dort. Wir fahren aber auch nicht nur einfach so da hin, wollen richtig Gas geben, um was mitzunehmen. Wenn wir das dann schaffen, das wäre eine richtig gute Sache", glaubt Capretti an eine kleine Chance.