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Mehr als ein Kunstschütze: Grimaldo und sein Aufstieg zum Chef

kicker

Oberflächlich betrachtet war alles wie immer. Wie Alejandro Grimaldo mit seinem zweiten filigranen Kunststoß beim 3:1-Sieg gegen Frankfurt den Endstand erzielte, war außergewöhnlich, aber eben auch ein gewohntes Bild. Stellte sein Teamkollege Nathan Tella doch nachher mit einem breiten Grinsen treffend fest, Grimaldo habe mit "einem für ihn normalen Freistoß" den Deckel auf die Partie gemacht, die für Bayer den verspäteten Startschuss in die Saison darstellte.

Der xGoals-Wert für Freistöße muss korrigiert werden, wenn Grimaldo schießt

Normal sind solche Freistöße aus Grimaldos Sicht in der Tat. Der spanische Nationalspieler hatte bereits den 1:0-Führungstreffer auf dieselbe Art und Weise erzielt: mit Topspin über die Mauer. Der xGoals-Wert für Freistöße aus dieser Position muss dringend korrigiert werden für den Fall, dass der 29-Jährige zur Ausführung antritt.

Die Qualität des Linksfüßers bei ruhenden Bällen ist extrem hoch. So hoch, dass selbst Trainer Kasper Hjulmand den Gedanken, Grimaldo könnte den Freistoß in der Nachspielzeit kurz ausführen, um Zeit von der Uhr zu nehmen, nicht Überhand gewinnen ließ. "Grimaldo ist in solchen Situationen sehr selbstbewusst, die Art, wie er den Ball schießt. Das habe ich auch schon im Training gesehen. Ich dachte, das wäre das Richtige", sagte der Däne, der seine Einschätzung nochmal unterstrich: "Das ist jetzt leicht zu sagen. Aber wenn man einen Spieler mit diesem Selbstbewusstsein in einer solchen Position hat, muss man das natürlich versuchen."

Grimaldo füllt zum Teil das Vakuum, das Xhaka hinterließ

Doch Grimaldo beeindruckte bei seinem Auftritt mit weit mehr als "nur" zwei Zauber-Standards. So betonte Geschäftsführer Simon Rolfes vor allem die tragende Rolle, die der Spanier gerade in den Frankfurter Druckphasen bei Leverkusener Unterzahl nach der Ampelkarte für Kapitän Robert Andrich nach einer Stunde übernahm.

In dieser Phase schwang sich der offensiv oft einrückende linke Schienenspieler, der zudem sehr aufmerksam gegen Frankfurts Ritsu Doan verteidigte, zum Anker des Leverkusener Spiels auf, beruhigte mit seiner Ballsicherheit selbst unter dem Druck von zwei oder drei Gegenspielern die Partie, löste sich aus schwierigen Situationen, nahm den Druck vom Kessel. Auch wenn der Spanier natürlich auf einer anderen Position agierte als Sechser Granit Xhaka in den vergangenen beiden Spielzeiten, so übernahm er doch zumindest zum Teil dessen Chefrolle und füllt so das Vakuum, das der zum AFC Sunderland gewechselte Stratege hinterließ.

„Das ist für ihn noch mal ein Schritt und der tut ihm auch gut. Er hat jetzt eine andere Stellung in der Hierarchie. Und die nimmt er auch wahr.“ (Simon Rolfes)

"Das ist für ihn noch mal ein Schritt und der tut ihm auch gut, die Binde zu bekommen, als Rob runter musste, Verantwortung und Führung zu übernehmen", beschreibt Rolfes die veränderte Situation. "Führungsspieler war er schon vorher durch seine Art und Weise, wie professionell er ist, und seine Qualität im Spiel", erklärt der 43-Jährige Grimaldos Aufstieg, "jetzt hat er auch noch eine andere Stellung in der Mannschaftshierarchie. Und die nimmt er auch wahr."

Grimaldo jedenfalls erstrahlte mit noch mehr Verantwortung in noch hellerem Glanz. Nach einer durchwachsenen Rückrunde startete er nun stark in die neue Saison. Von allen Leverkusener Profis, die mehr als eine der ersten drei Partien absolvierten, ist sein kicker-Notenschnitt von 2,67 der beste. Dieser Wert ist keine Selbstverständlichkeit nach zwei so schwachen Mannschaftsleistungen wie zuvor beim 3:3 in Bremen und zum Liga-Auftakt beim 1:2 gegen Hoffenheim, bei dem Grimaldo als einziger Leverkusener Normalform erreicht hatte.

„Direkte Freistöße? In dieser Kategorie ist er der Beste.“ (Simon Rolfes)

In der neuen Rolle blüht Grimaldo offensichtlich auf. Seine alte Stärke bei Freistößen hat er zudem bewahrt. "In dieser Kategorie ist er der Beste", stellt Rolfes mit Blick auf mehrere Jahrzehnte im Profi-Fußball anerkennend fest. Ein Assist und zwei Treffer stehen für Grimaldo in dieser Saison bereits zu Buche. Allesamt entsprungen aus ruhenden Bällen. Alles wie immer also - aber doch auch ganz anders.